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BER und Co.: Studie zeigt Deutschlands teure Großprojekte


Deutschlands Milliardenverschlinger  

Öffentliche Projekte viel teurer als geplant

19.05.2015, 22:00 Uhr | dpa, t-online.de

BER und Co.: Studie zeigt Deutschlands teure Großprojekte. Öffentlich finanzierte Großprojekte genießen in Deutschland keinen guten Ruf - sie verschlingen Milliarden an Kosten. (Quelle: dpa)

Die Bischofsresidenz in Limburg an der Lahn und der Kühlturm des ehemaligen Kernkraftwerks "Schneller Brüter" in Kalkar. (Quelle: dpa)

Öffentlich finanzierte Großprojekte genießen in Deutschland keinen guten Ruf. Nun vorgelegte Zahlen und Fakten werden dies kaum ändern: Im Schnitt sind diese Projekte mehr als ein Drittel teurer als zunächst geplant, bei öffentlichen Gebäuden sind es sogar 44 Prozent. Das geht aus einer Studie der Berliner Hertie School of Governance zur Kostenentwicklung von 170 Großprojekten seit 1960 hervor. Bezahlen müssen die Fehlkalkulationen meist die Steuerzahler.

Die Hertie-Studie "Großprojekte in Deutschland - zwischen Ambition und Realität" untersuchte Großprojekte aus den Bereichen Transport, Verteidigung, Energie und Elektronik/IT. In den letzten beiden Bereichen ist die ungeplante Kostenexplosion am höchsten.

Bei den im Zeitraum fertiggestellten 119 Projekten, so die Forscher, betragen die Mehrkosten im Durchschnitt 73 Prozent als ursprünglich geplant. Bei den noch fertig zu stellenden 51 Bauten 41 Prozent, Tendenz steigend. Insgesamt fielen Kosten von 200 Milliarden Euro an - 59 Milliarden mehr als geplant.

BER und Elbphilharmonie als Paradebeispiele

Als Paradebeispiele für aus dem Ruder gelaufene Kosten nennt die veröffentlichte Untersuchung der Privatuniversität den Berliner Flughafen BER mit einer Überschreitung von 125 Prozent und die Hamburger Elbphilharmonie. Für die Konzerthalle waren einst 352 Millionen Euro veranschlagt, am Ende werden es wohl mehr als 865 Millionen Euro sein - ein Mehr von 146 Prozent.

Falsche Projektorganisation und mangelndes Fachwissen schuld

Ursachen für solche Kostenexplosionen sind der Studie zufolge oft falsche Projektorganisation und schlampige Umsetzung sowie - wie im BER-Fall - mangelndes Fachwissen beim verantwortlichen Aufsichtsrat. Durch den Verzicht auf einen Generalunternehmer sei das finanzielle Risiko beim Flughafen komplett auf den Steuerzahler abgewälzt worden.

Fehler hätten vermieden werden können

Mit der Aufteilung des BER-Projekts in viele kleine Teile sei der Steuerungsaufwand exorbitant geworden. Mit externem Sachverstand und einer ausreichend bemessenen Planungsphase hätten sämtliche Fehler vermieden werden können, heißt es in der Studie weiter.

Aber auch Risiken und viele Unsicherheitsfaktoren sowie unvorhersehbare technische Mängel oder mehr Bürokratiebedarf als eingeplant werden als Gründe für die Kosten genannt.

Hier einige Beispiele:

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Die elektronische Gesundheitskarte ist seit 2015 im Einsatz. Ursprünglich sollte sie 2006 eingeführt werden. Laut "Spiegel Online", dem die Studie vorab vorlag, fallen hier Mehrkosten von 3,4 Milliarden Euro an. Das entspricht einer Kostensteigerung von 208 Prozent.

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Der Kühlturm des ehemaligen Kernkraftwerks "Schneller Brüter" in Kalkar. 1973 begonnen und 1985 fertiggestellt, ging das Atomkraftwerk nie ans Netz wegen zu großer Sicherheitsbedenken und der Kritik der Anti-Atombewegung. Kosten sollte der Brüter laut "Spiegel Online" 471 Millionen Euro - tatsächlich wurden es 2,8 Milliarden Euro. Das entspricht einer Kostenexplosion von 494 Prozent.

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa)

Das katholische Kostendebakel: Ursprünglich sollte die Residenz von Bischof Franz-Peter Tebartz-van-Elst 147 Quadratmeter umfassen. Daraus wurden 2000. Mit 25 Millionen Euro Mehrkosten (425 Prozent Steigerung) ist das noch eines der "billigeren" Bauprojekte.

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