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US-Telekomriese Verizon schluckt AOL


Ende einer Ära  

US-Telekomriese Verizon schluckt AOL

12.05.2015, 17:08 Uhr | AFP, dpa, rtr

US-Telekomriese Verizon schluckt AOL. Dreißig Jahre nach seiner Gründung verliert AOL die Eigenständigkeit, um gemeinsam mit Verizon einen "neuen Kurs einzuschlagen". (Quelle: imago images)

Dreißig Jahre nach seiner Gründung verliert AOL die Eigenständigkeit, um gemeinsam mit Verizon einen "neuen Kurs einzuschlagen". (Quelle: imago images)

Ein Kapitel Internet-Geschichte geht zu Ende: Rund 30 Jahre nach seiner Gründung verliert der Internetpionier AOL die Eigenständigkeit. Der US-Mobilfunkriese Verizon will das einst für seinen E-Mail-Dienst bekanntgewordene Unternehmen für rund 4,4 Milliarden Dollar kaufen.

Man habe sich mit AOL auf einen Preis von 50 Dollar pro AOL-Aktie geeinigt, einen Aufschlag von gut 17 Prozent zum Schlusskurs vom Montag, teilte Verizon mit. Verizon will sich mit der Übernahme Zugang zu AOLs digitaler Werbesparte verschaffen und sein Geschäft mit mobilen Videos stärken. Damit ist auch eine Fusion mit dem ebenfalls schwächelnden Onlinevorreiter Yahoo vom Tisch, über die zuletzt spekuliert wurde.

Bei Anlegern kam der Deal gut an. Die AOL-Aktie kletterte im US-Handel um fast 20 Prozent. Die deutsche Notierung legte ähnlich stark zu. Der Deal, zudem auch AOL-Schulden von etwa 300 Millionen Dollar gehören, soll über Eigen- und Fremdkapital finanziert werden.

Missverständnis Time Warner

In Deutschland wurde AOL vielen Internetnutzern zur Jahrtausendwende durch TV-Werbespots mit dem früheren Tennisstar Boris Becker bekannt ("Bin ich schon drin?"). AOL hatte zu seiner Blütezeit als Internet-Provider über 30 Millionen Abonnenten weltweit. Der US-Konzern, 1985 als Quantum Computer Services gegründet, war damit im Jahr 2000 ein Technologieriese und kaufte Time Warner für mehr als 160 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 142 Milliarden Euro).

Auf dem Höhepunkt der Internet-Blase wurde der Zusammenschluss zu AOL Time Warner als zukunftsweisende Verbindung alter und neuer Medien gefeiert. Im Nachhinein gilt dieser Deal jedoch als Fehlinvestition. AOL wurde schließlich 2009 wieder von Time Warner abgespalten.

Bertelsmann kassierte ab

In Deutschland profitierte eine Zeit lang der Medienkonzern Bertelsmann erheblich von einer Zusammenarbeit mit AOL. Der damalige Bertelsmann-Vorstand Thomas Middelhoff bewegte den Konzern dazu, früh in AOL zu investieren. Mit dem äußerst lukrativen Deal im Rücken stieg Middelhoff zum Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann AG auf. 1995 ging AOL Europe mit der Bertelsmann AG das Joint Venture AOL Deutschland ein, das drei Jahre später bereits wieder beendet wurde. Im Jahr 2000 machte Bertelsmann ein spektakuläres Geschäft mit dem Verkauf der Anteile an AOL Europe für mehr als sechs Milliarden Dollar.

Zuletzt hat AOL-Chef Tim Armstrong das Internet-Unternehmen in eine der erfolgreichsten Technologiefirmen auf dem Werbemarkt umgebaut.

"Es gibt für uns keinen besseren Partner"

Zu AOL gehören unter anderem die Webseite Huffington Post und die IT-Medien TechCrunch und Engadget. Armstrong, der auch künftig bei AOL das Sagen haben soll, betonte im TV-Sender CNBC: "Es gibt für uns keinen besseren Partner auf dem weiteren Weg als Verizon."

Verizon ist der größte Mobilfunkanbieter in den USA und versorgt seine Kunden auch mit Breitband-Internet, Festnetztelefon sowie Kabelfernsehen. "AOL ist abermals zu einem digitalen Vorreiter geworden und wir sind begeistert über die Aussichten, gemeinsam einen neuen Kurs in der digital vernetzten Welt einzuschlagen", erklärte Verizon-Chef Lowell McAdam.

Auch Yahoo war zuletzt wiederholt von seinem Großaktionär Starboard Value zu einer Fusion mit AOL gedrängt worden, um aus der Krise zu kommen. Der Konzern ist gegenüber den Rivalen Google und Facebook weit ins Hintertreffen geraten.

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