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Ifo-Index: Firmen fürchten Einbruch der Weltwirtschaft

Ifo-Index zeigt nach unten  

Unternehmen fürchten Einbruch der Weltwirtschaft

23.02.2016, 14:15 Uhr | Von Florian Müller und Stefan Schulz, Spiegel Online

Ifo-Index: Firmen fürchten Einbruch der Weltwirtschaft. Auto-Exporte auf einer Pier in Bremerhaven: Die Chefs deutscher Unternehmen blicken zunehmend skeptischer in die Zukunft.  (Quelle: dpa)

Auto-Exporte auf einer Pier in Bremerhaven: Die Chefs deutscher Unternehmen blicken zunehmend skeptischer in die Zukunft. (Quelle: dpa)

Es wirkt paradox: Die Wirtschaft wächst, der Staat erzielt Rekordüberschüsse - und dennoch fällt Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer zum dritten Mal in Folge. Was ist da los? Die Blitzanalyse.

Die Stimmung bei Deutschlands Unternehmern ist bedrückt: Der Ifo-Geschäftsklimaindex, eine monatliche Umfrage unter 7000 Firmen, ist im Februar von 107,3 auf 105,7 Punkte gefallen. Es ist bereits das dritte Mal in Folge, dass Deutschlands wichtigstes Wirtschaftsbarometer sinkt - was als Signal für eine Konjunkturabkühlung gilt.

Miese Stimmung zunächst kaum nachvollziehbar

"Die Sorgen der deutschen Wirtschaft werden größer, insbesondere in der Industrie", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Führungskräfte beurteilten vor allem die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate pessimistischer als zuletzt.

Die miese Stimmung wirkt auf den ersten Blick kaum nachvollziehbar. Gerade erst hatten Rekordmeldungen die Runde gemacht: Ein stabiles Wirtschaftswachstum und ein robuster Arbeitsmarkt hatten dem deutschen Staat 2015 den höchsten Überschuss seit der Wiedervereinigung beschert. Insgesamt lagen die Einnahmen von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen satte 19,4 Milliarden Euro im Plus. 

Auch die deutsche Wirtschaft wirkt nach wie vor robust. Zum Jahresende legte sie um 0,3 Prozent zu; im Gesamtjahr 2015 waren es sogar 1,7 Prozent. Bundesregierung und Internationaler Währungsfonds (IWF) erwarten auch im laufenden Jahr ein Wachstum in der Größenordnung von 1,7 Prozent.

Ganze Reihe von Faktoren schüren Sorgen

Experten halten die Skepsis der Unternehmer dennoch für verständlich. "Die Führungsetagen sind durch den Rückgang der Nachfrage in der Weltwirtschaft wach geworden", sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Direktbank ING-Diba, SPIEGEL ONLINE. Eine ganze Flut negativer Nachrichten würde derzeit Zukunftsängste wecken.

  • Da ist zunächst der niedrige Ölpreis, der sich negativ auf die Industrie auswirkt. Eigentlich ist billiges Öl positiv für die Produktion, weil die Energiekosten und damit die Herstellungspreise sinken. Ölexportierende Länder sind aber auch wichtige Handelspartner der deutschen Hersteller. Und die investieren wegen der Einnahmeausfälle nun weniger.
  • ​Fatal für die deutsche Wirtschaft sei auch die Schwäche der USA, sagt Brzeski. Zuletzt hatten sich Nachrichten über ein Ende des Wirtschaftsaufschwungs gehäuft. An den Aktienmärkten brechen die Kurse ein. Die Exporte gehen zurück, ebenso die Industrieproduktion. Die US-Notenbank Federal Reserve fürchtet zudem, dass die heimischen Konzerne nicht stark genug seien, um die vielfältigen Probleme der Weltwirtschaft wegzustecken.
  • Thomas Gitzel, Ökonom bei der VP Bank, zufolge belasten zudem die Börsenturbulenzen der vergangenen Wochen die Stimmung.
  • Zudem werde die Angst vor innereuropäischen Grenzschließungen größer. "Ein Schengen-Ende wäre tatsächlich für die exportstarke deutsche Wirtschaft ein Super-Gau", sagte Gitzel.

All diese negativen Effekte würden die bisher starke Binnennachfrage in Deutschland nun überlagern, sagt Brzeski. Die deutschen Konsumenten profitierten zudem nicht in vollem Maße von den gesunkenen Energiepreisen, weil die Hersteller diese Einsparungen oft nicht weitergäben. Das beste Beispiel dafür ist die Autoindustrie: Obwohl die Hersteller dort zu niedrigeren Kosten produzieren können, werden die Fahrzeuge hierzulande nicht billiger.

Wie gedämpft die Stimmung in der deutschen Industrie und Dienstleistungsbranche mittlerweile ist, lässt sich auch am sogenannten Einkaufsmanagerindex ablesen, für den jeden Monat 1000 Einkaufsleiter und Geschäftsführer befragt werden. Signalisierte der Index Ende 2015 noch Wachstum, ist er mittlerweile auf einen Wert gefallen, der für Stagnation steht. 

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