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Deutsche Bank macht mehr als sechs Milliarden Euro Verlust


Tiefroter Einstand für John Cryan  

Deutsche Bank macht über sechs Milliarden Euro Verlust

21.01.2016, 16:59 Uhr | AFP, rtr, dpa

Deutsche Bank macht mehr als sechs Milliarden Euro Verlust. Die Deutsche Bank fuhr 2015 ein Rekordminus ein. (Quelle: Reuters)

Die Deutsche Bank fuhr 2015 ein Rekordminus ein. (Quelle: Reuters)

Die erste Jahresbilanz des neuen Vorstandschefs John Cryan fällt tiefrot aus. Die Deutsche Bank rechnet für 2015 mit einem Rekordverlust von rund 6,7 Milliarden Euro nach Steuern. Die Aktie der Großbank sackt am Donnerstag an der Börse stark ab. 

Grund für die Bilanz-Verluste sind den Angaben von Deutschlands größtem Kreditinstitut zufolge unter anderem Belastungen für Rechtsstreitigkeiten von rund 1,2 Milliarden Euro, von denen ein Großteil voraussichtlich steuerlich nicht abzugsfähig sein werde. Hinzu kämen Belastungen für Restrukturierungen und Abfindungen in Höhe von 0,8 Milliarden Euro.

Verluste übersteigen die Erträge

Die Deutsche Bank erwartet den Angaben zufolge für das Gesamtjahr 2015 Erträge in Höhe von 33,5 Milliarden Euro. Wegen der genannten Belastungen rechnet sie jedoch insgesamt mit einem Verlust von rund 6,1 Milliarden Euro vor Steuern und rund 6,7 Milliarden Euro nach Steuern.

Das Gesamtjahresergebnis beinhaltet den Angaben zufolge die bereits veröffentlichten und im dritten Quartal verarbeiteten Wertminderungen von 5,8 Milliarden Euro auf den Geschäfts- oder Firmenwert sowie immaterielle Vermögenswerte, außerdem Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von rund 5,2 Milliarden Euro und Belastungen für Restrukturierungen und Abfindungen von rund 1,0 Milliarden Euro.

Kräftiger Ertragsrückgang im vierten Quartal

Im Investmentbanking stellt die Bank etliche Handelsgeschäfte ein. Dem Institut machen die immer strengeren Kapitalanforderungen zu schaffen, viele Geschäfte gerade im schwankungsanfälligen Kapitalmarktgeschäft lohnen sich nicht mehr. Konzernweit sollen Tausende Stellen abgebaut werden. Aus zehn Auslandsmärkten zieht sich der deutsche Branchenprimus ganz zurück. Im eigenen Haus werden unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze gestrichen, 4000 davon in Deutschland.

Zudem lief das Geschäft vor allem im Handel mit Wertpapieren nicht rund, so dass die Erträge im vierten Quartal auf 6,6 Milliarden Euro zurückgingen - das sind rund 15 Prozent weniger als vor einem Jahr. Zusammen mit den Sonderkosten führt dies zum Jahresende erneut zu einem Quartalsverlust. Dieser belaufe sich auf 2,7 Milliarden Euro vor Steuern und rund 2,1 Milliarden Euro unter dem Strich. Im Vorjahresquartal hatte die Bank noch einen Gewinn von 441 Millionen Euro erzielt.

Das Milliarden-Minus trifft die Deutsche Bank nach einem turbulenten Jahr: Co-Chef Anshu Jain musste gehen, seit Juli ist der Brite Cryan der neue starke Mann an der Konzernspitze. Der Abtritt von Co-Chef Jürgen Fitschen (67) ist beschlossene Sache. Hinzu kamen Milliardenstrafen: So einigte sich die Bank mit Behörden in den USA und Großbritannien auf die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden US-Dollar, weil Mitarbeiter über Jahre den wichtigen Referenzzins, an dem sich viele Geschäfte orientieren, manipuliert hatten.

Größerer Jahresverlust als in der Finanzkrise

Für den Konzern ist es der größte Jahresverlust und der zweite seit 2008. In der Finanzkrise hatte die Deutsche Bank erstmals in einem Gesamtjahr rote Zahlen geschrieben und rund 3,9 Milliarden Euro Verlust gemacht.

Analysten haben angesichts der Schrumpfkur Zweifel, wie die Deutsche Bank dauerhaft Geld verdienen will. Das Institut will zum Beispiel mehr Geschäft mit Superreichen und vor allem Unternehmenskunden machen. Aktuell läuft die US-Konkurrenz davon: JPMorgan, Citigroup, Morgan Stanley, Bank of America und Wells Fargo vermeldeten sämtlich Milliardengewinne für 2015.

Details zu den Zahlen des vierten Quartals und des Gesamtjahres will die Deutsche Bank am 28. Januar vorlegen.


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