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VW soll in den USA mit Abgaswerten getrickst haben


Schwere Manipulationsvorwürfe in den USA  

"Der Super-GAU für Volkswagen"

20.09.2015, 08:47 Uhr | dpa, rtr, t-online.de

VW soll in den USA mit Abgaswerten getrickst haben. VW-Golf Diesel: "Bärendienst für die deutsche Dieseltechnologie". (Quelle: dpa)

VW-Golf Diesel: "Bärendienst für die deutsche Dieseltechnologie". (Quelle: dpa)

Medien sprechen von "Super-GAU", Experten von einem "Flurschaden für die gesamte Automobilbranche": Die US-Umweltbehörde wirft Volkswagen Abgas-Manipulationen vor. Milliardenstrafen drohen. Die Deutsche Umwelthilfe fordert sogar ein Fahrverbot für Diesel-Autos.

Die US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem deutschen Autobauer Verstöße gegen das Klimaschutzgesetz "Clean Air Act" vor und fordert den Rückruf von 482.000 Diesel-Fahrzeugen in Kalifornien. Betroffen sind nicht nur Autos der Kernmarke VW, sondern auch ein Modell der Konzerntochter Audi.

Vorwurf: Software manipuliert Abgase

Das Unternehmen stehe im Verdacht, in seinen Fahrzeugen eine spezielle Software eingesetzt zu haben, um die Messung des Schadstoffausstoßes zu manipulieren, teilte die EPA mit. Dieses Manipulationsprogramm soll sich bei offiziellen Emissionstests automatisch aktiviert haben. Das würde bedeuten, dass die Luftverpestung in Wirklichkeit viel höher wäre. Bislang seien Fahrzeuge der Baujahre 2009 bis 2015 aufgefallen, darunter das wichtigste Modell Jetta, aber auch der Golf, Beetle und Passat.

"Solche Mittel zu benutzen, um die Klimaschutzstandards zu umgehen, ist illegal und eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit", sagte EPA-Vertreterin Cynthia Giles. Ihre Behörde werde die Untersuchungen in diesem "sehr ernsten" Fall fortsetzen. Dabei sei nicht auszuschließen, dass weitere Verdachtsfälle ans Licht kommen.

VW könnten Strafen von bis zu 37.500 Dollar (gut 33.000 Euro) pro Wagen drohen, also insgesamt über 18 Milliarden Dollar, wenn sich die Vorwürfe bestätigen sollten. Allerdings ist völlig unklar, ob dieses theoretische Höchstmaß ausgeschöpft würde. Die EPA hat bislang noch keine Strafen verhängt und auch keinen Rückruf befohlen, sondern diesen nur gefordert.

"Etwas fundamental schief gegangen"

Experten und Medien sind entsetzt. "Es ist der Super-GAU für Volkswagen", schreibt etwa die Zeitung "Schleswig-Holstein am Sonntag". Wenn sich die Trickserei in der Steuersoftware der Motoren bewahrheite, "dann kostet das den VW-Konzern weit mehr als eine Rückrufaktion und eine milliardenschwere Strafzahlung. Das Vertrauen in diese urdeutsche Marke wäre futsch."

"Da ist etwas fundamental schiefgegangen bei VW", sagte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach und fordert strukturelle Änderungen beim Wolfsburger Konzern. "VW muss den Fall zum Anlass nehmen, um die internen Prozesse zu überprüfen", sagt Bratzel.

Es sei sehr verwunderlich, dass die mutmaßlichen Machenschaften der amerikanischen US-Tochter nicht längst an Wolfsburg gemeldet würden und das Durchgreifen der Konzernspitze nach sich gezogen hätte, sagt der Experte. "Das muss jetzt ein Weckruf zur Einhaltung der Compliance-Regeln sein." Compliance-Regeln legen fest, wie sich Konzerne verhalten müssen, damit ihre Geschäfte im Einklang mit geltendem Recht stehen. Bratzel vermutet, die VW-Tochter in den USA sei mit ihren dortigen Geschäftspraktiken gewissermaßen aus dem Ruder gelaufen. "In Wolfsburg ist man sich doch im Klaren, dass man Regeln nicht einfach aushebeln darf."

"Bärendienst" für die Dieseltechnologie

Wie andere Autoexperten auch ist Bratzel entsetzt über die Vorwürfe. "Das ist ein Bärendienst für die ganze deutsche Dieseltechnologie", sagt er. Hierdurch würde das Image von Dieselautos - in den USA ohnehin in einer Nische - schwer beschädigt.

Auch BMW und Daimler seien dadurch indirekt betroffen. "Man versucht seit Jahren, die Dieseltechnologie zu etablieren in den USA - und jetzt das", sagt Bratzel. "Der Fall kommt zur Unzeit für die Strategie deutscher Autobauer, Dieselfahrzeuge als saubere Technologie in den USA zu etablieren."

Nach Einschätzung von Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer muss sich VW auf ein teures Nachspiel einstellen. Das Verfahren sei bedrohlich, sagte Dudenhöffer. Denn auf den Konzern kämen möglicherweise nicht nur drastische Strafen, sondern eventuell auch Klagen von Kunden zu - vom Schaden für das Ansehen des Unternehmens ganz zu schweigen. "Das ist äußerst ernst zu nehmen."

"Es wird teuer"

Weitere Kosten, etwa für die mögliche Nachrüstung von Autos, könnten hinzukommen - das Ausmaß sei derzeit nicht absehbar. "Fest steht: es wird teuer", sagte der Experte. Doch es geht nicht nur ums Geld. Für die gesamte deutsche Autobranche richte der Skandal enormen Flurschaden an, sagt Dudenhöffer.

Umwelthilfe will Fahrverbot für Diesel-Autos durchsetzen

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will angesichts von Manipulationsvorwürfen in den USA ein Fahrverbot von Dieselfahrzeugen in Deutschland erreichen. Das Problem bestehe nicht nur in den USA sondern in noch deutlich stärkerem Umfang in Europa vor allem bei den deutschen Herstellern, teilte die Organisation mit. Sie wirft Autoherstellern seit längerem vor, die Abgasbelastung durch Dieselantriebe zu schönen.

VW selbst wollte sich dazu angesichts des laufenden Verfahrens nicht im Detail äußern. Für den Konzern gehöre Umweltschutz zu den strategischen Unternehmenszielen, sagte ein Sprecher. "Deshalb nimmt Volkswagen diese Vorwürfe sehr ernst und arbeitet eng und kooperativ mit der untersuchenden Behörde zusammen und veranlasst alles in seiner Macht stehende, um die Hintergründe für die erhobenen Vorwürfe gründlich aufzuklären."

Die Wolfsburger tun sich auf dem US-Markt ohnehin schwer und kämpfen dort schon lange mit schwachen Verkaufszahlen.

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