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Börsen-Crash in China: Abschwung könnte die ganze Welt treffen


Börsen-Crash  

Chinas Wirtschaftsabschwung könnte uns alle treffen

27.07.2015, 17:42 Uhr | dpa, t-online.de, rtr

Börsen-Crash in China: Abschwung könnte die ganze Welt treffen. Zieht die chinesische Börsenflaute die ganze Welt abwärts? (Quelle: dpa)

Zieht die chinesische Börsenflaute die ganze Welt abwärts? (Quelle: dpa)

Ein Grexit ist vorerst vom Tisch, die deutsche Wirtschaft sieht beim Euro wieder etwas klarer - und ist für das kommende Halbjahr wieder deutlich optimistischer. Aber aus China ziehen Wolken auf. Falls sich diese zu einem Gewitter entwickeln, könnte die ganze Welt leiden.

Die deutsche Wirtschaft ist derzeit in Sommerlaune. Das Geschäft läuft rund, und nach dem Durchbruch in der Griechenland-Krise stufen die Unternehmen ihre Geschäftsaussichten für das kommende halbe Jahr wieder günstiger ein. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli von 107,5 auf 108,0 Punkte.

Bremsspuren aus China in hiesiger Wirtschaft noch nicht erkennbar

"Die vorläufige Entspannung bei der Griechenland-Frage trägt zur Stimmungsaufhellung in der deutschen Wirtschaft bei", erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Export und Binnenkonjunktur liefen weiterhin gut, und Öl sei noch billiger geworden, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. "Die deutsche Wirtschaft ist weiter im Aufschwung." Die Bremsspuren in China spiegelten sich noch nicht in den Auftragsbüchern der Industrieunternehmen wider. Noch nicht.

Aus China kam am Montag eine Hiobsbotschaft: Der im Juni begonnene Börsen-Crash - in den vergangenen drei Wochen durch staatliche Eingriffe ausgesetzt - ging zum Wochenstart weiter. Die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen sackten um bis zu neun Prozent ab - der größte Tagesverlust seit acht Jahren (vgl. FTSE China-A50-Index).

Die 300 größten Börsenwerte Chinas alleine büßten dadurch zusammengerechnet rund 400 Milliarden Dollar ihrer Marktkapitalisierung ein. Dies entspricht der jährlichen Wirtschaftsleistung Österreichs. Seit Mitte Juni vernichteten die Turbulenzen sogar einen Börsenwert von 1,4 Billionen Dollar - das jährliche Bruttoinlandsprodukt Spaniens.

China-Firmen machen weniger Gewinn

Neue negative Wirtschaftsdaten aus dem Reich der Mitte und wieder gelockerte Handelsrestriktionen für chinesische Aktien sorgten für teils panische Verkäufe, erklärten Börsianer. Die Gewinne großer chinesischer Unternehmen sind im Juni im Vorjahresvergleich um 0,3 Prozent gesunken, teilte das nationale Statistikamt in Peking mit. Zuvor war die Stimmung chinesischer Produzenten laut einer Umfrage auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren gefallen.

Auch an den anderen asiatischen Börsenplätzen ging es bergab. Der Deutsche Aktienindex Dax und andere westliche Börsen wurden mit nach unten gezogen. Hier standen Tagesverluste von etwa zweieinhalb Prozent zu Buche.

Börsensturz könnte sich fortsetzen

Die Befürchtungen wachsen, dass sich der Abschwung an den China-Börsen noch fortsetzt. Sie sind durchaus berechtigt. Zwischen Oktober 2014 und Juni 2015 hat sich der Shanghai-Composite-Index von etwa 2400 auf über 5000 Punkte zunächst verdoppelt - anfangs durchaus gewollt von Chinas Regierung. Doch der Aufschwung war letztlich zu krass, die Aktienkurse entsprachen nicht mehr den realen Wirtschaftsdaten. So setzten im Juni Verkäufe ein, die sich zum Crash auswuchsen.

Nun ist der China-Index bei etwa 3700 Punkten angekommen. Experten erwarten, dass bald das Ausgangsniveau vom Herbst vergangenen Jahres wieder erreicht werden könnte - also nochmals ein 30-Prozent-Abschwung an der Börse. Dieses Niveau gilt angesichts der aktuellen Wachstumsraten der Volkswirtschaft als gerecht.

Chinas Wirtschaftswachstum dürfte in diesem Jahr bei sieben Prozent liegen. Der Wert klingt zwar gut, wäre aber der schwächste Zuwachs seit einem Vierteljahrhundert. In den Jahren 2006, 2007 und 2010 wurden noch jeweils über elf Prozent erreicht.

China-Nachfrage ist wichtig

Das Reich der Mitte hat immense globale Bedeutung. Ökonomen befürchten, dass die Börsenturbulenzen das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft bremsen könnten - mit Folgen für die gesamte Weltwirtschaft. Denn China ist einer der größten Rohstoff-Käufer der Welt. Ebbt dort die Nachfrage ab, sorgt das für sinkende Abnahmemengen von Öl, Kohle, Erz und Co. sowie entsprechenden Einbußen in der Produktion.

Auch die Nachfrage von privaten Käufern leidet im Riesenreich. Zuletzt bekamen das bereits die dort engagierten Auto-Produzenten zu spüren. Die chinesischen Käufer von Volkswagen, Daimler und BWM sind zurückhaltender geworden, denn im jüngsten Börsencrash verloren auch viele Privatanleger Geld.

Auch der Vizegouverneur der japanischen Notenbank, Hiroshi Nakaso, hat gewarnt, dass Chinas verlangsamtes Wirtschaftstempo Einfluss auf die Exporte haben könnte. Japans Autoindustrie hat einen ähnlichen Stellenwert wie die deutsche.

Antwort auf Wirtschaftsflaute gesucht

China wird im Oktober die mit Spannung erwarteten Weichen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes stellen. Das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei werde das Thema dann bei den Beratungen über den nächsten Fünf-Jahres-Plan erörtern. Regierung und Notenbank suchen nach Wegen, die Konjunktur wieder zu beleben.

Im vorigen Jahr stand eine Rechtsreform im Mittelpunkt des Plenums, 2013 ging es um einen Umbau des Wirtschaftsmodells: Dabei hatte Präsident Xi Jinping eine neue Richtung vorgegeben. China sollte weniger stark auf das schwankungsanfällige Exportgeschäft setzen und stattdessen die Binnenwirtschaft stärken - insbesondere den Konsum des Milliardenvolks.

Die kommunistischen Kader dürften im Oktober darüber beraten, wie dieses Modell fortgeschrieben werden kann, ohne eine harte Landung der Wirtschaft zu riskieren.

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