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VW-Chef Winterkorn tritt nach Abgas-Skandal zurück


Wechsel an der VW-Spitze  

VW-Chef Winterkorn tritt nach Abgas-Skandal zurück

23.09.2015, 17:53 Uhr | rtr, dpa, t-online.de

VW-Chef Winterkorn tritt nach Abgas-Skandal zurück. Ende seiner VW-Karriere: Martin Winterkorn muss gehen. (Quelle: dpa)

Ende seiner VW-Karriere: Martin Winterkorn muss gehen. (Quelle: dpa)

Martin Winterkorn tritt als Vorstandschef von Europas größtem Autobauer Volkswagen zurück. Das gab der Konzern am Mittwoch nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher in Wolfsburg bekannt. Der 68-Jährige war durch den Abgas-Skandal in den USA in Bedrängnis gekommen. Er sei sich keines Fehlers bewusst, übernehme aber die Verantwortung dafür, teilte Winterkorn mit. Am Wochenende waren manipulierte Abgastests in den USA bekanntgeworden.

Bei einer Pressekonferenz sagte der kommissarische Aufsichtsratsvorsitzende Berthold Huber, über einen Nachfolger werde erst am Freitag entschieden - an diesen Tag sollte eigentlich Winterkorns Vertrag bis Ende 2018 verlängert werden.

Namen wie Audi-Chef Rupert Stadler, VW-Markenchef Herbert Diess und Lkw-Chef Andreas Renschler machen die Runde. Am Vortag war auch der von Porsche-Chef Matthias Müller als Top-Kandidat für die Erbfolge zu hören. Letzterer war schon im April von Ex-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch genannt worden.

VW erstattet selbst Strafanzeige

Volkswagen wird außerdem wegen des Abgas-Skandals Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig stellen. Das Präsidium des Aufsichtsrates gab nach einer Krisensitzung am Mittwoch entsprechende Pläne bekannt.

Wörtlich heißt es in einer Erklärung des Gremiums: "Es steht nach Ansicht des Präsidiums fest, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, die auch strafrechtlich relevant sein können." Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden vom Konzern in aller Form unterstützt.

Auf Volkswagen rollt derweil einem Medienbericht zufolge eine Flut von Sammelklagen in den USA und Kanada zu. Nach Recherchen des NDR und der Süddeutschen Zeitung seien seit vergangenen Freitag 37 solcher Klagen bei US-Gerichten eingereicht worden, weitere zwei in Kanada.

In einer Pflichtmitteilung an die Börse veröffentlichte die Volkswagen AG ein Statement des scheidenden Vorstandsvorsitzenden: "Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren. Als Vorstandsvorsitzender übernehme ich die Verantwortung für die bekannt gewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren und habe daher den Aufsichtsrat gebeten, mit mir eine Vereinbarung zur Beendigung meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns zu treffen. Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltes bewusst bin. Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell. Mit meinem Rücktritt mache ich den Weg dafür frei. Mein Antrieb war es immer, dem Unternehmen, vor allem unseren Kunden und Mitarbeitern zu dienen. Volkswagen war, ist und bleibt mein Leben. Der eingeschlagene Weg der Aufklärung und Transparenz muss weitergehen. Nur so kann wieder Vertrauen entstehen. Ich bin überzeugt, dass der Volkswagen Konzern und seine Mannschaft diese schwere Krise bewältigen werden."

Aktien geben nach

Die VW-Aktien reagierten mit abbröckelnden Kursgewinnen auf die Nachricht vom Rücktritt Winterkorns: Sie legten zuletzt noch um 5,5 Prozent auf 111,85 Euro zu, während sie zuvor noch um mehr als acht Prozent gestiegen waren.

Winterkorns Schritt ist dem Experten Frank Schneider von Alpha Wertpapierhandel zufolge "zwar verständlich, trägt aber nicht zur Aufklärung bei und hilft damit auch nicht weiter". Zumal ein genauer Termin für den Rücktritt bisher nicht genannt wurde und nicht vor Freitag im Aufsichtsrat über die Nachfolge entschieden werden soll.

Zweistelliger Milliardenverlust

In den USA drohen VW wegen des Diesel-Skandals Strafzahlungen von bis zu 18 Milliarden Dollar. Bei internen Untersuchungen war zudem herausgekommen, dass weltweit bis zu elf Millionen Diesel-Fahrzeuge von manipulierten Abgaswerten betroffen sein könnten.

Allein für Rückrufe und weitere Schritte, um Vertrauen in die VW-Technik zurückzugewinnen, legt der Konzern rund 6,5 Milliarden Euro zur Seite und kappt seine Gewinnziele für 2015. Seit Bekanntwerden des Abgas-Skandals hat VW zeitweise bis zu 30 Milliarden Euro seines Börsenwerts eingebüßt.

Winterkorn war 2007 von der VW-Tochter Audi an die Konzernspitze in Wolfsburg gewechselt. Unter seiner Führung ist Europas größter Autobauer in den vergangenen Jahren rasant gewachsen.

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