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Goldpreis sackt auf Fünf-Jahres-Tief


Krisenwährung in der Krise  

Goldpreis stürzt unter die 1100-Dollar-Marke

20.07.2015, 13:11 Uhr | dpa-AFX , t-online.de

Goldpreis sackt auf Fünf-Jahres-Tief. Ohne Glanz: Frisch gegossener Goldbarren in einer kanadischen Goldmine. (Quelle: Reuters)

Ohne Glanz: Frisch gegossener Goldbarren in einer kanadischen Goldmine. (Quelle: Reuters)

Der Goldpreis kennt derzeit kein Halten: Am Montagmorgen fiel der Preis für eine Feinunze (gut 31 Gramm) mit 1086 Dollar auf den tiefsten Stand seit gut fünf Jahren. Zeitweise war der Preis innerhalb weniger Minuten um mehr als vier Prozent beziehungsweise über 40 Dollar eingebrochen. Es wurde der tiefste Stand seit März 2010 erreicht. Zuletzt erholte sich die Notierung etwas auf 1115 Dollar. Sie lag damit aber immer noch 1,7 Prozent tiefer als am Freitag.

Stark belastet wird der Goldpreis zurzeit durch den immer stärkeren Dollar. Die US-Währung steigt auch gegenüber dem Euro im Wert (vgl. Euro-Dollar-Kurs), weil Anleger auf baldige Zinsanhebungen der amerikanischen Notenbank setzen. Gold wird in Dollar gehandelt, deswegen verteuert ein stärkerer Dollar das Edelmetall für Anleger außerhalb des Dollar-Raums - also etwa aus Europa. Das lastet auf der Gold-Nachfrage und damit auf dem Goldpreis.

In Euro gerechnet verbilligte sich der Goldpreis allerdings ebenfalls. Am Montag mussten am Terminmarkt nur noch etwa 1030 Euro für eine Feinunze bezahlt werden.

Beruhigung in Griechenland und China

Das oft als Krisenwährung gehandelte Gold steckt offenbar in einer Krise, denn es gibt zahlreiche Argumente, die im Grunde für steigende Goldpreise sprechen. Die Unsicherheiten auf den Finanzmärkten bleiben bestehen: So ist im griechischen Schuldenstreit zwar eine Übergangslösung gefunden worden. Die grundlegenden Probleme Griechenlands - der riesige Schuldenberg und eine überwiegend nicht wettbewerbsfähige Wirtschaft - bestehen aber fort. Außerdem ist offen, ob der Streit zwischen Athen und seinen Geldgebern eventuell wieder eskaliert.

In China hat es die Regierung zwar vorerst geschafft, die dortigen Börsen mit Staatseingriffen zu stabilisieren. Ob die Turbulenzen aber nicht doch wieder aufbrechen, ist ungewiss.

Gold ohne Zinsen

Ein weiterer Grund belastet den Goldpreis: Mit den auf absehbare Zeit wieder steigenden Zinsen fällt ein großer Nachteil der Goldanlage schwerer ins Gewicht. Denn Gold wirft - im Gegensatz zu vielen anderen Anlagen - keine Zinsen ab. "Steigende Zinsen in den USA bedeuten, dass Gold als alternative Anlageklasse unattraktiver wird, da sie keine laufenden Erträge abwirft", bringen es die Experten vom Bankhaus M.M. Warburg auf den Punkt.

Zumal nicht nur die Zentralbanker aus der weltgrößten Volkswirtschaft USA, sondern auch ihre Kollegen aus Großbritannien mit den Hufen scharren. Allgemein wird erwartet, dass die britische Notenbank ihre Zinsen nicht allzu lange nach der US-Zentralbank anheben wird.

Keine Inflationsgefahr in Sicht

Gold gilt aber nicht nur als Krisenwährung, sondern auch als Schutz vor einer hohen Geldentwertung. Viele Goldkäufer hatten darauf gesetzt, dass die extrem lockere Geldpolitik aller großen Zentralbanken zu hohen Inflationsraten führen wird. Doch davon ist weit und breit nichts zu sehen - im Gegenteil: In den Industrieländern kämpfen viele Zentralbanken - so auch die EZB - gegen eine zu schwache Teuerung.

Auch ein Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems, der von einigen Goldanhängern seit Jahren vorhergesagt wird, lässt auf sich warten. "Wer nicht Anhänger von Weltuntergangsszenarien ist, lässt zumindest unter Anlagegesichtspunkten aktuell die Finger vom Gold", raten die Volkswirte der Bank M.M. Warburg.

Es gibt jedoch auch einen Lichtblick für Gold-Käufer: Die einflussreichen großen Gold-Händler ("Commercials") haben ihre Verkaufspositionen zuletzt stark zurückgefahren, schreibt "Goldreporter.de". Das sei in der Vergangenheit oftmals ein Frühindikator für einen steigenden Goldpreis gewesen.

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