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Wetten auf den Ölpreis sind schwierig umzusetzen


Erdöl-Kolumne  

Wetten auf den Ölpreis sind schwierig umzusetzen

29.09.2015, 10:18 Uhr | Von Dr. Marc-Oliver Lux für t-online.de

Wetten auf den Ölpreis sind schwierig umzusetzen. Zu hoch oder zu niedrig: der Ölpreis kann es fast niemandem recht machen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zu hoch oder zu niedrig: der Ölpreis kann es fast niemandem recht machen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Seit einiger Zeit machen Tankstellenaufenthalte wieder etwas mehr Spaß. Denn seit Mai ist der Preis für Erdöl um ein Viertel Prozent gefallen, seit 2014 hat er sich sogar halbiert. Ein Fass (159 Liter) der US-Sorte WTI näherte sich der 40-Dollar-Marke, die Nordseesorte Brent kostete in den letzten Wochen zeitweise weniger als 45 Dollar. Aus Anlegersicht erweisen sich Rohstoffe allgemein, aber Öl insbesondere als Enttäuschung des Jahres.

Der wichtigste Grund für fallende Ölpreise ist das Überangebot, das aus den Staaten des Ölkartells Opec stammt. Auch der Iran darf nun wieder sein Öl auf dem Weltmarkt verkaufen. An eine Senkung der Fördermengen denken die Opec-Mitglieder jedoch nicht.

Dafür gibt es ein gutes Argument: Am Markt werden in den kommenden Monaten steigende Kurse erwartet. Nach Daten des Finanzdienstleisters Bloomberg rechnen Rohstoffexperten im vierten Quartal 2015 durchschnittlich mit Preisen wieder deutlich über 60 Dollar. Auch der Handel am Terminmarkt signalisiert anziehende Notierungen. Terminkontrakte auf Öl zur späteren Auslieferung kosten mehr als bei sofortiger Abnahme. Früher oder später wird Tanken also wieder teurer werden.

Privatanleger können Ölpreis-Entwicklung schlecht einschätzen

Viele Privatanleger wollen von der erwarteten Entwicklung profitieren - und wählen dabei oftmals das falsche Anlageprodukt. Sie kaufen Index-Zertifikate auf die Ölsorten WTI (amerikanisch) oder Brent (europäisch) und setzen dabei voll auf einen Anstieg des schwarzen Goldes. Doch Öl zählt zu den Rohstoffen, bei denen die Preisfindung über Terminmärkte stattfindet und viel Psychologie und Erwartung im Spiel ist. In bestimmten Marktphasen fallen deshalb sogenannte "Rollverluste" an.

Was heißt das? Indexzertifikate basieren auf Warenterminkontrakten, die an den großen Rohstoffbörsen gehandelt werden. Doch die Laufzeit der Kontrakte beträgt nur wenige Monate - anders als bei den meisten endlos laufenden Index-Zertifikaten. Die Anleger der Derivate müssen daher auslaufende Terminkontrakte immer wieder gegen neue austauschen, die dann später fällig werden.

Dieser Wechsel wird in Fachjargon als "Rollen" bezeichnet und kann nur dann gewinnträchtig für den Zertifikate-Käufer sein, wenn der neue Kontakt mit längerer Laufzeit weniger kostet als der alte. Das heißt: Wenn der Markt erwartet, dass der Rohstoffpreis sinkt. Umgekehrt gilt aber auch: Preist der Markt steigende Kurse ein, wie das derzeit der Fall ist, dann entstehen dem Käufer eines einfachen Index-Zertifikats beim Kontraktwechsel systematisch "Rollverluste".

Gebühren nagen an der Rendite

Hinzu kommen oftmals noch Gebühren durch den Derivatewechsel seitens der Bank, die ebenfalls die Rendite schmälern. Vereinfacht gesagt erzielen Anleger mit Öl-Index-Zertifikaten zurzeit nur dann eine positive Rendite, wenn die Preise stärker steigen, als es von den Profis erwartet wird.

Noch schlimmer wird es bei fallenden Kursen - wie in den letzten Wochen: So sind zum Beispiel die Index-Zertifikate auf Brent-Öl aufgrund der zusätzlichen Rollverluste deutlich stärker gefallen als der Kurs für den Rohstoff selbst.

Rohstoff-Investments sind komplex und nichts für den Durchschnittsanleger, auch wenn die Anlageklasse "Rohstoffe" aus Diversifizierungsaspekten im Depot durchaus Sinn macht. Sich einfach an einen Kurs oder Index dranzuhängen, funktioniert im Aktienbereich wunderbar, im Rohstoffbereich jedoch leider oft gar nicht. Wer sich nicht mit der Systematik des Rohstoff-Terminmarkts auskennt, lässt von Rohstoff-Indexpapieren besser die Finger. Außerdem sind Währungsrisiken zu beachten, denn die meisten Rohstoffe werden in US-Dollar gehandelt.

 (Quelle: privat) (Quelle: privat)

Marc-Oliver Lux ist Geschäftsführer der Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München. Zuvor war er war im Investmentbanking bei Deutsche Morgan Grenfell in New York sowie im Firmenkundengeschäft bei verschiedenen Banken im Inland tätig. Nach einem Betriebswirtschaftsstudium mit den Schwerpunkten Kapitalmarktforschung und Revisions-/Treuhandwesen hat er über betriebliche Gründungsfinanzierung promoviert.

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