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Zinswende in den USA: Das bedeutet die Fed-Entscheidung für uns


Zinswende in den USA  

Das bedeutet die Fed-Entscheidung für uns

16.12.2015, 18:01 Uhr | dpa

Zinswende in den USA: Das bedeutet die Fed-Entscheidung für uns. Durch die Zinswende in den USA dürfte der Dollar im Vergleich zum Euro an Wert zulegen. (Quelle: Reuters)

Durch die Zinswende in den USA dürfte der Dollar im Vergleich zum Euro an Wert zulegen. (Quelle: Reuters)

Wen juckt es, dass die US-Notenbank die Leitzinsen erhöht? Alle! Die Entscheidung in Washington hat Auswirkungen auf die ganze Welt - vom deutschen Häuslebauer bis zum chinesischen Exporteur.

Warum dreht die Federal Reserve, kurz Fed, an der Zinsschraube?

Die Leitzinsen liegen seit sieben Jahren nahe null und somit deutlich unter dem Normalniveau. Die Fed, quasi die US-amerikanische Bundesbank, hat die Zinsen so stark gedrückt, um die in der Finanzkrise fast zum erliegende Wirtschaft mit billigem Geld zu stimulieren.

Langfristig kann eine solche Politik zu gefährlichen Blasen führen, etwa auf dem Immobilienmarkt, zu ungesunder Risikobereitschaft oder Überschuldung. Somit musste die Fed irgendwann gegensteuern. Eine derzeit recht stabile Arbeitsmarktlage und gesundes Wachstum in den USA ließen den Moment als günstig erscheinen.

Warum sind die Leitzinsen in den USA so wichtig für Deutschland und die ganze Welt?

Die USA haben als größte Volkswirtschaft der Welt eine Leitwirkung. Vor allem aber: Viele Geschäfte rund um den Globus werden nach wie vor in US-Dollar abgewickelt, viele Anlagen in Dollar gehalten. Und der Dollar wird durch eine Zinsanhebung in der Heimat potenziell stärker, er wertet gegenüber anderen Währungen eher auf. Wer also Schulden in Dollar hat, seine Einnahmen aber in der eigenen Währung generiert, für den steigen künftig möglicherweise die Kosten.

Das betrifft vor allem viele Unternehmen, etwa in Schwellenländern wie Brasilien aber auch in der Türkei. Da die Entscheidung aber an den Märkten erwartet wurde, dürfte vieles schon vorweggenommen sein.

Werden die Zinsen auch im Euro-Raum bald erhöht?

Nein. Damit ist vor 2017 nicht zu rechnen. Denn die Europäische Zentralbank hat die Geldschleusen gerade erst noch weiter geöffnet und das umstrittene Kaufprogramm für Staatsanleihen und andere Wertpapiere um ein halbes Jahr verlängert - was in Deutschland sehr umstritten ist. Bis mindestens März 2017 sollen so monatlich 60 Milliarden Euro in den Markt gepumpt werden, insgesamt 1,5 Billionen Euro. "Wenn es dann nicht reicht, können wir weitermachen", hatte EZB-Präsident Mario Draghi schon betont.

Ziel der Maßnahmen ist, die Konjunktur anzuschieben und die Mini-Inflation im Euroraum nach oben zu treiben. So lange das Programm läuft, wird die EZB den Leitzins nahe der Nulllinie lassen. Das ist gut für Häuslebauer, die ihre Immobilie extrem günstig finanzieren können. Aber es ist schlecht für Sparer, weil vermeintlich sichere Anlagen kaum Geld abwerfen.

Was bedeutet die Zinserhöhung in den USA für Europa?

Der teuere Dollar macht Importe aus dem Dollar-Raum teurer - und stärkt somit die zu niedrige Inflation in Europa. Auch die Benzinpreise würden wohl leicht nach oben gehen, weil Rohöl in Dollar gehandelt wird. Urlauber müssten bei Reisen in die USA tiefer in die Tasche greifen. Gleichzeitig werden hiesige Produkte aber auf dem Weltmarkt günstiger. Das Münchener Ifo Institut ist überzeugt: "Die US-Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen aus dem Euroraum dürfte angesichts der Abwertung des Euro beschleunigt zunehmen."

Gibt es auch im Euro-Raum bald höhere Zinsen?

Ein rasches Nachziehen der Europäischen Zentralbank ist lange nicht in Sicht. Mit einem Programm für Anleihekäufe wird die EZB noch bis mindestens Mitte 2017 1,5 Billionen Euro in die Märkte pumpen. "Wenn es dann nicht reicht, können wir weitermachen", betont EZB-Präsident Mario Draghi. Häuslebauer in der Eurozone können erst einmal auf weiter extrem niedrige Zinsen setzen. Sparer allerdings auch.

Gibt es weitere Risiken der Zinsanhebung?

Viele. Die Fed muss eine gute Balance finden. Sie wird den ersten Schritt sehr vorsichtig tun. Zieht sie dann zu zögerlich und zu spät nach, verpufft möglicherweise die Wirkung. Schreitet sie mit weiteren Anhebungen zu forsch voran, könnte sie das Wachstum in den USA abwürgen und den Dollar so stark und damit für Ausländer so teuer machen, dass sich weniger Kunden Waren aus den USA leisten können. Die Exporte würden damit einbrechen. Experten wie der Washingtoner Ökonom Gerald O'Driscoll bezeichnen die Zinswende als "Experiment".

Wie geht die Zinswende technisch voran ?

Fed-Chefin Janet Yellen kann nicht einfach mit dem Finger schnippen - und schon sind die Zinsen höher. Bei früheren Erhöhungen der kurzfristigen Leitzinsen verkaufte die Notenbank so lange Anleihen mit kurzfristiger Laufzeit aus ihrem Besitz, bis das gewünschte Niveau erreicht war.

Das geht nicht mehr, die Fed hat keine kurzfristigen Anleihen mehr. Sie kann grundsätzlich die Zinsen auf die Einlagen der Geschäftsbanken erhöhen. Dies würde aber bedeuten, dass der US-Steuerzahler die Zeche zahlt. Eine Hochrisikounternehmung im Wahljahr, wo doch die Banken ohnehin schon sechs Milliarden Dollar an Zinsen von der Fed einstreichen.


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