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Bei Günther Jauch greift Sahra Wagenknecht Theo Waigel an


Griechenland-Debatte bei Jauch  

Sahra Wagenknecht legt sich mit Theo Waigel an

22.06.2015, 16:40 Uhr | Silke Asmußen, t-online.de

Bei Günther Jauch greift Sahra Wagenknecht Theo Waigel an. Angriffslustig, aber auch ohne konkrete Lösungsvorschläge für Griechenland: Sahra Wagenknecht. (Quelle: imago images/Stefan Zeitz)

Angriffslustig, aber auch ohne konkrete Lösungsvorschläge für Griechenland: Sahra Wagenknecht. (Quelle: Stefan Zeitz/imago images)

Der EU-Sondergipfel am heutigen Montag, die finale Entscheidung für oder gegen die Rettung Griechenlands wohl in dieser Woche und Gäste, die für kontroverse Debatten bekannt sind: Günther Jauchs Talk zum Thema "Countdown zum Staatsbankrott – Scheitert die Griechenland-Rettung?" hätte spannend werden können.

Doch von wegen: Jauchs Runde hielt sich an Fragen der Vergangenheit fest und erörterte etwa das Pro und Kontra einer rigiden Sparpolitik statt zu klären, ob ein Ausstieg aus dem Euro – "Grexit" – eher Desaster oder Chance auf einen Neustart für den Schuldenstaat wäre. Das einzig interessante Duell lieferten sich Sahra Wagenknecht, Vize-Fraktionschefin der Linken, und Ex-Finanzminister Theo Waigel (CSU).

Dabei spitzt sich die Situation für die Griechen gerade dramatisch zu: Nur noch bis zum 30. Juni bleibt Hellas Zeit, 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzuzahlen und sich damit die nächste Hilfstranche von 7,2 Milliarden Euro zu sichern, deren Auszahlung die Geldgeber bisher noch verweigern. Ohne die Finanzspritze droht Athen jedoch die Zahlungsunfähigkeit. An eine Rettung scheinen viele Griechen selbst nicht mehr zu glauben – und haben allein am vergangenen Freitag fast zwei Milliarden Euro Bargeld von ihren Konten abgehoben.

Waigel bleibt auf Unions-Linie

Trotzdem bekräftigte Waigel, einer der Euro-Väter, lediglich das alte Credo der Union: Vereinbarungen müssten eingehalten werden, Hilfe gebe es nicht zum Nulltarif, andere Schuldenstaaten wie Irland, Spanien, Portugal schafften den harten Sparkurs schließlich auch. Eine wenig differenzierte Argumentation in Hinblick darauf, dass eine Pleite Griechenlands schlimmstenfalls auch den Euro und Europa ins Wanken bringen könnte.

Sahra Wagenknecht legte sich schnell mit dem CSU-Mann an: Griechenlands Aufnahme in die Eurozone sei ein Fehler gewesen, betrieben von Waigels Schwesterpartei. Waigels wütende Antwort, die rot-grüne Regierung Schröder trage dafür die Verantwortung, konterte Wagenknecht: Sie habe nicht "Ihre deutsche Schwesterpartei, sondern die griechische Nea Dimokratia" gemeint.

Einen Grexit lehnte sie jedoch ab, denn so wie die Finanzmärkte "gestrickt sind", würde die neue Währung wahrscheinlich in Grund und Boden spekuliert. Das Geld müsse denen genommen werden, die die Misere verursacht hätten – den Reichen und den Banken in Griechenland. Wie das konkret aussehen soll, sagte Wagenknecht nicht.

Schuldenschnitt ohne Belastung des Steuerzahlers?

Feuer in die Debatte hätte der Grieche in der Runde, Theodoros Paraskevopoulos, bringen können – doch der gab sich eher zahm. Schon bei Jauchs Kollegin Anne Will im Februar hatte der wirtschaftliche Berater der Syriza-Partei, der in Kiel studiert hat, wie ein "bockiger Fünfjähriger" ("Die Welt") die Schuld für das Finanzdilemma seines Landes bei anderen gesucht. Bei Jauch klagte er die Troika an. Die sei verantwortlich dafür, dass nur 0,3 Prozent der Griechen mehr als 100.000 Euro Einkommen angeben. Der Grund: Griechenland habe wegen des harten Sparkurses Steuerbeamte entlassen müssen.

Für ihn sei eine Umstrukturierung der Schulden die beste Lösung – und das ließe sich bewerkstelligen, ohne den Steuerzahler zu belasten. Eine griechische Märchenstunde?

Jauch ließ ihm das durchgehen, ohne klarzustellen, dass Griechenland schon zwei Mal einen Schuldenschnitt ("Haircut") bekommen hat. Im März 2012 wurden griechische Staatsanleihen im Nominalwert von fast 200 Milliarden Euro in neue Titel getauscht. Die Schuldenlast Griechenlands sank dadurch um mehr als 100 Milliarden Euro. Im November des Jahres folgte ein kreditfinanzierter Schuldenrückkauf sowie eine Zinssenkung für die Hilfskredite. Außerdem wurde deren Laufzeit auf 30 Jahre gestreckt.

Umfrage ohne Überraschung

Und was meinen die Bürger in Griechenland und Deutschland zum Thema "Haircut"? Jauch hatte dazu eine Umfrage parat – mit vorhersehbarem Ergebnis: In Deutschland sprach sich mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) für eine vollständige Rückzahlung der Schulden aus, ebenso viele Griechen waren für einen zumindest teilweisen Schuldenerlass.

Für das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone plädierte Rainer Hank, Leiter des Wirtschaftsressorts der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Eine Rettung sei Konkursverschleppung, ohne Euro gewinne Griechenland langfristig an Freiheit und Wirtschaftskraft. Kurzfristig bedeute eine eigene Währung zwar eine Abwertung von schätzungsweise 50 Prozent – das sei aber Voraussetzung, um wieder wettbewerbsfähig zu werden.

"Fauler Kompromiss" befürchtet

Jauchs Schlussfrage – "Was kommt: Rettung für Griechenland oder das Scheitern?" – beantworteten Sahra Wagenknecht und Rainer Hank einhellig: Beide fürchten einen "faulen Kompromiss", der eine "enorme Geldverschwendung" (Wagenknecht) und "fatale Folgen" (Hank) nach sich ziehen wird. Waigel äußerte sich nur schwammig: Er erwarte vom heutigen Gipfel keine Einigung, aber eine Entscheidung in dieser Woche. Optimistisch in Hinblick auf eine Einigung gab sich allein Paraskevopoulos.

Am Ende hat es Jauch nicht geschafft, das eigentliche Thema des Abends zu beleuchten, nämlich wie ein Grexit konkret aussehen könnte, welche Folgen eine Griechenland-Pleite für den Euro, Europa, Deutschland und sogar auf die Weltwirtschaft hätte. Aber das kommt bestimmt noch – in der nächsten Sendung zum Thema Griechenland.

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