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Wie sich Griechenland-Pleite vermeiden lässt: drei Vorschläge

Drohende Staatspleite  

Drei Vorschläge zur Rettung Griechenlands

11.05.2015, 16:30 Uhr | Von Stefan Kaiser, Spiegel Online

Wie sich Griechenland-Pleite vermeiden lässt: drei Vorschläge. Ein Vorschlag zur Rettung Griechenlands: Rentner, Beamte und Firmen könnten statt Euro Schuldscheine bekommen. (Quelle: Reuters)

Ein Vorschlag zur Rettung Griechenlands: Rentner, Beamte und Firmen könnten statt Euro Schuldscheine bekommen. (Quelle: Reuters)

Dem krisengeplagten Griechenland bleiben noch Tage oder Wochen, um die Staatspleite zu verhindern - doch die Verhandlungen mit den Gläubigern sind festgefahren. Höchste Zeit, auch ungewöhnliche Lösungsvorschläge zu diskutieren. Hier sind drei.

Wie lange hält Griechenland noch durch? An diesem Montag treffen sich in Brüssel wieder mal die Euro-Finanzminister, um über die Auszahlung zurückgehaltener Milliarden-Hilfen zu reden. Das Land braucht das Geld dringend, sonst ist es spätestens im Sommer pleite.

Rund 9,5 Milliarden Euro Schulden muss Griechenland bis zum 20 August zurückzahlen - an den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Europäische Zentralbank (EZB). So sehr die Regierung in Athen es in den vergangenen Wochen geschafft hat, immer noch irgendwo Geld zusammenzukratzen: Für diese gewaltige Summe wird es nicht reichen.

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Es könnte schnell gehen

Wie lange genau Griechenland und seine Gläubiger noch Zeit haben, sich zu einigen, ist offen. Es können Wochen sein oder nur noch Tage.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erinnerte am Wochenende schon mal daran, dass es mitunter sehr schnell gehen könne mit dem Staatsbankrott. Und die griechische Zeitung "To Vima" berichtete am Montag aus Athener Regierungskreisen, dass man erwäge, schon die am Dienstag fällige Rate von 750 Millionen Euro an den IWF nicht mehr zu zahlen, falls sich die Euro-Finanzminister in den Verhandlungen allzu hart zeigten. Ein Regierungssprecher wies den Bericht zurück. Man werde die fällige Rate fristgerecht überweisen.

Dass es schnell zu einer Einigung über die Auszahlung der blockierten Griechenland-Hilfen kommt, ist dennoch unwahrscheinlich. Die Euro-Partner zweifeln offenbar am Willen zur Umsetzung der geforderten Reformen: "Es gibt immer noch eine große Lücke zwischen den griechischen Diskussionen in Brüssel und den Handlungen in Athen", ließ der slowakische Finanzminister Peter Kazimir am Montag per Twitter ausrichten.

Kein Wunder also, dass sich die Troika aus IWF, EZB und EU-Kommission bereits auf eine Pleite des Landes vorbereitet. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" hat der IWF bereits Bankenaufseher in Nachbarländern kontaktiert, um mögliche Ansteckungseffekte auf deren Finanzinstitute einzudämmen.

In einer solch dramatischen Situation lohnt sich ein Blick auf ungewöhnliche Lösungsvorschläge, die in diesen Tagen zunehmend an Aufmerksamkeit gewinnen. Sie reichen von einer Neustrukturierung der Schulden über eine Parallelwährung bis hin zum kurzzeitigen Euro-Austritt.

Grünen-Vorschlag: Rettungsfonds übernimmt die Schulden bei IWF und EZB

Rund 80 Prozent der mehr als 300 Milliarden Euro Staatsschulden liegen in öffentlicher Hand - der Großteil davon ist sehr niedrig verzinst und muss erst in Jahren oder gar Jahrzehnten zurückgezahlt werden. Das gilt vor allem für die Kredite des Euro-Rettungsfonds, die im Rahmen des zweiten Hilfspakets vergeben wurden. Hier beginnt die Rückzahlung erst ab dem Jahr 2023, die letzten 30 Milliardenkredite müssen sogar erst ab 2054 beglichen werden.

In den kommenden Monaten und Jahren sind es vor allem der Weltwährungsfonds IWF und die EZB, die ihr Geld von Griechenland zurückhaben wollen - insgesamt fast 50 Milliarden Euro. Die Experten der Grünen-Bundestagsfraktion schlagen nun vor, einen Großteil dieser Schulden umzuschichten. Der Euro-Rettungsfonds soll die bis 2020 anfallenden Zahlungsverpflichtungen Griechenlands übernehmen und somit weiter in die Zukunft verschieben. So bekäme Griechenland mehr Zeit, sich selbst aus seiner wirtschaftlichen Misere zu befreien. Der Nachteil des Vorschlags: Es wäre ein neues Hilfspaket nötig, die europäischen Steuerzahler müssten noch stärker für Griechenland ins Risiko gehen.

Ökonomen-Vorschlag: Griechenland führt den "Geuro" ein

Selbst wenn Griechenland jeden Euro zusammenkratzt, um seine Auslandsschulden zu bezahlen: Spätestens wenn es darum geht, Pensionen und Bezüge für Staatsdiener zu überweisen, wird es irgendwann eng werden. Um einen Bankrott zu verhindern, könnte das Land deshalb eine Parallelwährung einführen und damit seine inländischen Verbindlichkeiten begleichen. Rentner, Beamte und Firmen bekämen dann statt Euro Schuldscheine, die sie im Inland wie Geld einsetzten könnten. Für den Staat wäre das deutlich billiger. Zugleich blieben die Auslandsschulden in Euro bestehen.

Einen solchen Vorschlag hat der damalige Chefökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, bereits im Jahr 2012 gemacht. Er nannte die neue Währung "Geuro". Mayers Wort findet jetzt besonderes Gehör. Der Volkswirt, der mittlerweile für den Vermögensverwalter Flossbach von Storch arbeitet, hat sich Ende April bereits mit Ministerpräsident Tsipras und Finanzminister Gianis Varoufakis getroffen - auch um ihnen seinen Vorschlag zu erläutern. "Sie haben sich das angehört", sagt Mayer, "ich weiß nicht, welche Schlüsse sie daraus ziehen."

Auch der "Geuro" hat jedoch seine Tücken: Die griechische Bevölkerung würde erst einmal ärmer. Und auch die Gefahr des Staatsbankrotts wäre allein mit der Parallelwährung noch nicht gebannt.

FDP-Vorschlag: Griechenland nimmt eine Auszeit vom Euro

Die meisten Ökonomen warnen vor einem Grexit, weil er Griechenland noch tiefer in die Krise stürzen und auch den politischen Zusammenhalt Europas gefährden würde. Doch es gibt auch andere Meinungen: Hans-Werner Sinn etwa, der Chef des Münchner Ifo-Instituts, wird seit Jahren nicht müde, die Vorteile eines Austritts für Griechenland zu betonen. Die neue Währung des Landes würde im Vergleich zum Euro drastisch an Wert verlieren und somit griechische Produkte im Ausland wettbewerbsfähiger machen.

Dieser Logik folgt auch der Vorschlag, den FDP-Chef Christian Lindner vergangene Woche verbreitete. Demnach solle Griechenland zeitlich begrenzt die Eurozone verlassen - eine Auszeit vom Euro sozusagen. Sobald das Land seine wirtschaftlichen Probleme gelöst hat, könnte es wieder in die Währungsunion eintreten. Der Vorschlag hat durchaus Charme, eine Umsetzung hätte aber auch gravierende Folgen: Die europäische Währungsunion wäre nicht mehr ein starker Verbund, sondern vielmehr ein loses System fester Wechselkurse. Die Vorreiterrolle der Eurozone für eine stärkere politische Integration ginge verloren.

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