Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen >

VW-Skandal: Erste Jobs sind bei Volkswagen in Gefahr


Wegen Abgas-Skandal  

Erste Jobs bei VW in Gefahr

17.10.2015, 14:39 Uhr | dpa, t-online.de

VW-Skandal: Erste Jobs sind bei Volkswagen in Gefahr. Ein Golf wird in Wolfsburg montiert.  (Quelle: dpa)

Ein Golf wird in Wolfsburg montiert. (Quelle: dpa)

Nach dem Abgas-Skandal muss VW eisern sparen. Jetzt sind erste Jobs in Gefahr. Offenbar diskutiert der Vorstand über eine Reduzierung der Leiharbeit.

Ein Sprecher der Arbeitnehmervertretung sagte wörtlich: "Als Betriebsrat werden wir alle Möglichkeiten unterstützen, um die Arbeitsplätze unserer Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen zu sichern. Wir wissen, dass der Vorstand andere Szenarien diskutiert." Bei Volkswagen arbeiten Tausende Leiharbeiter.

Bereits Anfang Oktober hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bei einem Besuch im Wolfsburger Stammwerk angekündigt, dass im Zuge des Abgas-Skandals eine Ausweitung der Kurzarbeiterregel auch auf Leiharbeiter geprüft werde.

Die "Bild-Zeitung" berichtet, dass jetzt auch im Kanzleramt darüber diskutiert werde. Mit Kurzarbeit sollen Betriebe auf schwächere Auftragslagen reagieren können, ohne dass Stellen abgebaut werden müssen. Doch Leiharbeiter sind von der Kurzarbeit-Regelung ausgenommen.

"Arbeitnehmer haben Krise nicht verursacht"

Der Betriebsratssprecher sagte dazu: "Generell halten wir es für eine gute Initiative, wenn auch Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen zur Überbrückung schwieriger Situationen einbezogen werden. Wir sind der Bundesregierung dankbar, dass sie die Arbeitnehmer bei Volkswagen im Auge behält, die diese Krise nicht verursacht haben. Wir hoffen, der VW-Vorstand ist sich dessen auch bewusst."

Bei der außerordentlichen Mitarbeiterversammlung in der vergangenen Woche hatten sowohl der neue VW-Chef Matthias Müller als auch der Chef des Bestriebsrats Bernd Osterloh betont, alles zu tun, damit aus dem Abgas-Skandal keine Arbeitsplätze verloren gehen. Garantien hatten sie allerdings nicht abgegeben.

Größter Arbeitgeber

Der Konzern ist der größte Arbeitgeber im Land. Bisher hatte das Unternehmen auch angesichts seiner jahrelangen Erfolgsfahrt in steter Regelmäßigkeit alle paar Monate Hunderte Leiharbeiter wegen der guten Auftragslage in die Stammbelegschaft übernommen. Der VW-Konzern beschäftigt insgesamt etwa 600.000 Mitarbeiter weltweit.

Welche Folgen die Abgas-Affäre auf die Produktion bei VW hat, ist bisher ungewiss. In den Verkaufszahlen für September hatten sich noch keine Auswirkungen ablesen lassen - allerdings hatte der Skandal auch erst zum Ende des Monats seinen Lauf genommen.

Die VW-Tochter Audi, deren Diesel zum Teil auch von der Affäre betroffen sind, hatte erklärt, dass keine nachlassende Nachfrage zu erkennen sei: "Wir spüren bislang keine Auswirkungen bei Auslieferungen und Bestellungen."

Umfassendes Schuldeingeständnis

Volkswagen versucht unterdessen, das Vertrauen der Kunden und auch der Mitarbeiter mit großen Werbeaktionen zurückzugewinnen. Mit einem umfassenden Schuldeingeständnis meldete sich der Konzern in der eigenen Mitarbeiterzeitung zu Wort und räumte einen enormen Vertrauensverlust ein.

Mit dieser Anzeige in der Mitarbeiterzeitschrift "autogramm" wibt VW für Vertrauen. (Quelle: Screenshot Mit dieser Anzeige in der Mitarbeiterzeitschrift "autogramm" wibt VW für Vertrauen. (Quelle: Screenshot "autogramm")

Gleichzeitig verspricht der Autobauer, mit aller Kraft um die Gunst der Kunden kämpfen zu wollen. Auf einer ganzen Seite stehen über dem blau-weißen VW-Logo folgende Worte:

"Wir haben das wichtigste Teil unserer Autos kaputt gemacht: Ihr Vertrauen. Wir haben gerade einen großen Fehler gemacht. Wir haben Ihr Vertrauen beschädigt. Vertrauen, das wir über 60 Jahre aufgebaut haben. Jedes Mal, wenn Sie eines unserer Fahrzeuge gekauft haben, haben Sie an uns geglaubt. Und trotzdem haben wir Sie nun enttäuscht. Darum werden wir jetzt vor allem eins tun: auf unsere Worte Taten folgen lassen. Denn wir werden eine Lösung für jeden betroffenen Kunden finden. Und wir werden nicht aufhören zu arbeiten, bis wir Ihr Vertrauen wiedererlangt haben."

Internationale Kampagne

Nach Auskunft eines Konzernsprechers ist der Text Teil einer auf die internationalen Märkte ausgerichteten Kampagne, die online schon Verbreitung fand. National in Deutschland sei der Text mit Ausnahme der Mitarbeiterzeitung "autogramm" noch nicht abgedruckt.

Ob und falls ja, wann die Anzeige auch hierzulande eine weitere Verbreitung findet, sei noch nicht entschieden. Erste Überlegungen gebe es aber.

Entschuldigung statt Glückwunsch

Bereits am 3. Oktober hatte der Konzern anstatt einer ursprünglich geplanten Glückwunschanzeige zur Einheit in großen deutschen Tageszeitungen mit einer Anzeige Abbitte geleistet und versprochen, alles zu tun, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Der Abgas-Skandal um manipulierte Schadstoffwerte älterer Dieselfahrzeuge hat sich zur größten Krise der VW-Geschichte ausgeweitet. Allein in Europa rufen die Wolfsburger ab nächstem Jahr 8,5 Millionen Diesel zu Nachbesserungen zurück in die Werkstatt.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
New Collection - Daisies & Stripes
bei TOM TAILOR
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal