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Deutschland profitiert enorm von der Griechenland-Krise


Selbst wenn Athen Schulden nicht zurückzahlt  

Deutschland profitiert von Griechenland-Krise enorm

10.08.2015, 17:30 Uhr | t-online.de, rtr

Deutschland profitiert enorm von der Griechenland-Krise. Ist Deutschland der große Gewinner der Griechenland-Krise? (Quelle: dpa)

Ist Deutschland der große Gewinner der Griechenland-Krise? (Quelle: dpa)

Die harte Haltung von Finanzminister Wolfgang Schäuble in der Griechenland-Krise sorgte oft für Ärger. Dabei hatte die Situation offenbar auch ihr Gutes für Deutschland. Denn laut einer Studie hat die Bundesrepublik stark vom Drama um den Euro profitiert. Zu diesem Ergebnis kommt das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Die schwarze Null im deutschen Staatshaushalt sei zu einem großen Teil auf die Turbulenzen rund um Griechenland zurückzuführen, so das Institut.

IWH-Ökonomen haben berechnet, dass der deutsche Fiskus seit 2010 Einsparungen in Höhe von rund 100 Milliarden Euro erzielt habe, die zumindest zum Teil direkt auf die Griechenlandkrise zurückzuführen seien.

Das Volumen liege bei drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts und übertreffe die Kosten der Krise, selbst wenn Griechenland seine Schulden nicht vollständig zurückzahlen würde. "Deutschland hat also in jedem Fall von der Griechenlandkrise profitiert", so die Ökonomen.

Deutschland spart an Zinsen

Die Erklärung der Forscher: Mit der Krise hätten Anleger aus aller Welt besonders sichere Anlagen gesucht. Dabei standen die deutschen Staatsschulden ganz vorne auf der Liste der sicheren Häfen. Außerdem pumpte die Europäische Zentralbank (EZB) Milliarden in den Markt. Die hohe Nachfrage drückte dann die Rendite der Anleihen. Die Folge: Deutschland konnte auslaufende Staatsanleihen mit Anleihen ersetzen, für die viel niedrigere Zinsen als üblich fällig werden.

Die sogenannte Flucht von Anlegern bei Krisen in sichere Häfen ist ein an den Märkten oft beobachtetes Phänomen. Die Forscher aus Halle untersuchte im Fall Griechenland, wie sich positive und negative Nachrichten zur Verschuldung Griechenlands in den Renditen deutscher Anleihen niederschlugen.

Jedes Mal, wenn es für die Finanzmärkte in den letzten Jahren negative Griechenland-Meldungen gab, fielen die Zinsen auf deutsche Staatsanleihen, und jedes Mal, wenn es gute Neuigkeiten gab, stiegen sie.

So fielen die Zinsen auf deutsche Staatsanleihen um 30 Basispunkte, als ein Sieg der Syriza im Januar bei den Parlamentswahlen wahrscheinlich wurde. Die Zinsen fielen auch, als die Regierung im Juni eine Volksabstimmung über die Sparprogramme bekanntgab. Diese Zahlen belegten, dass Deutschland von der Griechenland-Krise profitiert habe, so die Ökonomen.

Widerspruch von Wirtschaftsexperten

Die Ergebnisse erzeugten aber auch Widerspruch unter Experten. "Nicht Deutschland profitiert von den Niedrigzinsen, sondern die verschuldeten öffentlichen Körperschaften, also Bund, Länder und Kommunen", sagte beispielsweise der Wirtschaftsweise Lars Feld der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Was der Steuerzahler an Zinsaufwand spare, büßten auf der anderen Seite die Bürger als Sparer ein. "Die Sparer sind deutlich mehr geschädigt, das muss man gegenrechnen", so Feld. Und der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, Clemens Fuest, sagte: "Wenn die Staatsanleihen von Inländern gehalten werden, dann ist der Zinsrückgang kein Gewinn für Deutschland, sondern lediglich eine Umverteilung von den Bürgern zum Staat."

Globale Einflüsse fehlen

Nicht berücksichtigt wurden in der Studie allerdings Auswirkungen der Krise auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. So kann zum Beispiel eine hohe globale Unsicherheit auf die Auslandsnachfrage drücken - gleichzeitig kann ein schwacher Euro aber auch die Exporte beflügeln. Auch Folgen wie krisenbedingt sinkende Investitionen, die Stärkung der Wirtschaft durch Zuwanderungen aus Südeuropa oder auch negative Zinseffekte für deutsche Sparer mit Tagesgeldkonten oder Rentenversicherungen wurden in der Studie nicht berechnet.

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