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Stimmung in Chinas Industrie so schlecht wie seit 2009 nicht mehr


Niedrigster Wert seit 2009  

Schlechte Stimmung in Chinas Industrie

21.08.2015, 15:47 Uhr | rtr , dpa

Stimmung in Chinas Industrie so schlecht wie seit 2009 nicht mehr. Chinas Industrie schaut mit deutlich gebremstem Optimismus in die Zukunft. (Quelle: dpa)

Chinas Industrie schaut mit deutlich gebremstem Optimismus in die Zukunft. (Quelle: dpa)

Chinas Wirtschaft schockt die Weltkonjunktur. Die Stimmung der chinesischen Unternehmer ist so schlecht wie seit 2009 nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex für die chinesische Industrie fiel überraschend um 0,7 auf 47,1 Punkte. Das erklärte das Markit-Institut zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage. Damit blieb das Barometer den sechsten Monat in Folge unter der Schwelle von 50 Zählern, ab der ein Wachstum signalisiert wird.

Analysten hatten mit einem Wert von 48,2 gerechnet. Im Juli lag der Indikator nach endgültigen Zahlen noch bei 47,8 Punkten. Chinas Wirtschaft war von Januar bis Juni im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 um sieben Prozent gewachsen und hatte damit genau das Ziel der Regierung getroffen. Experten gehen jedoch davon aus, dass das tatsächliche Wachstum längst unter diese Marke gerutscht ist.

Probleme bereiten der chinesischen Industrie die steigenden Lohnkosten und die schwächelnde Weltwirtschaft. Deswegen geht die Nachfrage nach chinesischen Waren aus dem Ausland zurück.

China schickt Aktienkurse weltweit auf Talfahrt

Die Geschäfte der Industrie liefen im August so schlecht wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. Die Sorge vor einem Wachstumseinbruch der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft ließ rund um den Globus die Aktienkurse erneut einbrechen. Auch Öl verbilligte sich zuletzt deutlich. Verunsichert zeigen sich auch die deutschen Verbraucher. Deren Kauflaune ist derzeit so schlecht wie seit einem halben Jahr nicht mehr, da sie mit einer schwächeren Konjunktur auch in Deutschland rechnen.

"Die Regierung hat eine Belebung in der zweiten Jahreshälfte erwartet, doch es sieht nach dem Gegenteil aus", sagte Ökonom Chester Liaw vom Analysehaus Forecast Pte in Singapur. "Die Konjunktur dürfte sich weiter abschwächen." Die chinesischen Unternehmen produzierten so wenig wie seit vier Jahren nicht mehr. Stellen wurden deshalb gestrichen.

Viele Absatzmärkte des Exportweltmeisters schwächeln, darunter Schwellenländer wie Russland und Brasilien. "Die Daten erneuern die Zweifel am globalen Aufschwung", sagte Ökonom Tim Condon von der ING-Bank. Anleger fürchten eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft.

Peking will Abhängigkeit vom Export reduzieren

Chinas Regierung unterzieht die Wirtschaft des Landes gerade dem größten Umbau seit Jahrzehnten. Das Land will unabhängiger von Exporten werden und nicht mehr die verlängerte Werkbank der Welt sein. Stattdessen soll Innovation gefördert und ein Hochtechnologiesektor aufgebaut werden.

In der deutschen Wirtschaft ist die China-Schwäche bislang allerdings noch nicht angekommen, da sie auf anderen Märkten ordentliche Zuwächse verzeichnet. Der Einkaufsmanagerindex für die deutsche Privatwirtschaft stieg im August um 0,3 auf 54,0 Punkte. Das ist der höchste Wert seit vier Monaten.

"Die deutsche Wirtschaft hat einen Gang hochgeschaltet", sagte Markit-Ökonom Oliver Kolodseike. Sie stellte deshalb so viele Mitarbeiter ein wie seit Ende 2011 nicht mehr. Das Teil-Barometer für die Industrie kletterte sogar auf den höchsten Stand seit fast anderthalb Jahren. "Im Industriesektor legten die Auslandsbestellungen aus zahlreichen Ländern, darunter auch Großbritannien und die USA, sogar so stark zu wie zuletzt vor eineinhalb Jahren", erklärte Markit. Der schwache Euro, der Waren in Übersee verbilligt, dürfte dabei geholfen haben.

Deutsche Autobauer spüren Flaute

Für die deutschen Autobauer allerdings wandelt sich der weltgrößte Automarkt vom Segen zum Fluch. Im Juli schrumpfte der Absatz in China nach jahrelangem Boom laut Branchenverband CAAM um 7,1 Prozent auf 1,5 Millionen Fahrzeuge. Die Preise sind im Sinkflug. Für den Volkswagen-Konzern steht besonders viel auf dem Spiel, denn die Wolfsburger fahren in der Volksrepublik einen Großteil des Gewinns ein. VW und die Tochter Audi, in China unangefochtener Platzhirsch im Oberklasse-Segment, dampften ihre Absatzziele ein. BMW drosselte in China die Produktion.

Die Regierung in Peking strebt in diesem Jahr ein Wachstum von sieben Prozent an. Es wäre der kleinste Zuwachs seit einem Vierteljahrhundert. Zuletzt wuchsen sowohl die Industrieproduktion als auch die Investitionen und die Umsätze im Einzelhandel schwächer als erwartet. Die Zentralbank versucht gegenzusteuern: Sie ließ die Landeswährung Yuan kräftig abwerten, was chinesische Waren im Ausland billiger macht. Seit 11. August gab der Kurs um drei Prozent zum Dollar nach.

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