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Ökonomen dämpfen die Sorge vor einer neuen Finanzkrise


'Das ist kein zweites 2008'  

Ökonomen dämpfen Sorgen vor einer neuen Finanzkrise

11.02.2016, 17:26 Uhr | dpa-AFX, t-online.de - mmr

Ökonomen dämpfen die Sorge vor einer neuen Finanzkrise. Auch an der New Yorker Börse sind die Kurse von Bank-Aktien massiv unter Druck geraten. (Quelle: dpa)

Auch an der New Yorker Börse sind die Kurse von Bank-Aktien massiv unter Druck geraten. (Quelle: dpa)

Seit Wochen herrscht Ausverkauf an den Märkten. Einige Beobachter sprechen inzwischen von einer Panik, die durch Wirtschaftsdaten nicht zu erklären sei. Erinnerungen an die Weltfinanzkrise 2008 kommen hoch, als das ganze Finanzsystem zu kollabieren drohte. Doch wie schlimm ist die Lage wirklich?

Vor allem die Aktienkurse rauschen in die Tiefe - obwohl weder Geschäfts- noch Konjunkturdaten das rechtfertigen. Gleichzeitig fließt Geld massiv in "sichere Häfen": Das Staatsanleihen-Barometer Bund-Future sprang am Donnerstag auf ein neues Rekordhoch bei 166,16 Euro. Die Feinunze Gold verteuerte sich am Terminmarkt zeitweise deutlich auf 1242 Dollar. Der Euro stieg auf 1,1360 Dollar. 

Wie vor siebeneinhalb Jahren sind vor allem Bank-Aktien vom Kurssturz betroffen. Damals stand das globale Finanzsystem nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman vor dem Zusammenbruch. Die Weltwirtschaft stürzte in eine tiefe Rezession. Und heute? Finanz-Profis geben hier Antworten.

Mögliche Kreditausfälle belasten Bank-Aktien

Der Verfall der Ölpreise (siehe WTI-Öl) bedroht die Existenz von Rohstoff-Unternehmen, insbesondere von US-Förderunternehmen, die auf Fracking-Technik gesetzt haben. Die Folge könnten Kreditausfälle sein, das könnte Löcher in Bankbilanzen reißen. 

Die Finanzkrise 2008 wiederum ging von kaum abgesicherten Immobilienkrediten ("Subprime") aus, die in Päckchen gebündelt als Wertpapiere verkauft wurden. Doch Tausende US-Schuldner, die sich Hauskredite ohnehin nicht leisten konnten, gerieten mit der Zahlung ihrer Raten in Verzug. Weil viele an solchen Papieren mitverdienten, kam eine weltweite Abwärtsspirale in Gang.

"Die Verbriefungstechnologie hatte damals zu einer Vernetzung der Bankbilanzen geführt, die diese herdenartig reagieren ließ", erklärt der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. Heute sei die Situation auch deshalb anders, weil Kredite an Ölförderer nur rund drei Prozent aller Bankkredite in den USA ausmachten, erläutert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die "Subprime"-Hypothekenkredite hätten einen Anteil von schätzungsweise 20 Prozent gehabt. "Die mit dem Ölpreisverfall verbundenen Bankrisiken sind viel kleiner", betont Krämer.

Es gibt allerdings auch Gerüchte am Markt, dass eine systemrelevante Bank in eine finanzielle Schieflage gerät. Selbst die Deutsche Bank   wird dabei nicht außen vor gelassen.

Banken heute besser gerüstet

Finanzinstitute haben ihre Kapitalpuffer als Krisenvorsorge in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt - eine Folge der schärferen Regulierung des Finanzsektors. Zwar setzen Niedrigzinsen und Regulierung die Erträge der Institute unter Druck. Aber: "Die Banken haben in den letzten Jahren erheblich ihre Bilanzen verkürzt und Kreditbestände abgebaut", bilanziert Hüther.

Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater argumentiert: "Das ist kein zweites 2008, sondern es sind immer noch die Nachwehen der Finanzkrise von damals, die uns verfolgen. Zur Zeit haben wir keine Panik wegen der Gefahr des Zusammenbruchs des Weltfinanzsystems."

Zinssenkungen der Notenbanken verpuffen

Im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche fluten die großen Notenbanken der Welt die Märkte mit billigem Geld. Kritiker befürchten, dadurch könnten Blasen an den Aktien- und Immobilienmärkten entstehen.

Auch nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 hatten Notenbanken die Geldschleusen weit geöffnet. Viele Hausbesitzer in den USA nutzten die niedrigen Zinsen, um sich immer höher zu verschulden und auf Pump zu konsumieren. Inzwischen seien die Schulden der Privathaushalte in den USA jedoch auf ein akzeptables Niveau gesunken, sagt Ökonom Krämer.

Kritiker befürchten, dass die Währungshüter mit Minizinsen und Wertpapierkäufen ihr Pulver weitgehend verschossen haben. Dies beziehe sich allerdings eher auf die Absichten der Notenbanken, das Wirtschaftswachstum zu stimulieren, argumentiert Kater: "Bei der Stabilisierung des Finanzsystems haben sie noch viele Möglichkeiten."

Konjunktur ist robust

Ein Überspringen der Börsenturbulenzen auf die produzierende Wirtschaft sei derzeit unwahrscheinlich, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben: "Unter dem Strich sprechen die positiven Geschäftserwartungen gegen einen Konjunkturabsturz."

Ähnlich sieht das Ökonom Hüther: Abgesehen von China fehle der realwirtschaftliche Anlass für die aktuellen Börsenturbulenzen, "die Konjunkturdaten sind bisher robust und geben wenig Anlass zu einer solchen Korrektur".

China bereitet Sorgen

Denn das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt schwächelt. Investoren fürchten, dem Megamarkt könnte die Puste ausgehen. "Das Land steht wirtschaftlich vor schweren Zeiten, auch weil seine Unternehmen sehr hoch verschuldet sind", sagt Krämer.

Einen guten Teil der nachlassenden Nachfrage aus dem Land könnten die westlichen Länder aber durch ein Anziehen der Binnennachfrage ausgleichen. "Brenzlig würde es nur, wenn China den Weltfinanzmärkten wie Lehman 2008 einen Unsicherheitsschock verabreichen würde. Aber das ist unwahrscheinlich", meint Krämer. Westliche Banken und Anleger seien an dem immer noch recht abgeschotteten Finanzmarkt Chinas nur wenig engagiert. 

Das gilt allerdings nicht für Großinvestor George Soros. Die fallende China-Währung Yuan veranlasste ihn zu einer groß angelegten Spekulation auf fallende Devisen-Kurse. Mehrere Hedge Fonds folgen ihm und bringen damit die Chinesen in ziemliche Bedrängnis. 

Es gibt auch gute Nachrichten

Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud sieht in dem starken Rückgang der Ölpreise eine Konjunkturspritze für die Industrieländer. Auch Traud hält wenig von Vergleichen mit der jüngsten Finanzkrise. Nicht jeder Bärenmarkt - anhaltend sinkende Kurse am Aktienmarkt - gehe mit einer Rezession einher "und schon gar nicht mit solchen Abstürzen der Volkswirtschaften wie in der Finanzkrise". Sie verweist auf die Jahre 1987, 1998 und 2011 als der deutsche Leitindex Dax  im Durchschnitt um 37 Prozent fiel, die Wirtschaft aber nicht schrumpfte.

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