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EZB senkt Leitzins: "EZB beschleunigt geldpolitische Irrfahrt"


Reaktionen zum Leitzins-Entscheid  

"EZB beschleunigt geldpolitische Irrfahrt"

10.03.2016, 18:05 Uhr | rtr, dpa-AFX, t-online.de

EZB senkt Leitzins: "EZB beschleunigt geldpolitische Irrfahrt". EZB-Präsident Mario Draghi auf dem Weg zu seiner Pressekonferenz in Frankfurt. (Quelle: Reuters)

EZB-Präsident Mario Draghi auf dem Weg zu seiner Pressekonferenz in Frankfurt. (Quelle: Reuters)

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins erstmals auf 0 Prozent zu senken, ist bei deutschen Ökonomen, Bankern und Politikern auf ein leicht negatives Echo gestoßen. Kritisiert wird unter anderem, dass die Notenbank Maßnahmen ausweitet, die bisher schon kaum Wirkung gezeigt hätten.

So kommentierte die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel: "Es handelt sich um eine weitere massive geldpolitische Lockerung. Angesichts der bisherigen Erfahrungen mit QE (Quantitative Easing/geldpolitische Lockerung) halte ich es für unwahrscheinlich, dass die Ausweitung der Anleihekäufe die Inflation nachhaltig erhöhen wird. Der Markt für Unternehmensanleihen ist in Europa zu klein, als dass sich aus deren Einbeziehung ein großer Effekt ergeben dürfte. [...] Ich halte Instrumente wie die langfristigen Kreditlinien (TLTROs), die direkt an der Kreditvergabe ansetzen, für sinnvoller als den weiteren Ankauf von Anleihen. Allerdings hängt auch hier die Wirksamkeit davon ab, ob es überhaupt eine Kreditnachfrage gibt, die zu befriedigen ist."

Die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes öffentlicher Banken (VÖB), Liane Buchholz, sagte: "Die EZB beschleunigt ihre geldpolitische Irrfahrt. Die heutige Zinsentscheidung [...] verstärkt den Abwärtsstrudel für die Sparer. Langfristige Altersvorsorgekonzepte werden ebenso entwertet wie zinsabhängige Institute in risikoreichere Geschäfte gedrängt werden. Es ist absolut unnötig, die deutsche Kreditwirtschaft zu einer umfangreicheren Kreditvergabe zu nötigen."

Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank, kommentierte, das große Bündel an Maßnahmen zeuge "von einer enormen Nervosität seitens der obersten Währungshüter. Denn auch sie müssen sich eingestehen, dass ihre Geldpolitik bislang die Wirkung verfehlt hat. Die Bilanz ist ernüchternd: So ist es der EZB nicht einmal gelungen, die am leichtesten von ihr zu beeinflussenden Indikatoren in die gewünschte Richtung zu drehen."

Auch Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands BdB, sieht die EZB-Entscheidungen kritisch: "Es ist vollkommen unnötig, dass die Europäische Zentralbank den Geldhahn heute noch weiter aufgedreht hat. Die Notenbank überzeichnet die Deflationsrisiken. Der Geldmarkt im Euro-Raum ist durch die EZB-Politik faktisch stillgelegt. Wirtschaftsreformen sowie die Sanierung von Bankbilanzen werden verschleppt. Doch auf all diesen Feldern hat die EZB heute noch einmal eine Schippe draufgelegt."

Der künftige Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, sieht die EZB bei der Zinspolitik in der Zwickmühle. Der EZB-Rat habe es im Moment schwer: Die Wirtschaft in Europa floriere noch nicht und die Inflation sei sehr niedrig, doch Banken, Wirtschaft und Verbraucher litten unter den Niedrigzinsen, sagte Wambach. Eine Trendwende sei allerdings schwierig, das zeige sich derzeit in den USA. Dort hatte die US-Notenbank Fed im Dezember 2015 erstmals seit der Finanzkrise den Leitzins wieder angehoben. Das Wirtschaftswachstum schwächte sich danach ab.

Wolfgang Steiger vom CDU-Wirtschaftsrat sagte: "Die Politik des billigen Geldes zerstört Vertrauen. Von einer Deflation sind wir meilenweit entfernt. Es gibt keine Abwärtsspirale fallender Preise, Löhne und Gehälter. Bei einer falschen Medizin hilft es nicht, die Dosis weiter zu erhöhen. Die gefährlichen Nebenwirkungen lassen sich längst nicht mehr schönreden."

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Der Präsident des Exportverbandes BGA, Anton Börner, sieht zumindest einen kleinen Vorteil - und weist damit gleichzeitig daraufhin, dass die EZB nicht nur an die deutschen Sparer, sondern an die gesamte Eurozone denken muss: "Das ist eine gute Nachricht für die Börsianer und für die Schuldenländer im Süden. Für die deutsche Bevölkerung ist das katastrophal. Die Sparer werden enteignet. Das ist eine gigantische Umverteilung von Norden nach Süden. [...] Im Ergebnis wird das nichts bringen. Man lullt die Schuldenstaaten ein. Sie machen keine Reformen, die Produktivität steigt nicht. Nord und Süd driften so noch weiter auseinander."

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