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Schere zwischen niedrigen und hohen Einkommen öffnet sich wieder

Arm und Reich  

Ungleichheit bei Einkommen nimmt wieder zu

26.11.2015, 16:40 Uhr | Spiegel Online

Schere zwischen niedrigen und hohen Einkommen öffnet sich wieder. Alte Turnschuhe oder feines Leder: Die Einkommensunterschiede in Deutschland wachsen wieder. (Quelle: dpa/Symbolbild)

Alte Turnschuhe oder feines Leder: Die Einkommensunterschiede in Deutschland wachsen wieder. (Quelle: Symbolbild/dpa)

Jahrelang waren hohe und niedrige Einkommen ähnlich schnell gestiegen - jetzt aber nimmt die Ungleichheit wieder deutlich zu. Das belegen neue Zahlen.

In den vergangenen Jahren war es das Mantra wirtschaftsnaher deutscher Ökonomen: "Ja, die Ungleichheit ist über viele Jahre in allen Bereichen gestiegen, aber seit 2005 gibt es eine deutliche Trendwende." Seitdem stagniere die Ungleichheit, ja teilweise gehe sie sogar zurück. So sagte es etwa Michael Hüther, Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) vor drei Jahren bei einem "Spiegel-Online"-Streitgespräch mit dem Armutsforscher Christoph Butterwegge. Das sei, so führte Hüther aus, durch statistische Indikatoren belegt.

Diese statistischen Indikatoren zeigen nun aber: Die Ungleichheit in Deutschland nimmt wieder spürbar zu. Konkret wird das am sogenannten Gini-Koeffizienten zur Einkommensverteilung deutlich, auf den sich auch Hüther bezog. Diese statistische Größe ist laut einer aktuellen Studie des gewerkschaftsnahen Forschungsinstituts WSI von 2010 bis 2012 um 2,9 Prozent gestiegen, von 0,280 auf 0,288.

Maß für die Ungleichheit

Der Gini-Koeffizient gibt Auskunft darüber, wie groß die Unterschiede bei den Einkommen in einem Land sind: Liegt er bei 0, würden alle Bewohner ein gleich hohes Einkommen beziehen. Liegt er bei seinem Maximalwert von 1, würde eine einzige Person das gesamte Einkommen des Landes beziehen. Grundlage der Berechnung ist eine umfangreiche, regelmäßige Befragung von mehr als 12.000 Privathaushalten, das sogenannte Sozio-ökonomische Panel (SOEP).

Etwas verwirrend ist: Je nach Methode kann die Berechnung auch bei gleicher Datengrundlage zu leicht unterschiedlichen Werten für den Gini-Koeffizienten führen. So ziehen einige Statistiker etwa zusätzliche Daten für extrem hohe oder niedrige Einkommen aus anderen Quellen hinzu, weil sie diese im SOEP nicht ausreichend widergespiegelt sehen. Die Angaben des Statistischen Bundesamts oder der OECD zum Gini-Koeffizienten in Deutschland weichen daher leicht von den Angaben des WSI ab.

Dennoch bestätigen auch die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamts den Befund: Die Ungleichheit bei den Einkommen in Deutschland nimmt tendenziell wieder zu. Allein von 2012 zu 2013 betrug der Anstieg der Ungleichheit den Bundesstatistikern zufolge 4,95 Prozent (Gini-Koeffizient 2012: 0,283 / 2013: 0,297).

Vermögen steigen durchgehend, Einkommen nicht

Während die Unterschiede zwischen den Einkommen in Deutschland erst seit einigen Jahren wieder ansteigen, hatte sich diese Entwicklung bei den Vermögen ohnehin durchgehend fortgesetzt. Allein dadurch wird auch ein Teil der Trendwende bei den Einkommen plausibel: Für Kapitalerträge - von denen zumeist die Vermögenden profitieren - gelten niedrigere Steuersätze als für hohe Arbeitseinkommen. Zudem sind gerade die Mieten in den vergangenen Jahren stark gestiegen, also auch die Einnahmen privater Immobilienbesitzer.

Das WSI fordert daher auch, die pauschale Abgeltungsteuer abzuschaffen und Kapitalerträge stattdessen wie Arbeitseinkommen zu besteuern. Zudem solle die Erbschaftsteuer so reformiert werden, dass reiche Haushalte im Endeffekt höher besteuert werden.

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