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Ölpreisverfall: Benzin kann 20 Cent billiger werden


Ölpreisverfall  

Commerzbank: Benzin kann 20 Cent billiger werden

22.08.2015, 11:49 Uhr | bv, AFP, dpa-AFX, rtr, t-online.de

Ölpreisverfall: Benzin kann 20 Cent billiger werden. Russische Raffinerie: Die derzeit wieder stark fallenden Rohölpreise haben nicht nur Licht-, sondern auch Schattenseiten. (Quelle: Reuters)

Russische Raffinerie: Die derzeit wieder stark fallenden Rohölpreise haben nicht nur Licht-, sondern auch Schattenseiten. (Quelle: Reuters)

Die Ölpreise sind auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr gefallen und haben sogar die Tiefstände vom Frühjahr und vergangenen Herbst unterschritten. Das klingt erst einmal gut. Doch bei kaum einem anderen Thema zeigt sich die Mehrdimensionalität der Problematik deutlicher: Sinkende Ölpreise sind des einen Freud', des anderen Leid und des Dritten Sorge.

Freuen können sich die Autofahrer. Die Commerzbank rechnet damit, dass der Benzinpreis um bis zu 20 Cent pro Liter fällt. Das wäre das Niveau vom Januar, wie der Rohstoff-Experte der Bank, Eugen Weinberg, der "Bild"-Zeitung sagte. Zu Jahresbeginn hatte ein Liter Super E10 rund 1,24 Euro gekostet, derzeit sind es 1,38 bis 1,45 Euro. Der Dieselpreis könnte wieder Richtung 1,00 Euro sinken.

Dabei müssen die Fahrer von Benzin-Autos noch etwas länger warten als diejenigen, die Diesel tanken. Wegen großer Benzinnachfrage aus den USA sinken die Preise hier derzeit langsamer. Wenn aber die Feriensaison dort zu Ende geht, reduziert sich auch die Nachfrage und der Benzinpreis kann fallen.

Überproduktion in Förderländern

Für die erdölproduzierenden Länder ist der rasche Rückgang der Rohölpreise dagegen ein Problem, das sie so ähnlich auch schon vor Monaten hatten. Manch einer kann zu den aktuellen Preisen nicht mehr rentabel arbeiten - aber überall fehlen die festeingeplanten Petro-Dollars in den Staatshaushalten.

Das Problem fallender Ölpreise ist dabei nicht nur ein Zeichen der abkühlenden Weltkonjunktur, von der aktuell China, aber auch irgendwann Deutschland betroffen ist. Es ist zu einem großen Teil auch in den Produzentenländern hausgemacht. So hält Saudi-Arabien als größter Exporteur im Kartell Opec die Fördermenge nicht nur hoch, sondern hat sie laut jüngsten Daten aus dem Juni sogar noch gesteigert. Das Land wolle unbedingt an seinen Marktanteilen festhalten, so die Einschätzung der Commerzbank-Experten.

Auch in den USA wird aktuell wieder mehr Öl gefördert. Und nach dem Iran-Atom-Deal kehrt ein weiterer Mitspieler an den gut gesättigten Markt zurück. Somit gibt es keinen Grund, warum die Rohölpreise schon demnächst wieder steigen sollten. Stattdessen kann und wird es weiter nach unten gehen. Und dann haben viele Staaten auch weniger Geld für Importe aus Deutschland.

Draghi muss wohl bei Inflation nachsteuern

Nicht zuletzt kommt bei fallenden Öl- und Benzinpreisen wieder das Thema der niedrigen Inflation ins Spiel. Mit Anleihenkäufen in Milliardenhöhe versucht die Europäische Zentralbank (EZB) seit Monaten, die Inflation anzukurbeln, die ihr gefährlich niedrig erscheint. Doch im Juli wurden wie schon im Juni lediglich 0,2 Prozent Teuerung verzeichnet. Knapp unter zwei Prozent sollen es schließlich sein. Dieses Ziel wird selbst nach Einschätzung der EZB noch auf Jahre hinaus verfehlt werden.

So rechnen Experten inzwischen damit, dass die EZB ihre im März gestarteten Anleihenkäufe womöglich ausweiten oder verlängern wird. "Wenn die Wirtschaft weltweit ins Stottern geraten sollte, ist es durchaus denkbar, dass EZB-Chef Mario Draghi noch einmal einschreitet," sagte Dwight Bolden, Analyst bei der Metzler Bank. Denn auch das Wirtschaftswachstum in der Eurozone lag im zweiten Quartal nur um 0,3 Prozent höher als im Vorquartal und fällt damit als klassischer Inflationstreiber weiterhin aus.

Aber damit gibt es auch nach wie vor keine Hoffnung für Sparer, dass es in absehbarer Zeit einmal wieder mehr Zinsen auf dem Sparbuch gibt als derzeit. Jede Medaille hat zwei Seiten, manchmal sogar drei. So könnten sich beispielsweise Autofahrer damit trösten, dass sie das an der Tankstelle einsparen, was ihnen bei der Geldanlage verloren geht. Aber alle sollten hoffen, dass die Weltkonjunktur nicht zu stark einbricht, denn dann könnten auch in Deutschland Jobs in Gefahr geraten und die Einkommen im Durchschnitt sinken.

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