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VW-Skandal: Martin Winterkorn bittet um Entschuldigung


VW-Abgas-Skandal  

Winterkorn bittet um Entschuldigung und macht weiter

22.09.2015, 19:34 Uhr | AFP, dpa-AFX, t-online.de

VW-Skandal: Martin Winterkorn bittet um Entschuldigung. VW-Chef Martin Winterkorn will weitermachen und den Abgas-Skandal aufklären. (Quelle: Reuters)

Ausgeschieden: Ex-VW-Chef Martin Winterkorn. (Quelle: Reuters)

Im Abgas-Skandal bei Volkswagen hat Vorstandschef Martin Winterkorn öffentlich um Entschuldigung gebeten. In einem Video versprach er am Nachmittag Aufklärung und Wiedergutmachung. Er sagte: "Die Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren unseres Konzerns widersprechen allem, für was Volkswagen steht. Auch ich habe zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Antworten auf alle Fragen."

Der 68-Jährige betonte: "Es tut mir unendlich leid, dass wir dieses Vertrauen enttäuscht haben. Ich entschuldige mich in aller Form bei unseren Kunden, bei den Behörden und der gesamten Öffentlichkeit für das Fehlverhalten." Einen möglichen Rücktritt sprach Winterkorn nicht ausdrücklich an, doch ging aus seinen Worten hervor, dass er an der Aufklärung des Skandals mitwirken will.

Spekulationen um Winterkorn-Ablösung

Zuvor war spekuliert worden, Winterkorn solle von Porsche-Chef Matthias Müller abgelöst werden. Das hatte ein VW-Sprecher jedoch als "Schwachsinn" bezeichnet.

Es wäre falsch, "wenn wegen der schlimmen Fehler einiger weniger die harte und ehrliche Arbeit von 600.000 Menschen unter Generalverdacht gerät", sagte Winterkorn. "Das hat unsere Mannschaft nicht verdient. Auch deshalb bitten wir, bitte ich, um Ihr Vertrauen auf unserem weiteren Weg."

"Welt": Bundesregierung kannte Abgas-Tricks

Derweil deutet sich an, dass die deutsche Politik wusste, dass die Autohersteller mit technischen Eingriffen die Abgaswerte ihrer Autos nur auf dem Prüfstand senkten, sie im Normalbetrieb aber mit höheren Schadstoffwerten fahren ließen. Die Tageszeitung "Die Welt" berichtet über eine Kleine Anfrage der Grünen an das Bundesverkehrsministerium vom Juli.

Darin sprachen die Grünen das Problem der sogenannten Zyklus-Erkennung an, wonach die Autos selbst merken, ob sie normal fahren sollen oder gerade ein behördlicher Abgastest durchgeführt werden soll. Die Grünen erhielten die Antwort, die Bundesregierung teile "die Auffassung der Europäischen Kommission, dass das Konzept zur Verhinderung von Abschalteinrichtungen sich in der Praxis bislang nicht umfänglich bewährt hat".

Es war also bekannt, dass die Hersteller mit Tricks arbeiteten - man wusste nur offenbar noch nicht, wie die Manipulationen wirksam unterbunden werden können. Die Grünen sehen deshalb die Glaubwürdigkeit von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) erschüttert, der nach Bekanntwerden des VW-Skandals "Aufklärung und Transparenz" gefordert hatte.

Auf den VW-Konzern kommen nun stressige Zeiten zu. Dobrindt berief eine Untersuchungs-Kommission ein, die noch in dieser Woche nach Wolfsburg reisen soll. Mit dabei ist auch das Kraftfahrtbundesamt (KBA). Die Kommission soll bei VW um Einsicht in interne Unterlagen bitten und prüfen, ob deutsche und europäische Vorschriften eingehalten wurden. Volkswagen will die Kommissare unterstützen.

VW-Aktie weiter unter Druck

An der Börse gingen die Anteilsscheine von Volkswagen erneut auf eine rasante Talfahrt, nachdem sie bereits am Montag 18,6 Prozent verloren hatten. Grund war eine Gewinnwarnung der Wolfsburger. VW stellt für Strafzahlungen und Reparaturkosten 6,5 Milliarden Euro zurück - dadurch rutscht der Konzern im dritten Quartal voraussichtlich in die roten Zahlen. Die Aktie verlor bis zu 23 Prozent und schloss mit 19,8 Prozent in der Verlustzone.

Strengere Diesel-Grenzwerte in den USA

In den USA dürfen Diesel-Motoren weniger Stickoxide (NOx) ausstoßen als in Europa. Das könnte der Grund für VW gewesen sein, sich zu den Manipulationen hinreißen zu lassen. Um die Grenzwerte zu schaffen, haben die Motoren ironischerweise einen etwas höheren Spritverbrauch bei gleichzeitig geringerer Leistung. Diesen Modus schaltete VW aber im Normalbetrieb aus. Die Kunden sparen damit im Endeffekt Geld - auch weil die Autos weniger Harnstoff-Flüssigkeit verbrauchen, die in den Abgastrakt eingespritzt wird und die Stickoxide in harmlosen Stickstoff und Wasserdampf umwandelt.

Dafür wird aber die Umwelt mit einem bis zu 30-fach erhöhten Stickoxid-Ausstoß belastet. NOx sind gesundheitsschädlich und können beim Menschen die Atemwege angreifen. Ein Schaden könnte den betroffenen Kunden aber dadurch entstehen, dass der Wiederverkaufswert ihres Autos sinkt - auch wenn VW die Software austauscht - weil Vertrauen in die Marke und die angeblich saubere Diesel-Technologie verloren gegangen ist. VW hatte mit dem Label "clean diesel" geworben.

Weitere Affäre für Volkswagen

Der Abgas-Skandal reiht sich in eine ganze Serie von Affären bei dem Autobauer ein. 1993 musste VW 100 Millionen Dollar an General Motors (GM) zahlen und sich verpflichten, GM-Autoteile im Wert von einer Milliarde Dollar zu kaufen. Der ehemalige GM-Manager José Ignacio López war verdächtigt worden, bei seinem Wechsel zu VW geheime Unterlagen von Opel mitgenommen zu haben.

2005 sorgte der Lustreisen-Skandal für Aufsehen. VW soll ein Schaden von fünf Millionen Euro entstanden sein, weil es Schmiergeldzahlungen und Lustreisen auf Unternehmenskosten gab. Mehrere Manager, darunter Betriebsräte der VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz werden zu Haft- oder Geldstrafen verurteilt.

2009 versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen, scheitert aber - unter anderem am Widerstand von VW-Patriarch und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Wiedeking muss gehen und Porsche wird stattdessen von VW übernommen.

Im Frühjahr 2015 sorgte ein Streit zwischen Piëch und Winterkorn für Schlagzeilen. Piëch hatte mit dem Satz "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn." versucht, den VW-Chef zu stürzen. Doch diesmal zog Piëch den kürzeren und zog sich aus dem Aufsichtsrat zurück.

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