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Griechenland vor Privatisierungswelle: Athen setzt auf Ausverkauf


Griechenlands Privatisierungswelle rollt an  

Athen setzt jetzt auf den großen Ausverkauf

21.07.2015, 19:14 Uhr | Evelyn Bongiorno mit Material von dpa, AP

Griechenland vor Privatisierungswelle: Athen setzt auf Ausverkauf. Die Marina von Alimos ist der größte griechische Jachthafen - mit Platz für 1000 Boote (Quelle: Reuters)

Die Marina von Alimos ist der größte griechische Jachthafen - mit Platz für 1000 Boote (Quelle: Reuters)

Ein Schloss auf Korfu, ein Boutique-Hotel auf Rhodos gefällig? Oder lieber gleich eine eigene Insel, einen regionalen Flughafen, einen Jacht- oder Container-Hafen? Griechenland muss sein Tafelsilber verkaufen.

Lange hatte sich die Syriza-Regierung mit Händen und Füßen gegen Privatisierungen gewehrt. Dann jedoch lenkte Ministerpräsident Alexis Tsipras ein - um sich das dritte europäische Hilfspaket in Höhe von 86 Milliarden Euro zu sichern. Nun plant Athen gleich eine ganze Verkaufswelle.

Idyllische Grundstücke im Angebot

Richten soll es der Hellenic Republic Asset Development Fund (HRADF). Er ist für die Deals mit dem privaten Sektor zuständig. Außerdem besitzt er Grundstücke auf schönen Inseln zum langfristigen Leasing, das besagte Schloss auf Korfu sowie Gebäude in Athen und anderen Teilen Griechenlands.

Der Verwertungsfonds für das öffentliche Privatvermögen wurde 2011 gegründet - nachdem Griechenlands Gläubiger auf mehr Privatisierungen gepocht hatten. Sein Erfolg war bisher nur mäßig: Er hat nur 3,5 Milliarden Euro zusammenbekommen. Das soll sich jetzt ändern.

Häfen-Verkauf könnte Geld sprudeln lassen

Auf der großen Angebotsliste der griechischen Privatisierungsagentur stehen mehrere Jacht-Häfen, zum Beispiel in Epidaurus oder auf der Insel Hydra. Aber auch Container-Häfen wie in Piräus und Thessaloniki.

Container im Hafen von Piräus. Er gehört neben dem Hafen von Thessaloniki zu den zwei größten Häfen Griechenlands. (Quelle: dpa)Container im Hafen von Piräus. Er gehört neben dem Hafen von Thessaloniki zu den zwei größten Häfen Griechenlands. (Quelle: dpa)

Gelungen ist bislang die Verpachtung eines Teils des Hafens von Piräus an den chinesischen Transportriesen COSCO. Die Chinesen benutzen ihn als Drehscheibe für ihre Produkte, die für den Osten Europas bestimmt sind. Griechenland soll dabei in den nächsten Jahren rund 1,5 Milliarden Euro kassieren. Auch das griechische Glücksspielunternehmen OPAP ist für 652 Millionen Euro privatisiert worden.

Aber auch der Erlös aus dem Verkauf der regionalen Flughäfen von Rhodos, Korfu, Kos, Samos und Mykonos soll Bares bringen. So will Griechenland seinen Schuldenberg von 320 Milliarden Euro verringern und Geld zurückzuzahlen, das europäische Länder zur Stützung der leidenden Banken geliehen haben.

Vom Flughafen bis zur Ölförderung - alles wird feilgeboten

Zu den großen Vermögen, die Griechenland veräußern könnte, zählen staatseigene Anteile an Athens neuem Flughafen, dem Energiekonzern Hellenec Petroleum und der Stromgesellschaft Public Power Corp. sowie Parzellen zur Öl- und Erdgasförderung vor der Küste. Hinzu kommen Beteiligungen an Banken in geschätztem Umfang von 7,5 Milliarden Euro. Der wahre Wert der Anteile ist allerdings unbekannt.

Raffinerien des Energiekonzerns Hellenic Petroleum: Der griechische Staat hält Anteile von 35,5 Prozent. (Quelle: Reuters)Raffinerien des Energiekonzerns Hellenic Petroleum: Der griechische Staat hält Anteile von 35,5 Prozent. (Quelle: Reuters)

15 Millionen gab es schon für eine Insel

Tausende Inseln und Strände werden feilgeboten. Medien hatten berichtet, dass der US-Investor Warren Buffett zusammen mit einem Immobilienhändler die Insel Agios Thomas im Saronischen Golf für 15 Millionen Euro erworben habe. Buffett bezeichnete die Berichte mittlerweile jedoch als frei erfunden. So oder so: Von den 6000 Inseln sind noch etliche zu haben. Einige sind bereits an superreiche Araber und einige russische Oligarchen verkauft worden. "Diese Gelder sind aber ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt ein Immobilienmakler.

Aber auch Thermalquellen könnten sich zu Geld machen lassen, etwa die schwefelhaltigen Quellen an den Thermopylen.

Die heißen schwefelhaltigen Quellen an den Thermopylen, 200 Kilometer von  Athen, gelten als entspannender Gesundbrunnen. (Quelle: Reuters)Die heißen schwefelhaltigen Quellen an den Thermopylen, 200 Kilometer von Athen, gelten als entspannender Gesundbrunnen. (Quelle: Reuters)

Neue Bestimmung für das Olympia-Gelände

Stadien, Hallen und Grundstücke des Olympia-Komplexes von 2004 warten ebenfalls auf einen Käufer. Im Hafen auf dem Gelände liegen zwar teure Jachten. Aber ein zwei Straßenzüge langer Gebäudekomplex hat ein leckes Dach, fängt an, heruntergekommen auszusehen. Er wurde für Athleten gebaut, aber nach den Spielen nie wieder benutzt. "Derzeit ist es eine Verschwendung", sagt Bootskapitän Jiorgos Kourtelis. Er würde dort gern ein Café für Hafenarbeiter und Bootsbesatzungen eröffnen.

Das verwaiste "Friede-und Freundschaft-Stadion": Es ist Teil eines Komplexes, der für die Olympischen Spiele 2004 gebaut worden war. (Quelle: Reuters)Das verwaiste "Friede-und Freundschaft-Stadion": Es ist Teil eines Komplexes, der für die Olympischen Spiele 2004 gebaut worden war. (Quelle: Reuters)

Etliche Privatisierungen hängen noch in der Schwebe. Darunter ist der Verkauf des alten, seit 2002 geschlossenen Flughafens von Athen Hellenikon und des Gasverteilers DESFA. Die Privatisierung des Flughafens wird bislang von der Justiz nicht genehmigt. Für den Verkauf des Gasverteilersystems an die aserbaidschanische Socar-Firma muss die EU-Kommission noch grünes Licht geben.

950 Millionen Euro für 99 Jahre Pacht

Mit Volldampf sollen nun auch wieder die Arbeiten an dem sieben Milliarden Euro schweren Ufer-Entwicklungsprojekt vorangetrieben werden. Es hat eine Fläche fast doppelt so groß wie der New Yorker Central Park. Der Fonds selbst sagt öffentlich nichts über den möglichen Wert des Staatsbesitzes, den er im Angebot hat. Aber der Deal, den er für das Ufer-Entwicklungsprojekt ausgehandelt hat, würde Griechenland 950 Millionen Euro im Gegenzug für eine 99-jährige Verpachtung des Geländes einbringen. Ein griechisches Unternehmen mit chinesischen und arabischen Investoren im Rücken will darauf eine große Grünanlage, ein Einkaufszentrum, eine Seeufer-Promenade, ein 1000-Betten-Hotel und ein Hochhaus mit Wohnungen entstehen lassen.

Immobilienmarkt liegt am Boden

Viele Experten in Griechenland halten das Ziel von 50 Milliarden Euro Privatisierungserlösen dennoch für eine Illusion. Das lässt sich auch am Beispiel des darniederliegenden Immobilienmarktes aufzeigen. Rund 1000 Gebäude, die dem griechischen Staat gehören, sollen verkauft oder vermietet werden. Dazu gehören auch neoklassizistische Gebäude aus den dreißiger Jahren, die jedoch total verfallen sind. Ihre Renovierung wäre sehr teuer. Ob sich dafür dann Käufer finden, wird stark bezweifelt.

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