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Wettbewerb unter Technologie-Aktien: Apple gegen das Alphabet


Wettbewerb unter Technologie-Aktien  

Apple gegen das ABC

01.04.2016, 20:20 Uhr | Von Marc-Oliver Lux für t-online.de

Wettbewerb unter Technologie-Aktien: Apple gegen das Alphabet. Apple-Gründer Jobs, Vorstandschef Sculley und Mitgründer Wozniak 1984: Heute ist Apple ein wertvolles Unternehmen, aber die Aktie ist relativ billig. (Quelle: AP/dpa)

Apple-Gründer Jobs, Vorstandschef Sculley und Mitgründer Wozniak 1984: Heute ist Apple ein wertvolles Unternehmen, aber die Aktie ist relativ billig. (Quelle: AP/dpa)

Wir hatten uns an das Ritual gewöhnt: Apple liefert Quartal für Quartal Rekordgewinne und fährt seit Jahren den höchsten Nettogewinn aller börsennotierten Unternehmen ein. Der gerechte Lohn: Aus dem Pleite-Kandidaten wurde mit über einer halben Billion Dollar Börsenbewertung der weltweit wertvollste Konzern.

Wer sich an den Superlativen störte und den Jongleuren an den Aktienmärkten Zockerei und Größenwahn vorwarf, weil schließlich keine Firma so wertvoll sein darf, wie es der Wirtschaftskraft eines Industriestaates von der Größe Schwedens entspricht, der musste sich mit harten Bilanzzahlen eines Besseren belehren lassen: Apple ist gemessen an seinem Jahresgewinn mit 53,4 Milliarden Dollar nicht teuer, sondern sogar billig.

Wer die Aktie kauft, bezahlt Apple nur mit dem zehnfachen Jahresgewinn. Das ist ein Abschlag von 40 Prozent gegenüber dem Durchschnitt aller Aktien in der westlichen Welt: Selbst reife Unternehmen, die stetig aber nur noch langsam wachsen, so wie der Zigaretten-Hersteller Philip Morris oder der Handels-Dino Walmart, sind teurer als die Gewinnmaschine Apple.

Apple verdient dreimal so viel wie Alphabet

Seit einiger Zeit macht ein anderer Tech-Konzerne Apple die Weltspitze streitig: Alphabet, bekannter unter dem Namen seiner Mega-Tochter Google, war zumindest kurzzeitig schon mal ein paar Milliarden wertvoller als Apple. Dabei ist Konzernchef Larry Page mit Alphabet längst nicht so erfolgreich, wenn es um harte Zahlen geht. Apple verdient mehr als dreimal so viel, und die Barbestände sind mit 206 Milliarden Dollar fast dreimal so hoch.

Doch das stört Anleger nicht. Die Alphabet-Aktien steigen und steigen, allein im vergangenen Jahr um 60 Prozent. Die Börsianer bezahlten den Suchmaschinen-Spezialisten mit dem 26-fachen Jahresgewinn. Als die Konzernmutter letztens einen 3,6-Milliarden-Dollar-Verlust ihrer Geschäfte mit Drohnen, selbstfahrenden Autos und Funknetz-Ballons verkündete, feierten Anleger dies mit einem fünfprozentigen Kursanstieg. Verrückte Welt!

Es fühlt sich ein bisschen so an, wie die Exzesse kurz vor der Jahrtausendwende, als Firmen mit großen Zukunftsvisionen höher gehandelt wurden als solide Milliardengewinner wie Siemens, Daimler und Henkel. So blind wie damals sind die Anleger diesmal aber nicht. Richtig ist zwar, dass die exorbitanten Gewinne von Apple vergleichsweise wenig belohnt werden. Aber die Börse hat noch nie Erfolge der Gegenwart mehr belohnt als Aussichten auf noch höhere Gewinne in der Zukunft.

Google hat mehr heiße Gewinntreiber

Und hier trauen Anleger Alphabet mehr zu als Apple - wahrscheinlich sogar zu Recht. Apple verdankt seinen Erfolg im Grunde einem Produkt. Das iPhone steuert 68 Prozent zum Umsatz bei. Doch der Absatz stagniert, und das Unternehmen macht keinen Hehl daraus, dass die Erlöse künftig sinken werden. Konzernchef Tim Cook gelingt es ungeachtet der Milliardengewinne nie wirklich, die Anleger mit Visionen im Stile seines charismatischen Vorgängers Steve Jobs zu begeistern. Die Börse drängt Cook in die ungeliebte Rolle des schlichten Bewahrers der alten grandiosen Ideen.

Googles Gewinn hängt zwar im Wesentlichen an der erfolgreichen Suchmaschine. Doch unerwartet stark steigende Erlöse mit Suchanfragen über mobile Geräte und obendrein rasant steigende Gewinne mit der erworbenen Videoplattform YouTube, nähren die Spekulation, dass Google mehr heiße Gewinntreiber im Köcher hat als Apple und sich nie mit dem Hier und Jetzt zufriedengibt. Deshalb stören sich Anleger auch nicht an den Verlusten in Alphabets reichhaltigem Versuchslabor-Portfolio.

Unsere Einschätzung: Die Wette auf das nächste allüberragende Geschäftsmodell war schon immer riskant. Von der Bewertung her liegen Apple und Alphabet da sogar noch am unteren Ende der Skala. Es geht auch toller: Beispiel Amazon, das an der Börse mehr wert ist als der nach Gewinn 25 Mal größere Einzelhandelsriese Walmart. Doch die Börse belohnt keine Auslaufmodelle, sondern spekuliert auf neue Techniken, Marken und Verkaufsmodelle, die auf Dauer mehr Gewinn versprechen. Aber nur ein Erfolgsprodukt wie bei Apple reicht den Anlegern wiederum auch nicht. Da hat Alphabet Apple etwas voraus, zumal ja beide Milliardengewinne einfahren.

 (Quelle: privat) (Quelle: privat)

Marc-Oliver Lux ist Geschäftsführer der Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München. Zuvor war er war im Investmentbanking bei Deutsche Morgan Grenfell in New York sowie im Firmenkundengeschäft bei verschiedenen Banken im Inland tätig. Nach einem Betriebswirtschaftsstudium mit den Schwerpunkten Kapitalmarktforschung und Revisions-/Treuhandwesen hat er über betriebliche Gründungsfinanzierung promoviert.

Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de.

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