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Ölpreis-Verfall bringt Staatsfonds in Not


Auch deutsche Wirtschaft betroffen  

Ölpreis-Verfall bringt Staatsfonds in Gefahr

16.12.2015, 10:16 Uhr | rtr, t-online.de

Ölpreis-Verfall bringt Staatsfonds in Not. Öl- und Gasplattform von BP in der Nordsee. (Quelle: dpa)

Öl- und Gasplattform von BP in der Nordsee. (Quelle: dpa)

Der Ölpreis befindet sich im freien Fall. Während viele Unternehmen von den niedrigen Energiekosten profitieren, könnten mehrere Staatsfonds schon bald in Bedrängnis geraten. Um Haushaltslücken zu schließen, plündern klamme Regierungen wegen geringer Einnahmen aus dem Öl-Geschäft die Kassen ihrer Fonds. Die Folgen könnten auch in Deutschland spürbar werden.

Daten der US-Investmentbank Morgan Stanley zeigen, dass das Vermögen der Staatsfonds in den letzten 20 Jahren insgesamt auf bis zu sieben Billionen Dollar angewachsen ist. Doppeltes Pech haben jetzt aber vor allem Fonds, deren Gelder hauptsächlich aus dem Öl-Geschäft stammen.

Dazu zählen etwa die Investmentvehikel aus Saudi-Arabien, Russland und Norwegen. Denn die Ölpreise sind seit Juni 2014 um mehr als zwei Drittel auf unter 40 Dollar je Fass gefallen. Damit brechen den Staatsfonds die Einnahmen weg. Hinzu kommen mäßige Renditen im laufenden Geschäft, weil die Weltwirtschaft schwächelt.

"Die Zahlen lassen mich nachts nicht mehr schlafen"

Vermögensverwalter zogen in den ersten neun Monaten dieses Jahres rund 27 Milliarden Dollar aus Staatsfonds ab, heißt es bei eVestment, einem führenden Anbieter von globalen Investment-Datenanalysen. Allein im dritten Quartal waren es 19,5 Milliarden Dollar. Große Ölförderer wie Saudi-Arabien haben angesichts der Misere bereits damit begonnen, ihre Reserven anzuzapfen. Das Vermögen des saudischen Staatsfonds Sama sank im Oktober auf den niedrigsten Stand seit Ende 2012.

"Diese Zahlen lassen mich nachts nicht mehr schlafen", sagt Sony Kapoor, Chef der Denkfabrik Re-Define und Gastdozent an der London School of Economics. Auch der Internationale Währungsfonds warnt: Saudi-Arabien könnte seinen finanziellen Fundus in weniger als fünf Jahren aufbrauchen, wenn das Königreich seine Staatsausgaben nicht in den Griff bekommt.

Auswirkungen bis nach Deutschland

Ähnlich sieht es in Russland aus. Die dortige Regierung kündigte bereits an, 2017 ihrem Staatsfonds Gelder entziehen zu müssen, um das Haushaltsloch zu stopfen. Sogar Norwegen dürfte sich wegen des Ölpreis-Verfalls im nächsten Jahr erstmals beim Staatsfonds bedienen, der vor mehr als zwei Dekaden gegründet wurde und ein Volumen von 835 Milliarden Dollar hat. Im zweiten und dritten Quartal schrieb er jetzt aber jeweils einen Verlust. Über den Fonds hält Norwegen Anteile an 9000 Unternehmen und verfügt über 1,3 Prozent sämtlicher Aktien auf der Welt. 

Fachleute fürchten, dass die Fonds andere Beteiligungen wie Aktien in größerem Stil abstoßen müssen, um an Bargeld zu kommen. Das Beispiel Norwegen zeigt, dass sich das Problem auch auf die deutsche Wirtschaft auswirken kann - denn das skandinavische Land ist an zahlreichen namhaften deutschen Unternehmen beteiligt. 

Norwegen hält einem Bericht der "Welt" zufolge fast acht Prozent am Immobilienkonzern Vonovia, sieben Prozent am Gasehersteller Linde, jeweils gut drei Prozent an Daimler und BASF, jeweils zwei Prozent an Volkswagen und der Deutschen Bank. Zudem besitzen die Norweger Aktien der Deutschen Telekom.

Experte: Öl-basierte Staatsfonds haben bald ausgedient

"Man sollte einem Fonds nur Kapital in Höhe der Rendite entziehen", erklärt Sven Behrendt, Chef der Genfer Beratungsgesellschaft GeoEconomica. "In dem Moment, wo man mehr Geld nimmt, stellt man den Zweck dieser langfristigen Anlagefonds infrage." Vermögensverwaltern zufolge könnten die Öl-basierten Staatsfonds ihre besten Zeiten bald hinter sich haben. Andere Staatsfonds aus Asien sind indes aufgrund ihrer Aufstellung nicht oder nicht so stark vom Rückgang der Ölpreise betroffen.

Der Kampf um Marktanteile treibt den Ölpreis derzeit von einem Tief zum nächsten. Die Opec-Staaten fluten den Weltmarkt regelrecht mit Öl, um Konkurrenten, die höhere Förderkosten haben, aus dem Markt zu drängen. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Daher erwarten die Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs, dass sich der Preis für die US-Ölsorte WTI 2016 auf 20 Dollar je Barrel (159 Liter) nahezu halbiert.

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