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Ifo-Chef warnt vor "Brexit": "Deutschland wäre größter Verlierer"


Ifo-Chef warnt vor "Brexit"  

"Deutschland wäre der größte Verlierer"

17.04.2016, 10:24 Uhr | dpa

Ifo-Chef warnt vor "Brexit": "Deutschland wäre größter Verlierer". Ein Austritt Großbritanniens aus der EU hätte fatale Folgen für Deutschland, meint Ifo-Präsident Clemens Fuest. (Quelle: imago images/Sven Simon)

Ein Austritt Großbritanniens aus der EU hätte fatale Folgen für Deutschland, meint Ifo-Präsident Clemens Fuest. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Am 23. Juni stimmen die Briten über einen Austritt ihres Landes aus der EU ab. Jüngste Umfragen im Königreich zeigen, dass die Mehrheit der EU-Befürworter bröckelt. Ein Austritt würde jedoch vor allem die deutsche Industrie schwer treffen, fürchtet Ifo-Chef Clemens Fuest.

"Deutschland wäre wahrscheinlich der größte Verlierer eines Brexit, abgesehen von Großbritannien selbst", sagte der Präsident des Wirtschaftsforschungsinstituts, der Anfang April sein Amt angetreten hat. Großbritannien sei der drittwichtigste Exportmarkt für Deutschland, mit einem Volumen von 90 Milliarden Euro: "Ein Austritt trifft die gesamte deutsche Industrie." Vor allem aber würde sich die Europäische Union massiv zum Nachteil Deutschlands verändern.

Großbritannien und Deutschland seien freihändlerisch orientiert. Um zum Beispiel Handelsbeschränkungen zu verhindern, sei in der EU aber eine Sperrminorität nötig. Ohne die Briten wäre es schwerer, diese Sperrminorität zu erreichen: "Das wäre ein Riesen-Nachteil", sagte Fuest. Bei einem Austritt würde "die Attraktivität des europäischen Binnenmarktes zurückgehen. Natürlich wird sich das Gewicht der EU in der Welt deutlich verringern." Und ohne den Nettozahler Großbritannien würden auf Deutschland in der EU zusätzliche Milliardenlasten zukommen.

Verbleib im Binnenmarkt nur Theorie

Es gäbe zwar theoretisch die Möglichkeit, dass die britische Wirtschaft Teil des Binnenmarktes bleibt. Aber "dann müssten die Briten ja weiterhin die meisten Regulierungen aus Brüssel übernehmen, nur könnten sie nicht einmal mehr mitreden".

Laut Umfragen schwinde die Mehrheit der EU-Befürworter unter den Briten, und die Gegner seien leidenschaftlicher und leichter zu bewegen, an die Urne zu gehen. "Deshalb sehe ich reales Risiko in dem Referendum", sagte Fuest, der lange als Professor in Oxford gelehrt hatte. 

Weiterer Krisenherd Griechenland

Eine weitere zentrale Krise für die EU sieht er in Griechenland, "weil es hier um fundamentale Prinzipien der Zusammenarbeit in der Währungsunion geht". Die griechische Regierung habe die Reformverträge zwar unterschrieben, um frisches Geld zu bekommen, aber "die Reformen werden verschleppt", beklagte Fuest.

So habe Griechenland versprochen, durch Privatisierung 50 Milliarden Euro zu erlösen und mehr Dynamik in die Wirtschaft zu bekommen. Stattdessen wolle sie offenbar nur noch Staatsbetriebe für nicht einmal 10 Milliarden Euro verkaufen. Wenn Athen seine Zusagen nicht halte, aber in der Eurozone bleibe, sollte "nicht permanent noch mehr neues Geld nach Griechenland fließen", so Fuest: "Wenn man das einfach laufen ließe, würden andere Länder, die große Anstrengungen unternommen und ihrer Bevölkerung viel zugemutet haben, sich fragen, warum halten wir uns eigentlich an diese Abmachungen?"

Keine dauerhafte Alimentation

Ohne weitere europäische Zahlungen würde Athen zum Sparen gezwungen. "Vielleicht verlieren einige private Gläubiger Geld, und es könnte eng werden für einige griechische Banken. Aber es geht nicht, dass man das Land dauerhaft alimentiert", meint der Ökonom.

Einen weiteren Schuldenerlass seitens der öffentlichen Gläubiger lehnt Fuest ab. "Die Laufzeiten wurden bereits so weit gestreckt und die Zinsen so weit gesenkt, dass der Schuldendienst derzeit nicht das Hauptproblem Griechenlands ist."

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