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Grexit-Talk bei "Hart aber fair": Lästern, bis die Schwarte kracht


Grexit-Debatte bei "Hart aber fair":  

Lästern, bis die Schwarte kracht

30.06.2015, 08:11 Uhr | Nico Damm

Grexit-Talk bei "Hart aber fair": Lästern, bis die Schwarte kracht. In Frank Plasbergs Sendung "Hart aber fair" drehte sich alles um einen möglichen Grexit. (Quelle: ARD)

In Frank Plasbergs Sendung "Hart aber fair" drehte sich alles um einen möglichen Grexit. (Quelle: ARD)

Frank Plasbergs Talk-Gäste droschen Phrasen um die Wette: Auf eine ernsthafte Debatte über die Zukunft Griechenlands hatte vor der Sommerpause sichtlich niemand mehr Lust.

Die Zuschauer allerdings nutzten den "Bürger-Check" gerne, um noch zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen. Inhalte hatte nur eine 32-jährige Grüne im Gepäck – doch sie kam fast nie zu Wort.

Ska Keller als Kanonenfutter

Was ist der Unterschied zwischen einer Diskussions- und einer Lästerrunde? In ersterer darf der Betroffene mitreden. Während Günther Jauch am Sonntag noch einen tapferen Vertreter der griechischen Regierungspartei in seine Talkshow eingeladen hatte, sparte sich das Frank Plasberg tags darauf. Stattdessen warf er die junge Grüne einer Männerriege von langjährigen Polit-Profis und Grexit-Befürwortern zum Fraß vor. Die Wortbeiträge von Ska Keller, stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Europäischen Parlament, dauerten in der Folge meist ähnlich lange, wie man braucht, um ihren Vornamen auszusprechen.

Der Euro-Austritt wird teuer

So warf Keller nach vielen Minuten Griechenland-Schelte beispielsweise ein, dass es "mehr kostet, wenn wir nicht helfen…". Sofort gab es Zwischenrufe von Kanzleramtschef Peter Altmaier und FDP-Mann Alexander Graf Lambsdorff. Lambsdorff gewann dabei das verbale Gerangel und wiederholte das, was er den ganzen Abend immer wieder sagte: Ja, ein Austritt Griechenlands aus dem Euro - eine mögliche Folge des Referendums am Sonntag - sei teuer. Aber wenigstens herrsche danach für alle Klarheit.

Dass erst in diesem Moment der erste Euro von Deutschland nach Griechenland fließt - denn die Hilfsgelder sind Kredite, die mit Zinsen bezahlt werden - darüber redete Lambsdorff nicht so gerne. Kein Wunder, denn im Fall des Austritts der Griechen aus dem Euro-Raum stünden rund 70 Milliarden Euro auf dem Spiel. Aber keine Sorge, spann Altmaier den Faden weiter, dieses Geld würde Deutschland ja trotzdem zurückverlangen. Ohne dabei zu erwähnen, dass sich der Preis für die griechische Wirtschaft aufgrund der Abwertung der eigenen Währung vervielfachen würde. Was eine Rückzahlung noch unwahrscheinlicher macht.

Nicht so schlimm wie bei Lehman Brothers

Was seit Ausbruch der Finanzkrise als fast undenkbar galt, schien bei Plasberg fast schon Konsens zu sein: Griechenland ohne Euro, das passt schon irgendwie. "Es steht viel weniger auf dem Spiel als damals bei Lehman Brothers", beschwichtigte auch Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Online-Verbraucherportals "Finanztip". Schließlich habe man fünf Jahre lang Zeit gehabt, sich vorzubereiten. Womit er durchaus Recht hat, denn heute haftet die öffentliche Hand für 80 Prozent von Griechenlands Schulden - 2010 waren es noch Banken und private Anleger, die heute einem Grexit wesentlich gelassener entgegen sehen können.

Dass die Griechen in den vergangenen fünf Jahren vergeblich immer weiter gespart haben, versuchte Keller immer wieder fast schon verzweifelt zu vermitteln. "Griechenland hat 30 Prozent seines Haushalts gekürzt, aber es hat nichts gebracht", kritisierte die Grüne die Spar-Doktrin der europäischen Institutionen. Altmaier konterte: "Überall in der EU gibt es Wachstum, nur in Griechenland nicht." Wenn selbst die Sorgenkinder Italien, Spanien und Irland wüchsen, müssten die Griechen schließlich etwas falsch machen.

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Sollten wir per Volksabstimmung über weitere Griechenland-Kredite mitentscheiden können?

Talk-Gäste auf einer Linie

Dass in Spanien fast jeder Vierte keinen Job hat und die Arbeitslosenrate in Italien seit acht Jahren kontinuierlich steigt, überging der Regierungsvertreter dabei ebenso wie den Fakt, dass Griechenland laut OECD das reformstärkste Land der EU ist – weit vor Deutschland. Lieber wiederholte Altmaier stoisch wie wortgewaltig, womit sich sein CDU-Kollege Schäuble landauf, landab in den Medien zitieren lässt: Griechenland solle "seine Hausaufgaben machen", blockiere Reformen, habe "Vertrauen und Sympathien verspielt".

Auch ARD-Brüssel-Korrespondent Rolf-Dieter Krause schlug in die gleiche Kerbe: "Dramatisch" hätten die Gläubiger die Bedingungen für das aktuelle Hilfspaket abgesenkt, aber dennoch hätten es Regierungschef Tspiras und Co. "rundweg abgelehnt". Um welche Vertragsinhalte es dabei eigentlich geht, verriet er in seinen darauf folgenden Wutreden jedoch nicht. Erst recht nicht, als Moderator Plasberg die Hetze des altgedienten Journalisten so richtig anstachelte: "Wenn Sie jetzt mal in sich gehen und allen guten Willen mobilisieren – haben Sie dann etwas Verständnis für die griechische Regierung?" "Nein, da habe ich kein Verständnis!", so Krause. Diese Regierung tue "nichts für ihre eigenen Leute".

Weil also der als "neutraler Beobachter" geladene Journalist die Hauptrolle im Griechenland-Bashing spielte, oblag es ausgerechnet Merkel-Intimus Altmaier, ab und an Solidarität mit den Griechen zu bekunden, um nicht als kaltherziger Spar-Aufseher dazustehen: Ja, viele Griechen seien arm dran, aber die Regierung lasse einem schließlich keine Wahl. Angesichts dessen sei er eher traurig als wütend.

"Das Maß ist übervoll"

Dennoch war die inhaltliche Marschrichtung der Sendung von Beginn an klar – nicht nur durch die Auswahl der Gäste, sondern auch durch die Fragen von Plasberg. Auch die Zuschauer durften den ungeliebten Hellenen mal so richtig die Meinung geigen und von "das Maß ist übervoll" bis zu "Ärmel hochkrempeln" gängige Stammtischparolen absondern.

Am Ende stellte ein Zuschauer dann doch noch die einzige kluge Frage des Abends: "Warum sind die Verhandlungen eigentlich nicht öffentlich?"

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