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Volkswagen: Abgas-Skandal gefährdet die deutsche Konjunktur

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Pleite-Risiko steigt  

Volkswagen-Skandal wird die deutsche Wirtschaft belasten

29.09.2015, 12:15 Uhr | t-online.de, rtr, dpa

Volkswagen: Abgas-Skandal gefährdet die deutsche Konjunktur. Der Abgas-Skandal von Volkswagen wird wohl die Konjunktur negativ beeinflussen. (Quelle: dpa)

Der Abgas-Skandal von Volkswagen wird wohl die Konjunktur negativ beeinflussen. (Quelle: dpa)

Der Riese Volkswagen ist ins Wanken geraten. Die Auswirkungen der Abgas-Manipulations-Affäre sind weltweit zu spüren. Experten warnen, dass VW sogar die Konjunktur belasten könnte. Da weitere Unternehmen mit nach unten gezogen werden, erscheinen die Sorgen nicht übertrieben.

Der Skandal um "Mogeleien" bei Diesel-Abgastests hat weltweite Dimensionen. Fahrer von VW-, Audi- und Skoda-Dieselfahrzeugen sind sauer, Schweiz und Spanien stoppen Verkauf betroffener VW-Modelle, Aktionäre verkaufen ihre Volkswagen-Aktien , Milliarden-Entschädigungen kommen auf den Konzern zu. Der Bürgermeister von Wolfsburg, Klaus Mohrs (SPD), hat eine Haushaltssperre für die Stadt verhängt. Hinzu kommt der Imageschaden für VW-Produkte. Für nicht wenige Beobachter steht der Ruf der deutschen Autoindustrie oder sogar der deutschen Wirtschaft insgesamt auf dem Spiel.

Hervorragendes Ansehen schwindet

Wenn das Label "Made in Germany" angekratzt wird, hat das auch Auswirkungen auf die Kreditwürdigkeit der Unternehmen. Volkswagen ist als erstes betroffen: Die Ratingagentur Fitch kündigte bereits an, eine Herabstufung von VW zu prüfen. Damit würde die Bonität des riesigen Autokonzerns sinken. Private Verbraucher kennen das von Ratenkrediten: Je schlechter die Bonität des Schuldners, desto schwieriger oder teurer wird es, einen Kredit zu bekommen.

Beim Beispiel Volkswagen hat sich das Kreditausfallrisiko in den vergangenen Tagen massiv erhöht. Das betrifft vor allem die Volkswagen-Anleihen, über die sich der Konzern hauptsächlich finanziert. Aber auch Schuldverschreibungen: Die Europäische Zentralbank EZB hat bei ihrem groß angelegten Wertpapier-Ankaufprogramm den Erwerb von Autokredit-Verbriefungen von VWs Leasing-Sparte zunächst ausgesetzt. Derzeit werde geprüft, ob der Erwerb dauerhaft eingestellt werden solle. Mit dem Ankaufprogramm versucht die EZB die Kreditvergabe und damit die Wirtschaft anzukurbeln.

Am Markt für Kreditausfallversicherungen, den sogenannten Credit Default Swaps (CDS), wird das Risiko von VW nun deutlich höher bewertet. Für die Absicherung von Anleihen über eine Million Euro wird nun eine jährliche Prämie von mehr als 20.000 Euro fällig. Zum Vergleich: Bei Daimler sind nur 9100 Euro nötig und bei BMW 10.500 Euro. Unter den großen Automobil-Konzernen wird nur der französische Hersteller Peugeot mit fast 30.000 Euro als riskanter bewertet.

Pleiterisiko steigt

Das Kreditausfallrisiko kann "über'n Daumen" mit Pleiterisiko gleichgesetzt werden. Das Risiko einer VW-Pleite wird in den kommenden fünf Jahren inzwischen auf über 20 Prozent taxiert. Noch kurz vor dem Bekanntwerden der Manipulationen lag dieser Wert bei nur sechs Prozent.

Nun darf "Pleite" aber nicht mit einem finanziellen Bankrott gleichgesetzt werden. Dazu wird es beim Volkswagen-Konzern, an dem der deutsche Staat Anteile hält, kaum kommen. Doch für die Investoren an den weltweiten Finanzmärkten gilt eine Firma bereits dann als bankrott, wenn sie nicht rechtzeitig ihre Zinsen bedient oder Anleihen verspätet zurückzahlt.

Und so vergrößerten sich zuletzt auch die Kreditausfall-Wahrscheinlichkeiten von Unternehmen deutlich, die mit VW nichts direkt zu tun haben - etwa ThyssenKrupp, RWE und Heidelberg Cement.

Konjunktur-Risiko Volkswagen

Experten projizieren die Ausfallrisiken auf die Konjunktur. So äußerte sich kürzlich ING-DiBa-Chefökonom Carsten Brzeski pessimistisch: "Volkswagen ist über Nacht ein größerer Risiko-Faktor für die deutsche Wirtschaft geworden als Griechenland." Sollte der Volkswagen-Absatz in den nächsten Monaten wegen des Skandals einbrechen, werde dies auch Auswirkungen für die deutsche Konjunktur haben.

"Kurzfristig dürften die Folgen für die Wirtschaft zwar gering sein, aber mittelfristig birgt der Skandal ein deutliches Risiko - auch wegen der zahlreichen Zulieferer, die von Volkswagen abhängig sind", so Brzeski weiter. Der Volkswirt hat errechnet, dass Volkswagen inklusive abhängiger Unternehmen zwei bis drei Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung (BIP) ausmacht. Er warnt aber davor, nun in Panik zu verfallen.

Experten beschwichtigen

Der Exportverband BGA gibt sich sogar zuversichtlich, dass die Geschäfte in Deutschland weiter gut laufen werden. "Es gibt keine Hinweise darauf, dass jetzt ein Generalverdacht gerechtfertigt ist für alles, wo 'Made in Germany' draufsteht", betont der stellvertretende BGA-Hauptgeschäftsführer Andre Schwarz. Die Wirtschaft habe sich über lange Jahre ein gutes Image im Ausland aufgebaut. "Wir sehen nicht die Gefahr, dass dieses Vertrauen durch einen - wenn auch schwerwiegenden - Fall grundsätzlich erschüttert wird."

Ähnlich sieht dies Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: "Ich glaube nicht, dass die deutsche Autoindustrie als Ganzes in Sippenhaft genommen wird." Der Experte sieht nur begrenzte Folgen für die Konjunktur. "Rezessionen werden nicht durch einzelne Unternehmen verursacht." Wichtiger sei vielmehr die Entwicklung in China - und zwar nicht nur für die deutsche Autoindustrie, sondern für die gesamte Wirtschaft.

Tatsächlich kommt der VW-Skandal zur denkbar ungünstigsten Zeit. Denn es mehren sich seit Wochen die Zeichen, dass die Weltwirtschaft in schwieriges Fahrwasser gerät. Die anhaltend niedrigen Zinsen in den Industrienationen bleiben praktisch wirkungslos auf die dringend benötigten Investitionen der Unternehmen, die Kreditvergabe der Banken bleibt dünn. Hinzu kommt die Konjunkturschwäche in vielen Schwellenländern, was die Nachfrage von dort belastet.

Kauflaune der Deutschen sinkt

Krisen und eine schwächelnde Wirtschaft wirken sich auch auf das Geldausgeben der Verbraucher aus. Die Kauflaune der Deutschen hatte in der vergangenen Woche den zweiten Monat in Folge nachgegeben. Der entsprechende GfK-Indikator signalisiert für den Monat Oktober einen Rückgang von 9,9 Punkten im Vormonat auf 9,6 Zähler.

Auch die Konjunkturerwartungen der Deutschen befinden sich weiter auf Talfahrt. Sie gingen zum vierten Mal in Folge zurück. "Konjunkturell schwächelnde Schwellenländer wie China, Brasilien oder auch Russland dürften künftig die Exportaussichten deutscher Unternehmen beeinträchtigen", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.

Auf absehbare Zeit also keine guten Aussichten für die Wirtschaft.

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