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Ölpreis sinkt: Gefahren und Vorteile des Billigöls


Folgen des Preisverfalls  

Gefahren und Vorteile des Billigöls

11.03.2016, 13:10 Uhr | dpa

Ölpreis sinkt: Gefahren und Vorteile des Billigöls. Tanken ist aktuell so günstig wie selten. Wleche Folgen hat der niedrige Preis für Öl und Benzin? (Quelle: dpa)

Tanken ist aktuell so günstig wie selten. Wleche Folgen hat der niedrige Preis für Öl und Benzin? (Quelle: dpa)

Öl ist so billig wie lange nicht mehr. Doch treibt der niedrige Preis für die Ressource wirklich die Wirtschaft an? Und wie sieht es mit der Umwelt aus? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um das schwarze Gold.

Der Ölpreisverfall hat zumindest in Deutschland die Inflation quasi auf Null gedrückt. Der Verbraucherpreisindex stagnierte im Februar auf dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Doch dass die Wirtschaft davon profitiert, stimmt nur zur Hälfte.

Billiges Erdöl treibt die Wirtschaft an

Denn Tatsache ist: Europas Verbrauchern nutzen die Niedrigpreise am meisten. Im Februar war Energie im Euroraum dem Statistikamt Eurostat zufolge acht Prozent günstiger als vor einem Jahr, bei Haushaltsenergie und Sprit in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts 8,5 Prozent. Die Deutschen gaben 2015 laut Mineralölverband 13,5 Milliarden Euro weniger für Sprit und Heizöl aus. Auch große Teile der Industrie freuen sich: Je billiger der Schmierstoff der Weltwirtschaft, umso mehr Entlastung im Einkauf.

Wahr ist aber auch: Die Chemie zum Beispiel muss bessere Konditionen oft mit niedrigeren Preisen für Kunst- oder Farbstoffe an ihre Kunden weitergeben. Beim Branchenriesen BASF etwa sank der Überschuss 2015 auch deshalb um fast ein Viertel auf rund 4 Milliarden Euro. Der Trend schneidet Ölkonzernen und Förderstaaten ins Fleisch. 10.000 Jobs fallen bis Ende 2016 bei Shell weg, 7000 bis Ende 2017 bei BP. Der Chefökonom der US-Bank Citigroup, Willem Buiter, bilanzierte im "Handelsblatt": "Der niedrige Ölpreis ist großartig für Europa, nicht für die Welt."

Bald steigen die Ölpreise stark

"Langfristig dürfte ein steigender (Öl-)Preis die Geldentwertung anheizen", glaubt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Die Gefahr: Wenn es mächtigen Förderländern gelingt, das Fracking in den USA aus dem Markt zu drängen, könnte das Angebot knapp werden und die Kosten hochkatapultieren. Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht allerspätestens 2021 deutliche Erhöhungen. "Für Verbraucher ist es einfach, sich durch niedrige Preise einlullen zu lassen, aber sie sollten die Signale nicht überhören", warnte IEA-Chef Fatih Birol.

Billigöl würgt den Börsen-Boom endgültig ab

Weltweit haben Aktienbesitzer nach dem Jahreswechsel herbe Verluste einstecken müssen. Ein Grund, der neben der befürchteten schwächeren Weltkonjunktur oft genannt wird: das Ölpreis-Tief. Dauerhaft billige Rohstoffe werten die Märkte als Zeichen schrumpfender Nachfrage.

Offen ist, wie lange die Ölförderer Kredite voll bedienen können: "Wir erwarten, dass Banken in ölexportierenden Regionen ein höheres Gläubiger-Risiko haben", warnt die Ratingagentur Moody's. Sie prüft eine Abstufung von zwölf Förderländern, darunter Russland und Saudi-Arabien. Das Preistief werde wohl noch "mehrere Jahre" dauern.

Günstiges Öl blockiert die Energiewende

Beim Pariser Klimagipfel Ende 2015 einigte sich die Weltgemeinschaft auf einen Verzicht auf fossile Brennstoffe bis Ende des Jahrhunderts. Solange die Abkehr von Öl, Gas und Kohle nicht klappt, verschleppt das Ölpreis-Tief die Energiewende zusätzlich, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im Deutschlandfunk: "Ein niedriger Ölpreis behindert den Umstieg Richtung Energiesparen." Prognosen zum Welt-Energiebedarf gibt es viele. So erwartet BP, dass die Fossilen auch 2035 den Löwenanteil (60 Prozent) zur globalen Versorgung beitragen, obwohl erneuerbare Quellen parallel zulegen.

Die Schwellenländer wollen jedoch mehr Wohlstand - und brauchen dafür mehr Energie. Andererseits entlasten niedrige Ölpreise sie nur dann, wenn rückläufige Verkäufe sie nicht treffen. IWF-Chefin Christine Lagarde bot Hilfe an: "Der IWF steht offen für alle Mitglieder."

Die Elektroauto-Industrie wird leiden

Dies sagt nicht irgendwer - sondern der schillernde Gründer des US-Elektroautobauers Tesla, Elon Musk. Über seine Einschätzung kann man streiten: Es gibt viele Faktoren, die eine "Verkehrswende" erschweren. Elektroautos sind gegenüber Benzinern meist teuer, die Reichweite ist gering.

In der Auto-Nation USA jedenfalls schiebt das billige Öl den Absatz von Spritschluckern an. Nach Zahlen der Deutschen Bank stieg der Verkaufsanteil leichter Trucks dort zwischen 2000 und 2015 von 50 auf über 60 Prozent, während normale Pkw zuletzt 40 Prozent erzielten. Ursache: "das enorme Abrutschen der Öl- und damit der Benzinpreise".

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