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Griechenland soll mit Oliven und Touristen die Krise beenden


Oliven und Touristen  

Wie Griechenland aus seinem Wirtschaftsdilemma kommen soll

05.08.2015, 13:31 Uhr | AP

Griechenland soll mit Oliven und Touristen die Krise beenden. Oliven - fast ein Synonym für Griechenland. Doch für die dortige Wirtschaft spielen sie eine untergeordnete Rolle. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Oliven - fast ein Synonym für Griechenland. Doch für die dortige Wirtschaft spielen sie eine untergeordnete Rolle. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In Griechenland türmen sich weiterhin die ökonomischen Probleme. Aber wo anfangen, um die Wirtschaft anzukurbeln und dringend benötigtes Geld ins Land zu holen? "Bei den Grundlagen", sagen Ökonomen und empfehlen Investitionen in die Landwirtschaft und den Tourismus. Auch der Industriesektor bietet Ausbaumöglichkeiten.

Griechenland und seine Gläubiger verhandeln derzeit wieder über Finanzhilfen. Ein weiteres Hilfspaket ist nötig, um die Staatspleite zu verhindern. Langfristig muss das Land seine Wirtschaft wieder in Schwung bringen - eine Herkulesaufgabe, angesichts der Ausmaße der Probleme.

Investitionen zuerst in etablierte Branchen

Die Wirtschaft schrumpfte in den vergangenen sechs Jahren um ein Viertel, die Geschäftstätigkeit geht weiter zurück, Banken wanken und die Börse stürzt ab. Der Ratschlag von Wirtschaftswissenschaftlern an Athen lautet daher: "Beginne mit den Grundlagen".

Griechenland sollte den Experten zufolge mit einer stabilen Regierung und Investitionen in etablierte Branchen wie Landwirtschaft und Tourismus beginnen. Langfristig müssten dann komplexere, aber fundamentale Probleme wie Steuerhinterziehung, die Verschuldung und das komplizierte Wirtschaftsrecht angegangen werden. Das alles wird nicht einfach, aber Griechenland hat keine andere Wahl, wenn es die wirtschaftliche Lage verbessern will.

Mangelndes Vertrauen in die Stabilität

Griechenland benötigt nach Meinung der Experten zunächst eine stabile Regierung, die ein Ausscheiden des Landes aus der Eurozone, einen sogenannten Grexit, unbedingt verhindern will. Potenzielle Investoren wollen sicher sein, dass die Regierung nicht an einem Streit über einen Verbleib in der Eurozone zerbricht. Die Höhe der Investitionen in Griechenland entsprachen im vergangenen Jahr gerade einmal zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung. Dieser niedrige Wert ist ein Ausdruck mangelnden Vertrauens in die Stabilität des Landes. Nur drei von 124 Ländern, die die Weltbank untersuchte, wiesen einen noch geringeren Investitionsanteil auf.

Die amtierende griechische Regierung verdeutlicht die Risiken politischer Unsicherheit. Sie kam im Januar ins Amt mit dem Versprechen, Privatisierungen rückgängig zu machen und sich den Forderungen der Gläubiger nicht zu beugen. Die Verhandlungen mit den Gläubigern zogen sich über Monate hin, die Befürchtungen wuchsen, das Land müsse die Eurozone verlassen. In dieser Zeit gab die Wirtschaft immer weiter nach: Statt zu wachsen, schrumpft sie in diesem Jahr wohl zwischen zwei und vier Prozentpunkte.

Landwirtschaft könnte mehr liefern

Die Aussichten auf eine Stabilisierung sind derzeit nicht gerade rosig. In der Regierungspartei Syriza formiert sich schon jetzt Widerstand gegen neue Reform- und Sparprogramme. Schon im November könnten daher Neuwahlen stattfinden. Griechenland muss hoffen, dass sich die neue Regierung dann als stabiler erweist als die bisherige.

Angesichts der politischen Unsicherheit erklären Wirtschaftswissenschaftler, Griechenland müsse sich zunächst auf gezielte Investitionen in Branchen konzentrieren, die schon jetzt erfolgreich sind. Dazu gehört die Landwirtschaft, die im vergangenen Jahr fast sechs Milliarden Euro zur Gesamtwirtschaft von 179 Milliarden Euro beitrug. Statista weist dem Sektor einen Anteil am Bruttoinlandsprodukt von knapp vier Prozent aus (siehe Grafik). Mit einigen Modernisierungen und verbessertem Marketing könnte diese Branche mehr Ertrag liefern.

Die Landwirtschaft trägt nur knapp vier Prozent zum BIP Griechenlands bei. Am stärksten ist der Dienstleistungssektor inkl. Tourismus. (Quelle: © Statista)Die Landwirtschaft trägt nur knapp vier Prozent zum BIP Griechenlands bei. Am stärksten ist der Dienstleistungssektor inkl. Tourismus. (Quelle: © Statista)

Reisezeit in den Winter verlängern

Dies zeigt sich am Beispiel des Olivenöls. Griechenland ist neben Spanien und Italien der drittgrößte Produzent von Oliven weltweit. Allerdings exportiert das Land 60 Prozent der Ernte nach Italien, das mit dem fertigen Produkt 50 Prozent mehr verdient, wie aus einem Bericht der Unternehmensberatung McKinsey & Company hervorgeht. Neben Oliven ernten die Griechen jedoch auch Tabak, Weizen, Baumwolle und Sonnenblumen.

Die Fischerei bildet einen weiteren Sektor, den Griechenland dank seiner ausgedehnten Küsten rasch entwickeln könnte. "Die Grundlagen sind schon da und riesige Investitionen sind nicht notwendig", erklärt Panayotis Alexakis, Wirtschaftswissenschaftler an der Nationalen und Kapodistrias-Universität in Athen. Auch im wichtigen Tourismus sind Steigerungen möglich. Griechenland könnte beispielsweise mehr Golfplätze bauen und so die Reisezeit in den Winter verlängern.

Piräus als Konkurrenz für Rotterdam

Der Ökonom Christos Agiakloglou von der Piräus-Universität schlägt vor, die Häfen von Piräus und Thessaloniki auszubauen, um verstärkt Kreuzfahrtschiffe anzulocken. Die Häfen könnten aber auch ein europäisches Einfallstor für globale Importe werden - wenn die Container-Terminals vergrößert würden. Über Griechenland können Waren bis zu 20 Tage schneller in die Europäische Union gelangen als über die Container-Terminals in Rotterdam.

McKinsey bezeichnet in seinem Bericht die pharmazeutische Industrie in Griechenland als "aufgehenden Stern", der das Wirtschaftswachstum antreiben könnte. Schon jetzt trägt die Branche nach dem Tourismus am stärksten zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Alexander Kritikos vom DIW wies schon im Februar in einem Interview mit n-tv.de auch auf Biotechnologie und den Energiebereich hin.

Rechtssystem muss effizienter werden

Wenn all das geschafft ist, muss Griechenland seine grundlegenden wirtschaftlichen Probleme angehen. Viele der notwendigen Reformen entsprechen den Forderungen der Gläubiger. Manche können einfach mit einer Gesetzesänderung umgesetzt werden, andere verlangen eine Veränderung der Einstellung der Menschen.

Relativ rasch ließen sich die Gesetze zur Gründung einer Firma ändern. Auch das Rechtssystem muss effizienter werden, damit Konflikte zwischen Unternehmen nicht erst nach Monaten oder Jahren gelöst werden können. Geschlossene Branchen, wie die Pharmazie, müssen stärker geöffnet und die Banken mit frischem Kapital ausgestattet werden, damit sie wieder Kredite zu günstigen Bedingungen vergeben können.

Korruption als größtes Problem

Langfristig müssen die öffentlichen Finanzen in Ordnung gebracht werden. Das bedeutet auch, die Gläubiger davon zu überzeugen, die Auflagen zu lockern. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat bereits vorgeschlagen, die Zinsen für die Hilfspakete zu senken. Weitere Probleme sind die verbreitete Steuerhinterziehung und eine weit verbreitete Kultur der Korruption.

Nicolaos Eriotis, Professor an der Nationalen und Kapodistrias-Universität, hält die Korruption für das größte der zahlreichen Probleme in Griechenland. Sie habe verhindert, dass frühere Regierungen das wahre Ausmaß der Verschuldung offenbarten, eine Modernisierung der Wirtschaft erschwert und dafür gesorgt, dass sich ehrliche Arbeit nicht mehr lohne. "Verantwortungslosigkeit hat dieses Land zerstört."

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