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Malaysia Airlines: Deutscher Sanierer soll Fluglinie retten

Sanierer Christoph Müller  

Deutscher soll Malaysia Airlines retten

03.06.2015, 09:27 Uhr | von Ulrike Putz, Spiegel Online

Malaysia Airlines: Deutscher Sanierer soll Fluglinie retten. Christoph Müller hat eine Mammut-Aufgabe vor sich. (Quelle: Reuters)

Christoph Müller hat eine Mammut-Aufgabe vor sich. (Quelle: Reuters)

Es ist der wohl schwierigste Job der Branche: Der deutsche Fluglinien-Sanierer Christoph Müller soll die nach zwei Katastrophen schwer angeschlagene Malaysia Airlines retten. Doch der Image-Schaden erscheint kaum reparabel.

Auf Twitter gibt sich Malaysia Airlines (MAS) in diesen schweren Tagen trotzig-optimistisch: #keepflying (fliege weiter) wird dort als Hashtag und Motto der angeschlagenen Fluglinie promotet. Doch Christoph Müller, dem seit März amtierenden Chef von MAS, müsste schon ein kleines Wunder gelingen, um das Unternehmen zu retten.

Wobei - Müller kann eigentlich Wunder. Im Jahr 2009 gelang ihm ein Meisterstück, als er binnen eines Jahres die marode irische Fluglinie Aer Lingus zurück auf Kurs brachte. Der Luftfahrt-Experte setzte dabei einerseits auf Stellenstreichungen, andererseits auf eine Straffung des Angebots und mehr Bequemlichkeit in der Kabine. Das Rezept ging auf. Fünf Jahre lang flog Aer Lingus unter Müller trotz schlechter Konjunktur Gewinne ein.

Zwei verheerende Katastrophen

Nun ist Malaysia Airlines ein wirklich harter Brocken, an dem sich Müllers Doppel-Strategie aus Schlankheitskur plus Serviceoffensive beweisen muss. Das Unternehmen ist doppelt angeschlagen: Da war einerseits das Katastrophenjahr 2014, das dem Image der Linie heftigen Schaden zugefügt hat: Am 8. März verschwand Flug MH370 auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Von der Maschine und den 239 Menschen an Bord fehlt bis heute jede Spur. Am 17.Juli dann wurde MH17 über der Ukraine abgeschossen, 298 Menschen starben.

Doch auch schon vor dem Unglücks-Doppel hatte die Fluglinie massive Probleme. Missmanagement, Korruption und eine gute Dosis Größenwahn führten dazu, dass das Unternehmen seit 2011 Jahr für Jahr Verlust machte. Im Herbst 2014 griff die Regierung ein, Malaysia Airlines gehört seitdem dem Staatsfond Khazanah Nasional.

Gerade weil die Situation so verfahren ist, haben die Malaysier Müller angeheuert. "Ich bin einer, der nicht Schönheitschirurg wird, sondern in der Notaufnahme arbeitet", sagt der 53-Jährige über seinen Job als Sanierer. Für die MAS hat er am Montag eine Rosskur angekündigt: Danach werden 6000 der 20.000 Angestellten der Linie in den kommenden zwei Wochen ihren Job verlieren. Die verbleibenden 14.000 werden - zu schlechteren Konditionen und teils nur mit Zeitverträgen - weiter beschäftigt.

Ziel, ab 2018 kostendeckend zu arbeiten

Malaysian Airlines sei "eigentlich pleite", begründet Müller die Massenentlassung, gegen die die mächtigen Gewerkschaft der malaysischen Flugbegleiter bereits Widerstand angekündigt hat. Die Firma müsse ein "ziemlich hartes Fitness-Programm" absolvieren. Für den Rest diesen Jahres gelte es erst einmal nur, "die Blutungen zu stoppen", so Müller. Was im Managerjargon soviel heißt wie: Das Tempo zu reduzieren, in dem das Unternehmen Geld verliert.

Ziel sei es, ab 2018 kostendeckend zu arbeiten. Dazu sollen auch zwei der sechs Exemplare des Riesenfliegers Airbus 380 verkauft werden. Das Streckennetz solle weitgehend erhalten bleiben. Jedoch werde die Fluglinie künftig auf kleinere Maschinen setzen, um auch wenig gebuchte Routen profitabel zu machen.

Müller macht sich wenig Illusionen über den Ruf seines neuen Arbeitgebers. In Ländern wie Australien und China sowie einigen europäischen Staaten sei der Imageschaden, den die Marke 2014 erlitten habe, "irreparabel", so der Hobby-Segelflieger. Selbst als man nach dem Abschuss über der Ukraine eine Kampagne gestartet habe, bei der man Passagieren ihre Flüge geschenkt habe, seien die Maschinen leer geblieben.

Neuer Start unter neuem Namen?

Liegt es da nicht nahe, die Fluggesellschaft umzubenennen, um mit einer neuen Marke alte, schlechte Erinnerungen zu löschen? Das zu entscheiden, weicht Müller aus, sei allein Sache Kuala Lumpurs.
Müller stammt aus Bergisch-Gladbach, gilt als rheinische Frohnatur, als Mann mit Humor. Den wird er in den kommenden Wochen gut gebrauchen können.

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