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Varoufakis-Rücktritt: Wurde er Tsipras' Bauernopfer?

Griechischer Finanzminister  

Varoufakis' Rücktrittslegende

06.07.2015, 17:22 Uhr | Von Markus Becker und David Böcking, Spiegel Online

Varoufakis-Rücktritt: Wurde er Tsipras' Bauernopfer? . Gianis Varoufakis verschwindet von der großen Krisen-Bühne. (Quelle: Reuters)

Gianis Varoufakis verschwindet von der großen Krisen-Bühne. (Quelle: Reuters)

Gianis Varoufakis beschuldigt die Eurogruppe, seinen Rücktritt betrieben zu haben. Doch wahrscheinlicher ist, dass der griechische Finanzminister der Athener Innenpolitik zum Opfer fiel - und seinem eigenen Verhalten.

"Minister No More!" - mit diesen Worten kündigte Gianis Varoufakis am Montag seinen Rücktritt als griechischer Finanzminister an, und überraschte damit die Welt. Noch am Sonntagabend hätte das kaum jemand für möglich gehalten: Die klare Ablehnung des Reformkurses beim Referendum war ein Triumph für Varoufakis, der von einem "majestätischen Nein" sprach.

Der Blog zur Griechenland-Krise

Nur Stunden später nimmt der Minister seinen Hut - und beschuldigt Griechenlands Gläubiger, seinen Rücktritt verursacht zu haben.

Kurz nach dem Bekanntwerden des Referendum-Resultats hätte er erfahren, dass "einige Eurogruppen-Teilnehmer und bestimmte 'Partner' es bevorzugten", wenn er bei künftigen Treffen nicht mehr zugegen wäre, schrieb Varoufakis in seinem Blog. "Ich werde die Abscheu der Gläubiger mit Stolz ertragen", fügte er hinzu.

Zur Erinnerung: Das schreibt jener Mann, der Sitzungen der Euro-Finanzminister heimlich mitgeschnitten hat, der seine Verhandlungspartner immer wieder provoziert und ihnen noch kurz vor dem Referendum "Terrorismus" vorgeworfen hat. Und nun tritt derselbe Varoufakis einfach so zurück, weil er über Umwege erfahren haben will, dass einige Mitglieder der Eurogruppe ihn nicht mehr mögen? Ausgerechnet nach dem Referendum, dem Augenblick des Triumphs?

In Brüssel und Athen mag das kaum jemand glauben. Als wahrscheinlicher gilt, dass Varoufakis sein eigenes Verhalten zum Verhängnis geworden ist - und die Athener Innenpolitik. Am Montagvormittag traf sich Ministerpräsident Tsipras mit Vertretern der Opposition, um die weiteren Schritte in den Verhandlungen mit den Gläubigern auszuloten. Dies gilt in Athen als Signal, dass Tsipras ein großes Interesse an einer schnellen Einigung mit den Gläubigern hat - den Euro-Finanzministern, der Europäischen Zentralbank und den Internationalen Währungsfonds.

Bauernopfer für die Zusammenarbeit der Opposition?

Das Problem: Der überraschend klare Ausgang des Referendums hat die Hardliner in der Syriza-Partei gestärkt, die den totalen Bruch mit der Eurogruppe und eine Rückkehr zur Drachme fordern. Sollte Tsipras diesen Kräften aber nachgeben, würde die immer noch starke Pro-Euro-Fraktion seiner Partei rebellieren, heißt es in Athen.

Für Tsipras ist das eine gefährliche Situation, da seine Mehrheit im Parlament alles andere als komfortabel ist. Schon wenige Abweichler könnten reichen, um ihn bei einer Vertrauensabstimmung in Bedrängnis zu bringen - weshalb er jetzt eine Einigung mit den Moderaten in seiner Partei und der Opposition anstrebt. Die aber hätten gar nicht daran gedacht, Tsipras einen Blankoscheck auszustellen - und stattdessen Varoufakis' Kopf gefordert, berichten Insider. Dass Tsipras diesen Wunsch erfüllt habe, werteten zwei frühere griechische Minister prompt als "gutes Zeichen".

Denkbar ist aber auch, dass Varoufakis seinen Rücktritt seit längerem geplant hatte. So selbstbewusst der Finanzminister meist auftrat, hatte er anfangs durchaus Selbstzweifel erkennen lassen. Er wisse nicht, ob er für den Job tatsächlich geeignet sei, sagte Varoufakis zu Beginn seiner Amtszeit dem "Stern". In seinem Blog-Eintrag zum Abschied wählte er freilich eine andere Begründung: "Wir von der Linken wissen, wie man kollektiv handelt, ohne Rücksicht auf die Privilegien des Amtes."

Von den Gläubigern: Kein Kommentar

Auf Seiten der Gläubiger herrscht dagegen Schweigen über die Hintergründe von Varoufakis' Rücktritt. Offiziell kommentieren will ihn in Brüssel niemand. "Es ist Sache der griechischen Regierung, ihre Minister zu ernennen", sagte Valdis Dombrovskis, Vizepräsident der EU-Kommission, am Montag. Mehr könne er dazu nicht sagen.

Ähnlich verhält es sich in Berlin. Er habe "überhaupt keinen Hinweis", dass Varoufakis' Vorwürfe zutreffen, sagte Schäubles Sprecher Martin Jäger am Montag. Dass Schäuble und Varoufakis keine Freunde mehr werden, war bereits seit vielen Wochen klar. Schließlich war es schon vor Wochen zum offenen Bruch zwischen Varoufakis und seinen Amtskollegen gekommen. Regierungschef Tsipras hatte seinen Finanzminister zwar teilweise entmachtet, ihn aber demonstrativ im Amt belassen.

Wie groß der Frust über die unbeirrbare Linie der Griechen ist, wurde am Montag allerdings erneut deutlich - daran änderte auch Varoufakis' Rücktritt nichts. Athen, sagt Jäger, hätte "massive Leistungen" ohne jede Gegenleistung gewollt.

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