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Bei "Günther Jauch" kommt es wegen Griechenland zum Streit


TV-Kritik zu "Günther Jauch"  

Das "Nein" im Referendum bringt Talk-Gäste auf die Palme

06.07.2015, 06:53 Uhr | von Nico Damm, t-online.de

Bei "Günther Jauch" kommt es wegen Griechenland zum Streit. Giorgos Chondros verteidigte in Günther Jauchs TV-Show das "Nein" der Griechen im Referendum. (Quelle: imago images)

Giorgos Chondros verteidigte in Günther Jauchs TV-Show das "Nein" der Griechen im Referendum. (Quelle: imago images)

Die Griechen haben am Sonntag "Nein" zu weiteren Sparmaßnahmen gesagt. Bei der Nachbetrachtung der Volksabstimmung in Günther Jauchs TV-Show gab es zwischen zwei Gästen derart viel Streit, dass der Moderator manchmal alle Mühe hatte, nicht die Kontrolle zu verlieren.

"Das ist eine Lüge!" "Das ist unzivilisiert!" "Varoufakis sollte in Brüssel am besten gar nicht mehr auftauchen." Dies waren nur einige von vielen hitzigen Sätzen, die sich die Talk-Gäste am Sonntag an den Kopf warfen. Die Stimmung bei Günther Jauch war derart aufgeheizt, dass auch ein Unwetter direkt über dem Studio nicht für Abkühlung sorgen konnte. Im Gegenteil: Das deutliche Donnergrollen passte perfekt ins Bild.

"Keine humanitäre Katastrophe"

Immer mitten im Geschehen: Giorgos Chondros. Der Grieche sitzt im Zentralkomittee von Syriza und sah im Votum der Griechen einen Sieg der Politik: "Es ist ein Schritt, etwas von der Macht des Kapitals zurück zu gewinnen." Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) habe am Donnerstag zugegeben, dass es ohne eine Umstruktierung der Schulden - also zumindest einen Teilerlass - wohl nicht gehe.

Politikberater Michael Spreng schoss dagegen: "Das Referendum war falsch. Die Frage war gar nicht mehr zu stellen." Für den ehemaligen "Bild am Sonntag"-Chefredakteur gab es seit Ankündigung der Abstimmung nichts mehr zu verhandeln. Chondros verteidigte sich: "Kein Grieche, der mitbekommen hat, was in den letzten fünf Jahren passiert ist, könnte noch ein Sparpaket billigen."

Dreieinhalb Millionen Menschen hätten den Zugang zum Gesundheitssystem verloren. Das brachte Unions-Fraktionsvize Ralph Brinkhaus auf die Palme: "Es gibt keine humanitäre Katastrophe. So etwas haben wir im Sudan." Menschen in einigen EU-Ländern Osteuropas hätten einen niedrigeren Lebensstandard, sagte der CDU-Abgeordnete, müssten aber trotzdem für Griechenland zahlen.

Jauch muss die Streithähne zur Räson bringen

Es folgte eine Wutrede von Chondros. Und Jauch musste, wie so oft an diesem Abend, die Streithähne schlichten. Das gelang ihm erst, als er sowohl Chondros als auch Brinkhaus, die sich anfangs ständig ins Wort fielen und verbal beharkten, deutlich ermahnte: "Die gelbe Karte für Sie beide!"

Da Jauch in solchen Situationen immer wieder geschickt zum Thema lenkte, blieb viel Raum für Inhalte. Zum Beispiel mit einem interessanten Fakten-Check zum jüngsten Troika-Angebot an Griechenland, der Merkel, Gabriel und Co. in mehreren Punkten enttarnte: Zum Beispiel sei ein Schuldenschnitt, wie vom Vizekanzler vor wenigen Tagen behauptet, laut dem Geheim-Dokument nie angeboten worden sein.

Spreng schockt das Publikum

Die Europäische Zentralbank müsse jetzt handeln, forderte Ulrike Herrmann, Wirtschaftskorrespondentin der "taz": "Wenn die Europäische Zentralbank nicht die Notkredite für Griechenland anhebt, erzwingt sie den Grexit." Doch Entscheidungen von solcher Tragweite müsse die Politik treffen.

"Aber haben die Griechen nicht ohnehin schon den Grexit gewählt?", wollte Günther Jauch wissen. Dem widersprach die Griechin Kalliopi Brandstäter, die in Hamburg lebt. "Ich habe nicht gegen Europa oder den Euro gestimmt, sondern gegen die Sparpolitik." Es folgte eine Breitseite gegen Brinkmann: "Wenn Sie sagen, es gibt keine Katastrophe, dann waren sie nie dort. Das ist beschämend!" Spreng wiederum schockte mit seiner Haltung das Publikum, das teils mit ungläubigen Ausrufen reagierte: "Ein Volk hat das Recht, in Würde unterzugehen, wenn es das will."

"Spanien darf Schulden machen, Griechenland nicht"

Während sich die Männer oft reflexartig attackierten, legte die meisten interessanten Fakten die Journalistin Herrmann auf den Tisch: "Spanien wächst, aber darf Schulden machen - Griechenland nicht. Dann gibt es dort natürlich auch Wachstum. Es bringt nichts, von Erfolgsgeschichten zu erzählen, die keine sind."

Auf die Frage, wie es jetzt weitergeht, gingen die Meinungen der Gäste stark auseinander. Herrmann empfahl, mit dem strikten Sparkurs Schluss zu machen und stattdessen zum Beispiel erneuerbare Energien zu fördern.

"Riesige Widerstände" in Deutschland

Spreng warf allerdings ein, dass es in Deutschland auch in der Bevölkerung "riesige Widerstände"“ gegen weitere Hilfen gebe. Das müsse Angela Merkel berücksichtigen. Die Deutschen seien eigentlich nur umzustimmen, wenn Varoufakis gar nicht mehr nach Brüssel käme.

Wer auch immer mit wem verhandeln wird - über ein häufiges Missverständnis klärte Herrmann gegen Schluss noch auf: "Ein Grexit wäre sehr teuer. Es wird immer so getan, als würde der Grexit unser Geld retten. Das Gegenteil ist der Fall!"

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