Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen >

BER empört wieder: Gebäudeausstatter Imtech ist pleite

"Super-Gau" für die Auftraggeber  

Imtech-Pleite gefährdet Öffnungstermin für Hauptstadtflughafen BER

07.08.2015, 17:16 Uhr | dpa-AFX, rtr, t-online.de

BER empört wieder: Gebäudeausstatter Imtech ist pleite. Ein Pflänzchen quetscht sich durch Gehwegplatten vor dem Abfertigungsgebäude am Berliner Hauptstadtflughafen. Es dürfte noch größer werden... (Quelle: dpa)

Ein Pflänzchen quetscht sich durch Gehwegplatten vor dem Abfertigungsgebäude am Berliner Hauptstadtflughafen. Es dürfte noch größer werden... (Quelle: dpa)

Die deutsche Tochter des niederländischen Gebäudeausstatters Imtech ist zahlungsunfähig und hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen, das am Bau des neuen Berliner Großflughafens BER mit Heizung, Sanitär- und Lüftungsanlagen beteiligt ist, hatte in den Tagen zuvor vergeblich versucht, sich mit den Geldgebern auf eine Liquiditätsspritze für die Konzerngruppe und deren Töchter zu einigen. Imtech-Aktien stürzten an der Börse ins Bodenlose und sind nur noch wenige Cent wert. Mit der Pleite gerät der Terminplan am Hauptstadtflughafen erneut durcheinander.

Die Insolvenz sei für die Auftraggeber von Imtech ein "Super-Gau", sagte der Düsseldorfer Bauexperte Andreas Schmieg. "Es kommt jetzt darauf an, das Vertrauen sowohl der Auftraggeber wie auch der Lieferanten zu erhalten", sagte der Geschäftsführer der Unternehmensberatung Buchalik Brömmekamp. Zwar sei es möglich, die Verträge mit einem insolventen Unternehmen zu kündigen und andere zu beauftragen. Gerade bei Großprojekten sei dies sowohl technisch und zeitlich wie auch wirtschaftlich in der Regel nicht die optimale Lösung.

"Eröffnungstermin stark gefährdet"

Die Flughafengesellschaft BER erwartet nach der Pleite der Bautechnik-Firma Imtech-Deutschland weitere Verzögerungen beim Bau des Großprojekts. "Klar ist aus unserer Sicht, dass die Insolvenz Auswirkungen auf unsere Meilenstein-Planung hat, nach der der Abschluss der baulichen Arbeiten im März 2016 vorgesehen ist", sagte Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld. "Imtech ist eine der wichtigsten Baufirmen für die BER-Baustelle." Ob und in wie weit es Auswirkungen auf den vorgesehenen Eröffnungstermin in der zweiten Jahreshälfte 2017 gebe, müsse nun eine Arbeitsgruppe bewerten.

Vize-Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider sagte, die Entwicklung müsse sehr ernst genommen werden. Der Projektausschuss des Aufsichtsrats werde in Kürze dazu tagen. Der Vorsitzende des Berliner Untersuchungsausschusses zum Flughafen, Martin Delius (Piratenpartei), sagte: "Ich halte den Eröffnungstermin für stark gefährdet."

Die niederländische Imtech-Konzernmutter teilte mit, sie prüfe nun die Lage und die möglichen Konsequenzen. Imtech-Deutschland-Chef Felix Colsman verliere seinen Posten im Konzernvorstand, behalte aber die Führung in Deutschland. Insolvenzverwalter ist der Hamburger Rechtsanwalt Peter-Alexander Borchardt.

Imtech arbeitet auch an der Brandschutzanlage

Borchardt kündigte an, während des Insolvenzverfahrens solle Imtech weiter im Geschäft bleiben. "Alle Bauvorhaben der Imtech Deutschland sollen fortgeführt werden", sagte der Insolvenzverwalter. "Ziel ist der langfristige Erhalt des Unternehmens und aller Arbeitsplätze."

Imtech hat in Deutschland nach eigenen Angaben rund 4000 Beschäftigte. Teile der Imtech-Belegschaft seien schon am Freitag nicht mehr auf der Baustelle erschienen, sagte Mühlenfeld. Imtech ist bei dem mehrfach verzögerten Großprojekt für wichtige Elektro- und Lüftungsarbeiten zuständig, das Unternehmen arbeitet auch an entscheidender Stelle an der Brandschutzanlage.

Imtech-Aktien brechen ein

Die Firma Imtech mit Sitz in Hamburg ist seit mehr als 150 Jahren am Markt, zunächst als Heizungsbauer. 1997 verkauften die Gesellschafter des Vorgängerunternehmens Rud. Otto Meyer (ROM) ihre Anteile in die Niederlande; seit 2002 heißt die Firma Imtech Deutschland. Der Umsatz für Deutschland und Osteuropa betrug im vergangenen Jahr 860 Millionen Euro, der Verlust (Ebitda) 126 Millionen Euro. Seit 2013 steht der Konzern im Mittelpunkt einer Korruptionsaffäre; zahlreiche Manager wurden entlassen, und Staatsanwälte ermitteln.

Imtech-Aktien crashten an der Börse. Die Titel rauschten am Freitag in der Spitze um gut 42 Prozent auf ein Rekordtief von 69 Cent. Zwischenzeitlich wurden die Titel wegen der großen Kursverluste vom Handel ausgesetzt. Schon nach der Bekanntgabe des Insolvenzantrags am Donnerstagnachmittag hatten die Aktien rund 40 Prozent verloren. Vorgestern notierte der Wert noch bei 2,60 Euro, vor drei Jahren bei 160 Euro.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
30% auf alle bereits reduzierten Artikel!
bei TOM TAILOR
Anzeige
Dein Wunschmix: Daten, MIN/SMS wie du es brauchst
Prepaid wie ich will von congstar
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal