Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > News > Eigene >

Griechenland: So wandelte sich Alexis Tsipras zum Staatsmann


Tsipras - vom Revoluzzer zum Staatsmann  

"Wie ein Funke, der die ganze Ebene in Brand setzt"

22.07.2015, 17:22 Uhr | t-online.de

Griechenland: So wandelte sich Alexis Tsipras zum Staatsmann. Alexis Tsipras ist länger im politischen Geschäft als man denkt. (Quelle: Reuters)

Plant Alexis Tsipras einen Befreiungsschlag? Vorgezogene Wahlen in Griechenland werden immer wahrscheinlicher. (Quelle: Reuters)

Erneuter Showdown im griechischen Parlament: Am Abend stehen in Athen erneut Abstimmungen über die von den Gläubigern im Schuldenstreit geforderten Reformen an. Premier Alexis Tsipras hat die Mehrheit seines Links-Rechts-Bündnisses verloren. Bei der letzten Abstimmung halfen ihm die Stimmen der Opposition. Tsipras steht nun vor einer erneuten Kraftprobe. Was für ein Mensch steckt hinter dem griechischen Staatsmann? Was treibt ihn an und was könnte er noch vorhaben? Seine politischen Anfänge waren für ihn wie ein "Funke, der die ganze Ebene in Brand setzt".

Darüber gibt eine am Dienstagabend auf Arte ausgestrahlte Dokumentation Aufschluss: "Prinzip Hoffnung: Die Welt des Alexis Tsipras". Der Film zeigt den Weg des Chefs der sozialistischen Syriza von der entscheidenden Kampagne vor den Wahlen im Juni 2012 bis zu seiner Machtübernahme als Ministerpräsident im Januar dieses Jahres.

Trotz seiner für einen Politiker noch recht jungen Jahren, hat Tsipras bereits jede Menge Erfahrungen gesammelt. Bereits als Siebtklässler wurde er politisch aktiv.

Als Jugendlicher ein kleiner Revoluzzer

In der Dokumentation erinnert er sich an bewegte Jahre: "Es ging darum, die Welt zu verändern", so Tsipras. Damals schlich er sich aus dem Haus seiner Eltern, um illegal Plakate aufzuhängen. Der heutige Staatsmann - als Jugendlicher ein kleiner Revoluzzer.

"Wir hatten das Gefühl, etwas Wichtiges zu tun. Und dass das der Anfang eines revolutionären Prozesses ist. Wie ein Funke, der die ganze Ebene in Brand setzt", erklärt der Premier.

Zweifel nach der Wahl 2012

Nach der Wahl 2012 wurde Tsipras Oppositionsführer. Der junge Politiker war noch nicht so selbstsicher: "Ich kann nicht bestreiten, dass ich in den ersten zehn Tagen schon Zweifel hatte - was machen wir hier?" Doch die Opposition habe ihm nicht geschmeckt - im Gegensatz zu einigen Parteifreunden, die sich an die Protestrolle gewöhnt hatten. Er aber wollte mehr Verantwortung übernehmen.

Schon zwei Jahre vor seinem Amtsantritt wurde in Gesprächen Tsipras' mit besorgten Bürgern klar, welche Politik er verfolgen würde: "Die Austeritätspolitik in Südeuropa ist das Ziel der Staatschefs der Eurozone. Sie wollen eine Sonderwirtschaftszone schaffen in Südeuropa - mit Schiffen und Arbeitern", kritisiert er die Euro-Partner harsch.

Einem jungen Mann, besorgt um die Rente, begegnet er mit Mut: "Wenn du immer nur Angst vor dem Tag danach hast, wird sich alles bis 2020 hinziehen."

"Versuchskaninchen für Sparmaßnahmen"

Auch in Auftritten vor der Europawahl 2014 findet der Kandidat der Linken deutliche Worte: "Ich bin Alexis Tsipras aus Griechenland. Dem Land, das die führenden Politiker in Europa zum Versuchskaninchen für ihre Sparmaßnahmen machen", sagte er bei einem Auftritt der Spitzenkandidaten für die EU-Kommissionspräsidentschaft. "Falls wir die Sparpolitik fortsetzen, werden wir die Arbeitslosigkeit niemals loswerden. Für die Arbeitslosigkeit sind mutige Entscheidungen die Lösung. Ein neuer europäischer Deal", so Tsipras weiter.

Aus der Europawahl 2014 geht Syriza als stärkste Partei hervor. Bei einem Auftritt vor Wählern zeigt Tsipras sich als strahlender Sieger: "Wir haben die Schlacht gewonnen. Schon sehr bald gewinnen wir auch den Krieg."

Die vorgezogenen Neuwahlen in Griechenland 2015 gewinnt Syriza ebenfalls. Tsipras muss jedoch eine Koalition mit den Rechtsnationalisten von Anel eingehen. Der neue Regierungschef zeigt sich zuversichtlich. Aus der Not will er eine Tugend machen: "Unsere Regierung wird den Vorteil haben, dass das Land bereits so tief gefallen ist, dass die psychische Verfassung der Menschen bereits so schlecht ist, dass allein schon das Gefühl, dass wir den tiefsten Punkt erreicht haben und es jetzt wieder aufwärts geht, positive Energie freisetzen wird. Und da ich der Meinung bin, dass Wirtschaft in großen Maßen auch eine Frage der Psychologie ist, glaube ich, dass wir in nächster Zeit noch positive Überraschungen erleben werden."

Die Einigung im Schuldenstreit mit den Gläubigern ist Tsipras mittlerweile gelungen. Doch der Preis, den er zahlt, ist hoch. Die auferlegten Sparmaßnahmen gehen weit über das hinaus, was er laut Wahlversprechen seinem Volk zumuten wollte.

Ob der jugendliche Tsipras, der sich aus dem Haus schlich und illegal Plakate klebte, Verständnis hätte für den Kurswechsel des Premiers Tsipras?

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Entdecken Sie Ihren Denim-Look!
bei TOM TAILOR
Anzeige
Der Sommer zieht ein: shoppe Outdoor-Möbel u.v.m.
jetzt auf otto.de
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal