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USA: Darum kann die Zinswende so teuer werden


Schwierige Entscheidung  

Darum kann die Zinswende so teuer werden

16.12.2015, 18:43 Uhr | dpa

Es klingt so einfach: Die US-Notenbank hebt erstmals seit vielen Jahren die Zinsen an und läutet damit das Ende ihrer langjährigen Krisenpolitik ein. Bei genauem Hinsehen entpuppt sich dieser Schritt aber als schwieriges Unterfangen.

Denn die Geldpolitik, wie sie die Federal Reserve vor der Finanzkrise jahrzehntelang betrieben hat, funktioniert nicht mehr. Als Folge ihrer Kriseneingriffe, vor allem weil sie den Markt massiv mit Geld geflutet hatte, muss die Fed ihre Geldpolitik komplett umkrempeln. Das ist politisch heikel - und kann teuer werden.

Das Hauptproblem der Fed ist die von ihr geschaffene Überschussliquidität im Finanzsektor. Heißt: Die Banken schwimmen in Geld. Und zwar weil die Fed seit der Finanzkrise Staatsanleihen und mit Hypotheken besicherte Wertpapiere im Wert von mehr als vier Billionen Dollar erworben hat.

Wie einst Dagobert Duck

Mit diesen Käufen wurden das Zinsniveau gedrückt und die Konjunktur angeschoben. Infolge der Geldschwemme haben sich aber auch die Guthaben der privaten Geldhäuser bei der Zentralbank von wenigen Milliarden auf rund zweieinhalb Billionen Dollar vervielfacht. Das macht Zinsanhebungen nach früherem Muster faktisch unmöglich.

Woran liegt das? Vor der Finanzkrise beeinflusste die Fed die Marktzinsen im Wesentlichen durch ihre sogenannte Offenmarktpolitik: Sollten die Zinsen steigen, verkaufte die Fed Wertpapiere aus ihrem Bestand und nahm damit Liquidität aus dem Markt. In der Folge stieg der Preis für überschüssiges Zentralbankgeld - im Fachjargon die "Fed Funds Rate" oder schlicht: der Zins.

Wollte die Fed den Marktzins dagegen verringern, ging sie umgekehrt vor: Sie erwarb Wertpapiere und führte dem Markt dadurch Zentralbankgeld zu, woraufhin der Zins fiel.

Überall ein Haken

Dieses Vorgehen funktioniert, so lange das Geld der Zentralbank knapp ist, weil dann der Marktzins auch mit Wertpapiergeschäften in geringem Umfang beeinflusst werden kann. Ist Zentralbankgeld dagegen im Überfluss vorhanden, kann der Marktzins nur noch unter Einsatz erheblicher Summen bewegt werden.

Deswegen ist die Fed schon zu Beginn ihrer lockeren Geldpolitik im Jahr 2008 dazu übergegangen, den Banken einen Zins auf überschüssiges Zentralbankgeld zu zahlen. Dieser Einlagenzins (IOER) ermöglicht der Fed die Beeinflussung des Marktzinses auch bei hoher Marktliquidität, weil er den Banken einen Anreiz bietet, Geld bei der Notenbank anzulegen.

Allerdings ist diese Lösung nicht günstig. "Das wird die Fed in jedem Fall Geld kosten", erklärt Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. "Will die Fed die Marktzinsen anheben, muss sie auch den Einlagensatz erhöhen, weil ihre Offenmarktpolitik gegenwärtig versagt."

Was Ärger geben könnte

Damit erhöhen sich aber auch die Zinszahlungen an die Banken, und das hat Folgen: Zum einen steigt die Liquidität im Bankensektor, was der beabsichtigen geldpolitischen Straffung entgegensteht. Zum anderen muss die Fed der Öffentlichkeit erklären, warum sie den Banken immer höhere Zinsen zahlt. Den amerikanischen Steuerzahler dürfte interessieren, warum der Gewinn der Fed, der eigentlich ihm zusteht, schmilzt.

Hohe Zinsausgaben als Folge einer strafferen Geldpolitik lassen sich nur vermeiden, wenn die Überschussliquidität im Finanzsektor wieder fällt, weil dann das klassische Offenmarktgeschäft der Fed besser funktioniert. Allerdings müsste sich die Fed dafür von ihrem in der Krise angehäuften Wertpapierberg trennen.

"Diesen Weg wird die Fed aber voraussichtlich nicht beschreiten", sagt Weidensteiner. Sobald nämlich die Fed beginnt, Wertpapiere in größerem Umfang zu veräußern, dürften die Wertpapierkurse fallen und die Renditen steigen. Damit läuft die Fed Gefahr, die Marktzinsen stärker als von ihr beabsichtigt anzuheben. Zum anderen drohen empfindliche Verluste, falls der Verkaufskurs der Wertpapiere geringer ist als der Kaufpreis.

Kein Spaziergang

Auch in diesem Fall müsste die Fed also erklären, warum die Kosten ihrer Krisenpolitik plötzlich zu steigen beginnen. Wie man es dreht und wendet: Der Ausstieg aus der Krisenpolitik wird kein Spaziergang werden - und nicht zum Nulltarif zu haben sein.


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