Sie sind hier: Home > Finanzen > Unternehmen >

Discounter: Aldi, Lidl und Co. leiden unter Kundenschwund


Billig ist nicht genug  

Deutschlands Discounter leiden unter Kundenschwund

03.11.2015, 12:51 Uhr | dpa

Discounter: Aldi, Lidl und Co. leiden unter Kundenschwund. Aldi und Lidl nebeneinander (Quelle: dpa)

Mit Tiefpreisen allein können die Discounter in Deutschland nicht mehr punkten. (Quelle: dpa)

Die Discounter haben ihren glanzvollen Höhepunkt anscheinend überschritten. Seit Monaten sinken die Umsätze von Aldi, Lidl und Co.. Das liege vor allem an einem stetigen Käuferschwund, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Annehmlichkeiten wie Wickeltische und Sitzbänke sollen die Kunden jetzt wieder zurücklocken.

Billig alleine reicht nicht mehr. Das spüren Deutschlands Discounter immer deutlicher. Nach einer Studie der GfK büßten die Billiganbieter allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres zwei Prozent Umsatzvolumen ein. In den "klassischen Supermärkten" lief das Geschäft dagegen wie geschmiert.

Die einst so erfolgsverwöhnten Billigheimer leiden unter akutem Kundenschwund. "Käuferverluste sind einer der Hauptgründe für die anhaltende Umsatzschwäche dieser Vertriebsschiene", bilanziert die GfK. Daran habe auch der von den Discountern in den vergangenen Monaten angezettelte Preiskampf bei Markenartikeln nichts ändern können.

Discounter erfinden sich neu

Dennoch wäre ein Abgesang auf die Billiganbieter verfrüht. Denn Aldi, Lidl und Co. sind gerade dabei, sich im Kampf um die immer anspruchsvoller werdenden Kunden neu zu erfinden. Das spiegelt sich im Laden-Design, im Warenangebot, aber auch im Umgang mit den Kunden wider.

Lange vorbei ist die Zeit, in der es für die Discounter ausreichte, in einem kargen Laden günstige Ware in vernünftiger Qualität aufzutürmen. Inzwischen investieren Aldi und Co. Millionen in ihr Image und in Serviceangebote, die Discount-Manager alter Schule als überflüssige Spielereien abgetan hätten.

Eine Folge: Die Läden werden immer aufwendiger. "Sowohl Aldi als auch Lidl erproben derzeit Formate, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären", urteilt das Fachblatt "Lebensmittel Zeitung". So präsentiere sich die gerade eröffnete Filiale von Aldi Süd in Karlsdorf-Neuthard bei Karlsruhe nicht nur in neuem Design mit hellem Holz, sondern biete mit einer Kundentoilette und einer Sitzbank mit Kaffeeautomat hinter der Kassenzone auch einen bislang nicht üblichen Service.

Windeln wechseln bei Lidl

Und in Lidls neuesten Märkten im italienischen Verona erinnert erst recht kaum noch etwas an klassische Discounter-Ästhetik. Das Design des Aldi-Konkurrenten orientiert sich unübersehbar an dem klassischer Supermärkte – und zwar nicht an den billigsten. Selbst eine Wickelecke für Kleinkinder ist vorhanden.

Auch das Warengebot der Discounter ist seit Jahren im Wandel. Backstationen, Frischfleisch und Fisch aus der Kühltheke sowie immer mehr Markenartikel in den Regalen sollen für die Kunden den zusätzlichen Besuch im Supermarkt überflüssig machen – und setzen nebenbei Bäckern und Metzgern zu.

Zudem beschränkt sich die Werbung längst nicht mehr auf großformatige Zeitungsannoncen und Handzettel mit Aktionsangeboten. Lidl investierte in diesem Jahr Millionen in Fernsehwerbespots unter dem Motto "Was gut ist", die nicht in erster Linie Produkte verkaufen, sondern das Image des Unternehmens aufwerten sollten.

Aldi Süd bietet inzwischen seinen Kunden an rund 50 Filialstandorten die Möglichkeit, ihre Elektroautos kostenfrei an Schnellladestationen aufzufüllen. Auch wenn die Elektrotankstellen durchschnittlich pro Tag nur ein bis zwei Ladevorgänge verzeichnen und nur während der Öffnungszeiten zur Verfügung stehen, ist so viel Umweltbewusstsein gut fürs Image.

Imagepflege bei der nächsten Kundengeneration

Verstärkt wendet sich das Unternehmen auch der Zielgruppe Kinder zu: Mit Sammelkarten und seit dieser Woche auch mit der Website aldilino.de, auf der nach Unternehmensangaben "kindgerechte Unterhaltung bei gleichzeitiger Wissensvermittlung" für Kinder von Fünf bis Zwölf angeboten werden soll.

Das Unternehmen will damit offenbar Kinder und junge Familien wieder stärker an sich binden. Für Jugendliche bietet der Discounter in Zusammenarbeit mit dem Streaming-Anbieter Napster für kleines Geld einen Musik-Dienst.

Auch wenn sie im Moment eine Schwächephase haben: Niemand sollte die Discounter unterschätzen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
New Collection - Daisies & Stripes
bei TOM TAILOR
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal