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Deutsche Bank: Buhrufe bei Hauptversammlung


Buhrufe bei Hauptversammlung  

"Das Bild der Deutschen Bank ist stark angeschlagen"

21.05.2015, 18:17 Uhr | t-online.de, rtr, dpa

Deutsche Bank: Buhrufe bei Hauptversammlung. Chef-Duo der Deutschen Bank: Anshu Jain (l.) und Jürgen Fitschen. (Quelle: dpa)

Chef-Duo der Deutschen Bank: Anshu Jain (l.) und Jürgen Fitschen. (Quelle: dpa)

Wegen harscher Kritik an der Deutschen Bank hat die Führung bei der Hauptversammlung des größten deutschen Geldhauses den Aktionären Offenheit zugesichert. "Wir werfen einen ehrlichen Blick auf das, was wir versprochen haben", sagte Ko-Vorstandschef Anshu Jain. "Keine Frage, das öffentliche Bild der Deutschen Bank ist derzeit stark angeschlagen", räumte der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner ein. Schon am Vorabend ordnete der Aufsichtsrat die Zuständigkeiten im Vorstand neu.

Der Vorstand rechne "auch mit unbequemen Fragen", sagte Jain an die Aktionäre gerichtet. Er bezog sich auf den Unmut vieler Anteilseigner im Vorfeld der Hauptversammlung. Unter anderem aus Unzufriedenheit mit dem Risikomanagement beim Skandal um die Manipulation des Libor-Zinssatzes hatten einige angekündigt, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern.

"Rechtsstreitigkeiten kostspieliger als erwartet"

Jain hob zunächst die Bereiche hervor, in denen der Vorstand seit 2012 "viel erreicht" habe. So habe die Deutsche Bank ihre Kapitalausstattung gestärkt oder einen Kulturwandel eingeleitet. Allerdings habe sich die Beilegung der Rechtsstreitigkeiten als "langwieriger und viel kostspieliger" erwiesen als erwartet. Erst vor rund einem Monat hatten die britische und die US-Finanzaufsicht die Deutsche Bank wegen der Manipulation von Zinssätzen mit einer Strafe von mehr als 2,5 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) belegt.

Auch Ko-Chef Jürgen Fitschen ging in seiner Rede auf den Kulturwandel ein - ein "Thema, das ihm sehr am Herzen" liege. In den vergangenen Jahren habe die Bank "abermals Fortschritte gemacht" und Maßnahmen ergriffen, um zukünftigem Fehlverhalten vorzubeugen. In Fitschens Rede mischten sich laute Buhrufe. Achleitner gab hingegen zu, niemand könne mit dem "äußeren Erscheinungsbild der Bank und dem Aktienkurs zufrieden sein", und erntete damit Applaus von den Aktionären.

Chef-Posten neu sortiert

Nach der Neuverteilung der Vorstandsposten soll Jain die Verantwortung für Strategie und Organisationsentwicklung übernehmen. Dieser Bereich sei "für die Anpassung des operativen Modells der Bank zur Steigerung der Effizienz entscheidend", hatte das Geldhaus im Vorfeld der Hauptversammlung mitgeteilt.

Jain übergibt dafür den Bereich Globale Abwicklungen an Finanzvorstand Stefan Krause, der überdies Aufgaben von Fitschen übernimmt. Fitschen steht derzeit unter Druck, weil er sich vor dem Landgericht München wegen versuchten Prozessbetrugs verantworten muss. Er weist die Vorwürfe im Zusammenhang mit einem Prozess zur Pleite des Medienkonzerns von Leo Kirch im Jahr 2002 zurück.

Vollzogen wurde bei der Aufsichtsratssitzung auch die Trennung vom bisherigen Chef des Privatkundengeschäfts, Rainer Neske. Wie die Bank mitteilte, verlässt der Manager das Unternehmen zum 30. Juni. Berichten zufolge hatte Neske bei einer Abstimmung des Bankvorstands über das neue strategische Konzept als einziger dagegen gestimmt.

Trennung von Postbank kostet über 100 Millionen Euro

Bereits Ende April wurde beschlossen, dass die Tochter Postbank abgestoßen wird. Darüber hinaus will die Deutsche Bank bis zu 200 eigene Filialen schließen. Nach Angaben der Bank wird die Trennung von der Postbank mehr als 100 Millionen Euro kosten. Finanzvorstand Stefan Krause sprach von einem "niedrigen dreistelligen Millionenbetrag". Zum erwarteten Erlös wollte er sich nicht äußern. Die Deutsche Bank hatte rund sechs Milliarden für die Postbank gezahlt.

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