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Düsseldorf: Streit um "faire" Kondome & Mehrfachorgasmen vor Gericht


Marketing und Wettbewerb  

Streit um "faire" Kondome und Mehrfachorgasmen landet vor Gericht

25.10.2015, 14:54 Uhr | dpa , t-online.de

Bei bestimmungsgemäßer Verwendung geht es bei Kondomen doch im Grunde um Liebe, Zärtlichkeit und Intimität. In Düsseldorf rücken sich zwei Kondomhersteller aber nun vor Gericht auf die Pelle. Der Streit trägt teils bizarre Züge.

Die Kontrahenten: Einhorn aus Berlin und Fair Squared aus Köln. Das Berliner Unternehmen produziert Verhüterli mit auffälligen Namen wie "Make Love", "Moonshine" und "Spermamonster". Die Packungen sind schick designt.

Verbunden damit ist der Appell ans gute Gewissen. Fair, nachhaltig und sogar vegan sollen die Präservative sein. Fair, das hat sich aber bereits vor Jahren der Kölner Konkurrent auf die Fahnen geschrieben - und findet deshalb das Treiben der Berliner Unternehmensgründer alles andere als fair.

Das Verhältnis ist schon seit längerem belastet: In der Gründungsphase hatte Einhorn Geld damit gesammelt, das "erste faire und nachhaltige Kondom" auf den Markt zu bringen zu wollen. "Obwohl sie sich vorher mit uns getroffen hatten und von uns wussten", sagt Oliver Gothe, Geschäftsführer von Fair Squared.

Wer als erster kam, ist geklärt

Die Firma Einhorn musste die Behauptung mit dem ersten Kondom streichen, wie sie selbst einräumt. Seitdem bekriegen sich die Kondomisten. "Der hat uns schon mehrmals Anwaltspost geschickt", berichtet Einhorn-Mitgründer Philip Siefer. "Das sind so Penisvergleich-Streitereien."

Inzwischen ist die jüngste dieser Streitereien bei der Wettbewerbskammer 14c des Düsseldorfer Landgerichts angekommen (Az.: 14c O 124/15). Die drei Richterinnen müssen dort nun entscheiden, wie viele Orgasmen man mit einem Kondom haben kann. Denn bei der Inhaltsangabe auf der Verpackung haben die Berliner Hipster geschrieben: "1 Tüte à 7 Stück entspricht bis zu 21 Orgasmen."

Um eine Mehrweg-Lümmeltüte handelt es sich dabei jedoch keinesfalls, und deswegen ist die Aufregung groß. "Kondome sind ein Medizinprodukt. Die Anwendung muss schon wegen der HIV-Problematik ganz eindeutig sein. Da hört der Spaß einfach auf", sagt Gothe.

Mehrfachorgasmen bei Einmal-Gebrauch?

Die Berliner erklären ihre Verpackungsangabe so: "Zum guten Sex gehören bekanntlich zwei und warum sollte eine Frau bei der Verwendung eines Kondoms nicht zwei Orgasmen haben?" Nimmt man den Orgasmus des Mannes dazu, sind es drei und bei sieben Kondomen nach Adam Riese 21 Orgasmen - trotz Einmal-Gebrauchs.

Doch die Rechnung hat die Düsseldorfer Richterinnen bislang nicht beeindruckt: Sie erließen eine einstweilige Verfügung gegen den Satz. Einhorn legte Widerspruch ein und wehrte sich öffentlichkeitswirksam: In Berlin demonstrierten Sympathisanten und Einhörner, wie sich die Mitarbeiter des Start-ups nennen, "gegen Orgasmuslimitierung" - symbolträchtig auf dem Pariser Platz.

Am Dienstag wird der Fall nun im Gerichtssaal verhandelt. Spaß-Marketing ("Kann Spuren von Feenstaub enthalten") stößt auf sprödes Wettbewerbsrecht. Der Streitwert ist auf 50.000 Euro festgesetzt.

"Fair" bei Kautschuk ohne Aussagekraft

Derweil macht Konkurrent Gothe schon das nächste Fass auf: "Deren Kondome sind ja gar nicht fair gehandelt. Die wollen das irgendwann in Zukunft." Einhorn verteidigt sich: "Im Bereich Fairness und Nachhaltigkeit sind wir auf einem gutem Weg." Die Umsetzung von Fairness- und Nachhaltigkeitszielen in globalen Lieferketten dauere aber Jahre.

Ein Fairtrade-Siegel für Kondome gibt es noch nicht: "Der Fairtrade-Standard für Kautschuk ist in der Entwicklung und noch nicht zertifiziert", sagt eine Fairtrade-Sprecherin in Köln. Deswegen haben weder Fair Squared noch Einhorn das begehrte Siegel für ihre Kondome. "Der Begriff 'fair' ist aber nicht geschützt."

Kondome können vegan sein

Vegane Kondome sind durchaus für Menschen interessant, die eine Latex-Allergie haben, denn die rührt meist von tierischen Produkten her, die im Herstellungsprozess des Latex verwendet werden. Bei hypoallergenen Latex-Kondomen wird versucht, die tierischen Produkte zu vermeiden oder zu minimieren. Alternativ bieten sich Kondome aus Polyurethan, Polyethylen oder Polyisopren an. Die sind allerdings in keinem Fall "fair" gehandelt und auch um ein Vielfaches teurer. Außerdem ist die Auswahl eingeschränkt.

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