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Wirtschaftselite fürchtet einen Kollaps des Projekts Europa


Umfrage unter Top-Managern  

Wirtschaftselite fürchtet einen Kollaps des Projekts Europa

20.01.2016, 16:59 Uhr | dpa, t-online.de

Wirtschaftselite fürchtet einen Kollaps des Projekts Europa. Die Länder der EU grenzen sich immer mehr ab statt zusammenzurücken. Das Projekt Europa gerät in Gefahr. (Quelle: imago/ Bäuml Fotodesign)

Die Länder der EU grenzen sich immer mehr ab statt zusammenzurücken. Das Projekt Europa gerät in Gefahr. (Quelle: imago/ Bäuml Fotodesign)

Düstere Wolken am Horizont. Seit Tagen mehren sich die Stimmen, die für die globale Konjunktur pessimistisch eingestellt sind. Nun legt die Beratungsgesellschaft PwC (PricewaterhouseCoopers) nach: Die Aussichten für die Weltwirtschaft verschlechtern sich deutlich, für Europa wird gar ein Auseinanderbrechen der Union befürchtet. 

PwC befragte im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums weltweit 1409 Top-Manager aus 83 Ländern nach ihren Erwartungen für die kommenden zwölf Monate. Die Ergebnisse lassen Schlimmes befürchten: Nur noch gut ein Viertel der Firmenlenker rechnet für 2016 mit einem nennenswerten Wirtschaftswachstum. Viele Manager befürchten, dass sich die Staaten künftig wieder stärker abschotten werden. 

Europa driftet auseinander

Das betrifft in erster Linie die Entwicklung in Europa. Hier zeigen sich deutliche Bewegungen hin zu souveränen Nationen mit unterschiedlichen Wirtschaftssystemen, Rechtsordnungen, Wertesystemen und Nationalbanken. Eigentlich wollte Europa zusammenrücken, strebte politische Unionen, gemeinsame Wirtschafts-, Rechts- und Wertesysteme sowie eine starke Weltbank an. 

Die aktuellen Umfrage-Ergebnisse zeigen, dass mehr als jeder zweite Vorstands-Chef ein Auseinanderdriften des Kontinents befürchtet: 57 Prozent der Befragten in Deutschland sehen eine gesellschaftliche Instabilität, wobei sich dieser Wert im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt hat. Hier scheint sich die öffentliche Debatte um die starke Migrationsbewegung nach Europa deutlich bemerkbar zu machen. 

Deutsche Top-Manager besonders skeptisch

Zudem beurteilen die deutschen Befragten die Aussichten für ihr eigenes Unternehmen schlechter. Nur noch 28 Prozent rechnen demnach mit Wachstum, 2015 waren es noch mehr als ein Drittel. Damit sind die deutschen Konzern-Chefs skeptischer als ihre Kollegen weltweit, von denen immerhin 35 Prozent ihr Unternehmen auf Wachstumskurs sehen, etwas weniger als 2015 (39 Prozent). 

Allerdings befinden sich die deutschen Chefs mit ihrer pessimistischeren Einschätzung im Einklang mit anderen wichtigen Wirtschaftsnationen. So sackte die Zuversicht in China von 36 auf 24 Prozent ab, in den USA von 46 auf 33 Prozent. Hingegen blicken vor allem Inder und Spanier deutlich optimistischer in die Zukunft. 

Neue Risiken lassen Stimmung sinken

"Die Verunsicherung in den Chefetagen nimmt weiter zu", kommentierte PwC-Deutschland-Chef Norbert Winkeljohann die Ergebnisse der Studie. "Die Zunahme weltweiter politischer Krisen und Konflikte, die Entwicklung des Ölpreises, das verlangsamte Wachstum von Chinas Wirtschaft und die Herausforderungen durch Zuwanderung sind neue Risiken, die sich spürbar auf die Stimmungslage der Top-Manager ausgewirkt haben."

Politische Instabilität

Die Flüchtlingskrise ist nur einer der Faktoren, die die globale Stabilität gefährden. Die konjunkturellen Risiken sind in allen Bereichen - umweltbezogen, gesellschaftlich, wirtschaftlich, politisch und technologisch - in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen, warnte kürzlich auch der Welt-Risiko-Bericht des Weltwirtschaftsforums (WEF). 

"Durch Ereignisse wie die Flüchtlingskrise und Terroranschläge in Europa ist die globale politische Instabilität so hoch wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr", sagte John Drzik vom Industrieversicherungsmakler Marsh. Das erschwere Unternehmen Entscheidungen über längerfristige Investitionen.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) dämpft Hoffnungen auf eine stärkere Konjunktur. Die Wachstumserwartungen wurden gesenkt. China hat mit sich selbst zu tun, genauso wie die Eurozone.

Stabiler Arbeitsmarkt

Ungeachtet der wachsenden Sorgen sind die Beschäftigungsprognosen der Manager stabil geblieben. Weltweit will immer noch rund die Hälfte der Befragten ihre Belegschaft vergrößern. Nur rund ein Fünftel plant einen Stellenabbau und damit genauso viele wie 2015. In Deutschland wollen 43 Prozent der Befragten die Mitarbeiterzahl erhöhen (Vorjahr 41 Prozent). Auch die Zahl der Firmen, die ihr Personal verkleiner wollen, stieg - um fünf Prozentpunkte von 28 auf 33 Prozent. 

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