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Finanzmarkt: Über den Banken braut sich etwas zusammen


Neue Finanzkrise befürchtet  

Über der Banken-Branche braut sich etwas zusammen

09.02.2016, 16:43 Uhr | t-online.de - Martin Mrowka, mit dpa, rtr

Finanzmarkt: Über den Banken braut sich etwas zusammen. Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Die ganze Branche fürchtet eine neue Finanzkrise. (Quelle: dpa)

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Die ganze Branche fürchtet eine neue Finanzkrise. (Quelle: dpa)

An den weltweiten Finanzmärkten brodelt es. Der jüngste Ausverkauf an den Aktienmärkten ist nur eines von gleich mehreren unheilvollen Zeichen. Auch die Bewegungen am Devisenmarkt sowie die Rohstoffpreise deuten an: Da ist was im Busch. Doch es gibt auch eine beschwichtigende Stimme, die nun eine Chance zum Einstieg sieht.

Die meisten Anleger bleiben am Dienstag hochgradig nervös: Der Deutsche Aktienindex und der europäische Leitindex EuroStoxx50 finden noch keinen Boden. Der Dax stürzte am Dienstag erstmals seit Oktober 2014 unter die Marke von 8800 Punkten. Zu groß sind die Sorgen um den Zustand der Weltwirtschaft und insbesondere zahlreicher Finanzinstitute.

Banken haben Probleme

Wieder wachsende Sorgen über eine schwache Ergebnisentwicklung bei Banken, über Kreditausfälle und sogar drohende Bankpleiten schweben wie ein großes Damokles-Schwert über der Branche. "Bedenklich stimmen vor allem die hohen Volumina an faulen Krediten, die in den Bilanzen einiger Banken zu schlummern scheinen, ohne dass sie genau zu beziffern wären", schreiben die Analysten der Metzler Bank in einem Kommentar.

Der europäische Bankensektor - ablesbar am entsprechenden Teil-Index - rutschte seit Jahresbeginn um gut 25 Prozent ab. Vor allem griechische Banken sind betroffen: Die Aktien der drittgrößten griechischen Bank, Eurobank Ergasias, stürzten zum Wochenbeginn um fast 30 Prozent. Die Anteilsscheine der zweitgrößten Bank Griechenlands, Alpha Bank, verloren rund 18 Prozent. Auch italienische Banken wie die Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS) oder spanische wie Banco Popolare zählten zu den größten Verlierern.

Kreditausfall-Versicherungen im Fokus

In Deutschland waren die Aktien der Deutschen Bank am stärksten betroffen. Sie verloren zum Wochenstart fast zehn Prozent, am Dienstag nochmals vier. Seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste auf über 40 Prozent.

"In den Medien wird wieder das Thema Kreditausfall-Versicherungen (Credit Default Swaps - oder kurz gesagt CDS) gespielt", kommentierte Augustin Eden von Accendo Markets. Die Kosten für diese außerbörslich gehandelten Versicherungen seien wegen Sorgen um faule Kredite und möglicher Bankenpleiten auf Mehrjahres-Hochs gestiegen. In den düsteren Zeiten der Finanzkrise waren diese CDS eines der wichtigsten Barometer, um den Stress an den Märkten zu messen. 

Deutsche Bank kann Zinsen für "Cocos" bezahlen

Die Deutsche Bank versucht nun, die äußerst angespannte Lage für Papiere des Hauses am Finanzmarkt zu beruhigen. Trotz eines Rekordverlusts im vergangenen Jahr würden die finanziellen Mittel ausreichen, um 2016 die Zinsen für die 2014 ausgegebenen nachrangigen Schuldverschreibungen in Höhe von rund 350 Millionen Euro bezahlen zu können, teilte die Bank mit. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erklärte, dass er sich keine Sorgen um die Deutsche Bank mache.

Das Finanzinstitut hatte 2014 diese neuartigen Finanzinstrumente, die am Markt "Cocos" (Contingent Convertible Bonds) genannt werden, für rund 4,6 Milliarden Euro ausgegeben. Mit diesem Schritt stärkte die Bank ihr Kapital, ohne neue Aktien begeben zu müssen.

Auch für das kommende Jahr sieht die Bank ausreichend Spielräume. Die Ausschüttungskapazität betrage nach aktuellen Berechnungen 4,3 Milliarden Euro. Allerdings sind darin mögliche neue Verluste im operativen Geschäft oder weitere Kosten für Rechtsrisiken noch nicht enthalten.

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Fallende Ölpreise als Vorbote von Konjunkturschwäche?

Wegen der Sorgen über die Finanzkraft der Deutschen Bank sind die Kurse dieser nachrangigen Schuldverschreibungen in den vergangenen Wochen abgestürzt - mit entsprechend negativen Szenarien für die Zukunft der involvierten Banken.

Die neuerlichen Banken-Unsicherheiten sind nur einer der Risiko-Faktoren für die Finanzmärkte. Ein weiterer ist der seit Monaten fallende Ölpreis. Anleger sehen darin eine Beleg, dass es um die Weltwirtschaft alles andere als gut bestellt ist. Die Konjunktur von Top-Rohstoff-Konsumenten wie China wackelt und auch die US-Wirtschaft sendete zuletzt Schwächesignale.

Allein seit Jahresbeginn sind die Preise für die Sorten Brent und WTI wegen der anhaltenden Öl-Schwemme um weitere zehn beziehungsweise 17 Prozent eingebrochen.

Gold steigt - US-Dollar fällt

Das Geld der Anleger strömt seit Tagen in sogenannte "sichere Häfen". Das Barometer für Staatsanleihen Bund-Future sprang am Montag auf ein neues Rekordhoch bei 165 Euro. Der Preis für Gold stieg auf 1200 Dollar (bzw. 1070 Euro) je Feinunze. Auch der Schweizer Franken profitierte als Fluchtwährung und ist zum Euro auf den höchsten Stand seit zwei Wochen geklettert.

Unter Druck steht gleichzeitig der US-Dollar. Auf der Suche nach Sicherheit steuerten die Anleger auch die japanische Landeswährung an. Ein Dollar kostete zeitweise nur noch 114,25 Yen, so wenig wie zuletzt im November 2014. Der Euro profitiert ebenfalls von der Dollar-Schwäche und steigt auf 1,13 Dollar. 

Wetten gegen China-Währung Yuan

Druck auf den Dollar kommt auch aus China. Während Großspekulant George Soros derzeit in großem Stil auf eine fallende chinesische Währung Yuan wettet, versucht sich die Volksrepublik mit dem umfangreichen Verkauf von US-Staatspapieren aus ihren Reserven zu wehren. 

Der zehn Milliarden Dollar schwere Hedge Fonds "Greenlight Capital" springt auf den Spekulantenzug auf und hat laut "Wall Street Journal" ebenfalls mit Optionen auf einen fallenden Yuan gesetzt. "Hayman Capital Management" habe sogar 85 Prozent seines Portfolios in Wetten gegen Yuan und Hongkong-Dollar investiert.

Landen wir im Teufelskreis? 

China steckt dabei in einer Zwickmühle: Um die schwächelnde Wirtschaft im Riesenreich zu stabilisieren, ist man zum Einen auf eine Abwertung des Yuan angewiesen. So können die wichtigen Exporte gepusht werden. Zum Anderen soll das aber kontrolliert und allmählich erfolgen und nicht von Zockern beeinflusst. 

Ein zu schwacher Yuan würde Chinas Einkäufe im Ausland stark verteuern und hätte so zusätzlich negative Einflüsse auf Investitionen und Konjunktur. Ein Teufelskreis käme in Gang, der wegen der Größe Chinas als Handelspartner auch für westliche Staaten kein positives Konjunktursignal wäre. Selbst eine neue Finanzkrise wäre denkbar.

Die Notenbanken in Amerika und Europa dürften vor diesem Hintergrund auf absehbare Zeit nicht die Leitzinsen erhöhen. Die Deutsche Bank rechnet wegen des unsicheren wirtschaftlichen Umfeldes erst im Dezember mit einem weiteren Zinsschritt durch die US-Notenbank Fed. 

Anlageexperte rät zum Aktienkauf

Bei allen Negativ-Szenarien gibt es auch eine positive Stimme: Andrew Wilson, Anlageexperte bei Goldman Sachs, gab sich in einem Interview mit dem "Handelsblatt" optimistisch. Die Stimmung an den Börsen sei viel schlechter als die realwirtschaftliche Lage. Wer jetzt in Aktien einsteige, dürfte 2016 positive Renditen erzielen.

Die Situation in China sieht Wilson ebenfalls nicht so dramatisch. Die chinesische Wirtschaft wandelt sich, weg von traditionellen Wachstumsbranchen wie Energie oder Zementproduktion hin zu Konsum- und Dienstleistungssektor. "Die Lage ist unserer Meinung nach keinesfalls so düster, wie viele denken", so der Experte.

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