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"Günther Jauch": Anja Kohl riecht Verschwörung im VW-Skandal


VW-Skandal: "Krieg mit anderen Mitteln"  

Börsenexpertin wittert Verschwörung

28.09.2015, 16:40 Uhr | Silke Asmußen, t-online.de

"Günther Jauch": Anja Kohl riecht Verschwörung im VW-Skandal. Die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl debattierte in der Talkrunde von Günther Jauch über den VW-Abgasskandal. (Quelle: imago images)

Die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl debattierte in der Talkrunde von Günther Jauch über den VW-Abgasskandal. (Quelle: imago images)

Günther Jauch wollte in seiner Sendung am Sonntagabend dem Abgas-Skandal bei VW auf den Grund gehen. Über gewagte Spekulationen und schlichte Allgemeinplätze kam die TV-Talkrunde aber nicht hinaus. Einzig die Börsenexpertin Anja Kohl ging mit einem neuen Ansatz an die Affäre ran. Hinter der Aufdeckung des Betrugs stecke ein "Krieg in der Wirtschaft mit anderen Mitteln".

"Der VW-Betrug – steht 'Made in Germany' auf dem Spiel?"– um diese Frage zu beleuchten, hatte Jauch sich Wolfgang Kubicki, den stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDP, ARD-Börsenexpertin Anja Kohl, den Verkehrsberater und Umweltexperten Axel Friedrich, den Spiegel-Autoren Dietmar Hawranek und Anton Hofreiter, den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, eingeladen. Doch die Debatte blieb flach.

"Betrug in einem besonders schweren Fall"

Als "Betrug in einem besonders schweren Fall" prangerte Wolfgang Kubicki die Abgasmanipulationen bei mindestens elf Millionen Dieselfahrzeugen des Vorzeige-Autobauers an. Bei einer Verurteilung von Personen reiche das für eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren aus.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn müsse vom Einsatz der Software zum Schönen der Abgastests gewusst haben. Das abzustreiten sei "absurd", nachdem bereits die interne Revision des Konzerns auf das Problem hingewiesen hatte, sagte Kubicki.

"Dieselgate" kratzt am VW-Image

Neu war das alles nicht. Allerdings hat der Jurist, der 2005 einen VW-Personalmanager in einer Affäre um Schmiergeldzahlungen und Lust-Reisen vertrat, offenbar einen deutlichen Richtungswechsel vorgenommen. Die Unternehmensführung baute damals ein Compliance-System auf, das im Konzern für die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen sorgen sollte. "Compliance, also das vorschriftsmäßige und auch ethisch korrekte Verhalten, ist bei VW tatsächlich eingezogen", erklärte Kubicki laut "Handelsblatt" noch vor wenigen Monaten. Davon kann jetzt kaum mehr die Rede sein.

Fest steht: "Dieselgate" hat Volkswagen einen harten Schlag versetzt, das Image des "Symbol des deutschen Wirtschaftswunders" (Kohl) ist mehr als nur angekratzt. Autokäufer im In- und Ausland sind durch die massive Täuschung ebenso verärgert wie Aktionäre. Zudem drohen dem Unternehmen Schadenersatzforderungen in noch nicht abzusehender Höhe.

"Wie Nordkorea minus Arbeitslager"

Experten wie Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), warnen bereits vor einem Kollateralschaden für die deutsche Wirtschaft. Der Vorfall bei VW habe "systemische Krisenqualität" erlangt, sagte Hüther dem "Handelsblatt".

Wie konnte das ausgerechnet bei VW passieren? Einen interessanten Blick hinter die Kulissen des Konzerns gab Hawranek. "VW ist wie Nordkorea minus Arbeitslager", so drastisch hatte der Journalist einmal die straffe Führung des Autoherstellers beschrieben. Niemand wage, dem Vorstand ein Problem zu melden, das die hochgesteckten Unternehmensziele gefährden würde. Da werde lieber getrickst.

Seit 30 Jahren bekanntes Problem

Kurzzeitig Schwung in die Debatte brachten auch Anja Kohl und Axel Friedrich, sie gerieten aneinander. Kohl witterte nämlich eine Verschwörung: Hinter der Aufdeckung des Betrugs stecke ein "Krieg in der Wirtschaft mit anderen Mitteln", der Versuch der USA, Hersteller von Dieselfahrzeugen und damit die deutsche Autoindustrie zu schwächen, sagte die Börsenspezialistin. Witziger Einwand von Hawranek: "Wenn Sie mit 80 Stundenkilometern in einer 30er-Zone fahren und erwischt werden, können Sie auch nicht sagen, der Polizist habe einfach etwas gegen Frauen.“

Stimmt nicht, hielt auch Friedrich Frau Kohl entgegen. Manipulationen bei Abgastests seien seit 30 Jahren bekannt und nicht nur bei Volkswagen im Einsatz: "Das machen alle!" Doch konkreter wurde der studierte Chemiker nicht. Warum andere Autobauer dann nicht geprüft worden seien, hakte Jauch nach - eine Antwort bekam er nicht.

Folgen nicht absehbar

Und die Folgen der Mauscheleien? Kohl sieht VWs Zukunft düster. Etwa 20 bis 30 Milliarden Euro würde der Autobauer als Rückstellung für Forderungen in Folge des Skandals benötigen, ein "scheibchenweises Abschmelzen" des Konzerns sei denkbar.

Sparmaßnahmen hält auch Hawranek für möglich: Volkswagen sei ernsthaft geschwächt, die Kunden verunsichert. Um auf ausbleibendes Wachstum zu reagieren, könnte VW auch Stellen abbauen.

Hofreiter greift Bundesregierung an

So sachlich blieb Hofreiter nicht. Er gebärdete sich ziemlich dramatisch und warf der Bundesregierung sowie den Verkehrsbehörden vor, mit den Konzernen ein "Schweigekartell" gebildet zu haben. Auf die Frage, was seine Partei denn gegen diesen Missstand unternehme, drosch Hofreiter aber lediglich Phrasen: "Seit Jahren sind wir hinterher", beteuert er, und: "Wir fordern unabhängige Tests."

Nicht ganz so schlicht wie Hofreiter, aber erstaunlich undifferenziert beurteilte Kubicki die Auswirkungen des VW-Abgasdebakels für das deutsche Gütesiegel: Durch den Skandal bei VW sei Deutschland nicht plötzlich "komplett ein Land von Betrügern" geworden, sagte der Rechtsanwalt.

Spannender wäre vielleicht gewesen, was etwa Vertreter der VW-Führungsriege, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Matthias Wissmann, oder Verkehrsminister Alexander Dobrindt dazu zu sagen gehabt hätten. Doch die hatten Jauch einen Korb gegeben. Diesmal zumindest.

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