Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > News > Eigene >

Griechenland spart - auch an der Gesundheitsversorgung


Griechen sparen sich krank  

"Bis der Krankenwagen da ist, stirbt man zweimal"

31.08.2015, 11:57 Uhr | Jessica Camille Aguirre, dpa

Griechenland spart - auch an der Gesundheitsversorgung. Freiwillige Sanitäter halten das griechische Gesundheitssystem so gut wie möglich am Leben. (Quelle: dpa)

Freiwillige Sanitäter halten das griechische Gesundheitssystem so gut wie möglich am Leben. (Quelle: dpa)

Ruft jemand in Griechenland den Notarzt, sollte es besser nicht auf jede Minute ankommen. Die Wartezeiten auf einen Krankenwagen dauern bis zu eine Stunde: "In der Zeit stirbt man zweimal", sagt Christos Kammilatos von der Gesundheitsorganisation "Das Lächeln des Kindes". Mit dem Staat ist auch das griechische Gesundheitssystem in die Krise geraten.

Es ist noch früh am Morgen, als die Sanitäter Dionysis Arvanitakis und Stefanos Kapetanios mit atemberaubender Geschwindigkeit zu ihrem ersten Einsatz rasen. Mit dem Krankenwagen geht es durch den Athener Verkehr zu einem neun Jahre alten Patienten, der zu seinem Kliniktermin gebracht werden muss. Der Junge steht schon vor der Haustür. Seine Mutter hat ein großes Kissen unter ihren Arm geklemmt. Beim letzten Besuch habe das Krankenhaus keine Kissen gehabt, sagt sie.

Gerade gab es ein drittes Hilfspaket der internationalen Geldgeber für Griechenland. Doch die seit fünf Jahren andauernden Sparmaßnahmen haben schon seit längerem zum Teil verheerende Auswirkungen für die Griechen - etwa im Gesundheitswesen.

Kindersterblichkeit deutlich angestiegen

"Die pauschalen Sparmaßnahmen haben Leistungen in allen Bereichen verringert und die Gesundheitsversorgung ganz unmittelbar verschlechtert", sagt Alexander Kentikelenis. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität von Cambridge und Experte für die Folgen von Finanzkrisen. Einige Reformen des Gesundheitswesens waren seiner Ansicht nach zwar erforderlich. Das Ausmaß der Kürzungen sei aber zu groß für das griechische Gesundheitssystem gewesen. So sei etwa die Kindersterblichkeitsrate zwischen 2008 und 2010 um 43 Prozent gestiegen, schreibt er in der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet".

Da in Griechenland eine Krankenversicherung nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit abläuft, hatte die Wirtschaftskrise enorme Konsequenzen für die Gesundheitsversorgung: Inoffiziellen Schätzungen zufolge haben nun zwei bis drei Millionen Griechen keine Krankenversicherung. Auch in den Krankenhäusern fehlt es an Geld. Die Etats der öffentlichen Krankenhäuser seien seit 2009 um 50 Prozent geschrumpft, berichtet Charalampos Economou, Professor für Gesundheitspolitik an der Panteion Universität in Athen.

Viel zu wenige Krankenwagen

Die Sparmaßnahmen haben Löcher in die griechische Gesundheitsversorgung gerissen. Private Organisationen versuchen, sie wenigstens teilweise zu stopfen. So wie die Ehrenamtlichen von "Das Lächeln des Kindes", für die sich auch die Sanitäter Arvanitakis und Kapetanios engagieren.

In Deutschland gibt das Gesetz vor, dass ein Rettungswagen nach einigen Minuten am Einsatzort eintreffen müsse - das ist auch meistens der Fall. In Griechenland herrschen dagegen weit schlechtere Bedingungen, erzählt Kammilatos vom Führungsteam der Organisation. In Griechenland müsse man zwischen 45 Minuten und einer Stunde warten. Eine Stadt wie Athen mit 3,5 Millionen Einwohnern braucht seiner Meinung nach rund 300 funktionierende Krankenwagen. Es gebe aber nur 100.

Mit ihren acht Krankenwagen in Athen, Thessaloniki und auf Kreta bietet "Das Lächeln des Kindes" eine Leistung, die dringend benötigt wird. Sie transportieren ausschließlich Kinder: nach eigenen Angaben bereits 690 in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Aufträge aus öffentlichen Kliniken sind demnach im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2014 um 40 Prozent gestiegen. Zudem bietet die Einrichtung weitere Hilfs- und Gesundheitsprogramme. 90 Prozent des Jahresetats der Organisation von rund 13 Millionen Euro kommen von privaten Spendern.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Klingt wie eine Legende: Teufels beliebteste Speaker
jetzt die Ultima 40 Serie entdecken
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018