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Prokon: EnBW legt Angebot für Windanlagenbauer vor

Angebot für Prokon vorgelegt  

EnBW greift nach insolventem Windanlagenbauer

22.05.2015, 16:52 Uhr | t-online.de, dpa-AFX

Prokon: EnBW legt Angebot für Windanlagenbauer vor. Der Windkraftanlagenbauer Prokon hatte im Januar 2014 Insolvenz angemeldet.  (Quelle: Wahnwegen)

Der Windkraftanlagenbauer Prokon hatte im Januar 2014 Insolvenz angemeldet. (Quelle: Wahnwegen)

Mehr als ein Jahr nach seiner Insolvenz hat der Windkraftanlagenbauer Prokon einen potenziellen neuen Inhaber gefunden. Der Energiekonzern EnBW hat 550 Millionen Euro für das Unternehmen geboten. Das letzte Wort bei einem Verkauf haben allerdings die Gläubiger von Prokon.

EnBW bewertet Prokon damit zwar um 100 Millionen Euro niedriger als das konkurrierende Genossenschaftsmodell. Unterm Strich würden Anleger und Gläubiger aber mit der EnBW besser fahren, versicherte EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer in einer Telefonkonferenz.

Gläubiger verlieren 40 Prozent ihres Einsatzes

"Unser Angebot macht Prokon zukunftssicher. Das Unternehmen wird handlungsfähig, wir schaffen die Voraussetzungen für einen soliden Neuanfang." Der Gläubigerausschuss des Unternehmens hat EnBW zwar schon als "bevorzugten Investor" ausgewählt. Die endgültige Entscheidung, ob der drittgrößte deutsche Energiekonzern EnBW auch neuer Prokon-Inhaber wird, fällt jedoch erst auf der Gläubigerversammlung am 2. Juli in Hamburg.

Dann müssen die rund 100.000 Gläubiger entscheiden, ob sie als Eigentümer die Prokon-Windparks im Rahmen einer Genossenschaft fortführen oder das Vermögen an die EnBW verkaufen wollen. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin hat zu beiden Modellen Pläne vorgelegt.

Die Insolvenz sei für die Gläubiger "eine sehr bittere Tatsache, weil sie in jedem Fall mehr als 40 Prozent ihres eingesetzten Kapitals verlieren werden", sagte Kusterer. Der Verlust sei "unabänderlich", egal, für welches Modell sich die Gläubiger entscheiden.

Beim EnBW-Angebot, das laut Kusterer "unser letztes Wort" ist, würden aber alle Gläubigergruppen "risikofrei und zeitnah eine substanzielle Barzahlung" erhalten. Beim Genossenschaftsmodell erhielte hingegen "nur ein kleiner Teil der Gläubiger" wie Lieferanten und Banken eine sofortige Barauszahlung.

Genussrechtsinhaber, die 90 Prozent aller Forderungen halten, müssten dagegen eine Anleihe zeichnen und - falls sie sich für eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft entscheiden - ein unternehmerisches Risiko eingehen.

"Windkraft in Deutschland weiterentwickeln"

Aus Sicht von Kusterer ergänzen sich EnBW und Prokon perfekt, "um die Windkraft in Deutschland solide und gut finanziert weiter zu entwickeln". Die EnBW, die für den Ausbau der Erneuerbaren Energien bis 2020 rund 3,5 Milliarden Euro investieren will, möchte den Erwerb ausschließlich mit eigenen Mitteln finanzieren.

"Wir können das aus unserer Liquidität finanzieren und müssen damit nicht auf den Kapitalmarkt gehen." Die Genussrechtinhaber müssten abwägen, ob ein "ein schuldenbeladenes Unternehmen ohne starken Partner wirklich bessere Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft hat". Der EnBW-Finanzvorstand schloss auf Nachfrage auch eine "Genossenschaft unter dem Dach der EnBW" nicht aus. Man sei da offen, auch wenn im Insolvenzverfahren nur das Barangebot gelte.

Prokon war im Januar 2014 in die Insolvenz gerutscht. Die Firma hatte sich durch den Verkauf von Genussrechten im Wert von 1,4 Milliarden Euro an rund 75.000 Anleger finanziert. Genussrechteinhaber sind anders als Besitzer von Aktien nicht an einem Unternehmen beteiligt.

Im Fall einer Insolvenz sind ihre Forderungen nur nachrangig, das heißt andere Gläubiger kommen vor ihnen zum Zug. Auch als Lehre aus dem Fall Prokon verabschiedete der Bundestag im April das Kleinanlegerschutz-Gesetz, das Anleger am sogenannten grauen Kapitalmarkt besser schützen soll.

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