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Volkswagen kürzt Vorstandsboni um 30 Prozent


Nach Rekord-Verlust  

VW kürzt Bonus-Zahlungen der Vorstände

22.04.2016, 18:49 Uhr | rtr, dpa-AFX, dpa, t-online.de

Volkswagen kürzt Vorstandsboni um 30 Prozent. Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, muss mit seinen Kollegen zunächst auf einen Teil der Boni verzichten. (Quelle: AP/dpa)

Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, muss mit seinen Kollegen zunächst auf einen Teil der Boni verzichten. (Quelle: AP/dpa)

Volkswagen kappt wegen des Abgas-Skandals die Vorstandsboni um 30 Prozent. Das sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil nach einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg. Zuvor hatte der Autokonzern einen Rekordverlust verkündet.

Die Boni sind für die Manager aber noch nicht endgültig verloren. Sie werden in Aktien umgewandelt und geparkt, erklärte der VW-Aufsichtsrat und niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Nach Ablauf von drei Jahren werde geprüft, wie sich der Aktienkurs entwickelt hat. Liegt er um ein Viertel über dem jüngsten Niveau, werde das Geld ausbezahlt. Liegt er weiter darüber, gebe es sogar entsprechend mehr Geld zurück. Falls der Kurs aber unter der Schwelle von 125 Prozent liegt, bekämen die betroffenen Vorstände prozentual entsprechend weniger. Zudem greife am oberen Ende der Fahnenstange eine Deckelung bei 200 Prozent.

Größter Verlust de Firmengeschichte

VW fuhr im vergangenen Jahr mit 4,1 Milliarden Euro den größten Betriebsverlust der Firmengeschichte ein. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 1,4 Milliarden Euro an, nach dem deutschen HGB-Bilanzstandard sogar von 5,5 Milliarden Euro. 2014 hatte VW noch elf Milliarden Euro verdient.

Dividende wird stark gekürzt

Wegen des Abgas-Skandals stellt der Konzern 16,9 Milliarden Euro zurück - zehn Milliarden mehr als bisher. Die Dividende bricht erheblich ein. Der Konzern will für jede seiner stimmrechtslosen Vorzugsaktion nur noch 0,17 Euro ausschütten.

Vor einem Jahr war noch der Rekordwert von 4,86 Euro geflossen. Damit liegt der Rückgang bei mehr als 96 Prozent.

Für die stimmberechtigten VW-Stammaktien sollen entsprechend 0,11 Euro fließen (zuvor: 4,80 Euro). Vorzugsaktionäre erhalten mehr Dividende - in der Regel 6 Cent -, weil sie kein Stimmrecht haben.


Niedersachsen bekommt fast 280 Millionen weniger

Für das Land Niedersachsen heißt das beispielsweise, dass diesmal nur 6,5 Millionen Euro auf den zweitgrößten VW-Aktionär entfallen. Vor einem Jahr hatte das Land noch rund 285 Millionen Euro Dividende kassiert. Die für Ende Juni anstehende Hauptversammlung muss dem aktuellen Dividendenvorschlag noch zustimmen. Das gilt als sicher, weil die Familien Porsche und Piëch mit der Porsche SE als Hauptaktionäre die Mehrheit von 51 Prozent halten.

Die Porsche SE kommt etwas besser weg. Zwar ist das Unternehmen entsprechend seiner Kapitalbeteiligung vom Verlust betroffen. Vor Steuern falle ein Fehlbetrag von 456 Millionen Euro an, teilte die Holding mit. Der Jahresüberschuss werde dank der im Geschäftsjahr 2015 vereinnahmten VW-Dividende für 2014 voraussichtlich aber 871 Millionen Euro betragen. Die Porsche SE schlägt ihrer Hauptversammlung daher eine Dividende von 20,4 Cent je Stammaktie und 21 Cent je Vorzugsaktie vor.

Trotz Krise mehr Umsatz

Der Umsatz von VW stieg im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent auf 213 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr stellte das Management um Konzernchef Matthias Müller einen Umsatzrückgang um bis zu fünf Prozent und eine operative Rendite zwischen fünf und sechs Prozent in Aussicht. Damit traut man sich nach dem Rekordverlust wieder schwarze Zahlen zu.

Die VW-Aktie fiel zunächst um 6,1 Prozent. Später erholte sie sich wieder und stieg sogar zwischenzeitlich ins Plus.

Erster Verlust seit den 90er Jahren

Der Abgas-Skandal hatte die jahrelange Erfolgsserie der Wolfsburger jäh beendet. Zuletzt hatte es im Jahr 1993 einen Jahresfehlbetrag gegeben, als sich VW ebenfalls in einer Krise befand: 1,9 Milliarden D-Mark, also umgerechnet rund eine Milliarde Euro. Weitere Verluste in den 1980er und 1970er Jahren waren weit geringer.

Manipulierte Abgaswerte bei rund elf Millionen Autos

Volkswagen hatte mit einer illegalen Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert. Dabei ging es um Werte des gesundheitsschädlichen Stickoxids. Weltweit sind elf Millionen Fahrzeuge betroffen. VW drohen neben den hohen Rückstellungen in der Bilanz noch immense Risiken wegen Strafzahlungen und Klagen von Kunden und Behörden in Milliardenhöhe.

Erst gestern hatte sich der Konzern mit den US-Behörden auf Grundzüge eines milliardenschweren Entschädigungsplans verständigt. Dieser sieht in den USA den Rückkauf von bis zu einer halben Million Dieselfahrzeugen mit manipulierten Abgaswerten und eine signifikante Entschädigung der Autobesitzer vor.

VW vor schweren Zeiten

Angesichts der massiven roten Zahlen drohen bei Volkswagen in den kommenden Wochen und Monaten heftige Auseinandersetzungen zwischen dem Management und den mächtigen Arbeitnehmervertretern. Bei der ertragsschwachen Kernmarke VW mit Modellen wie dem Golf und dem Passat will Markenchef Herbert Diess den Sparkurs verschärfen. Auf Initiative des Betriebsrats soll es aber nun Verhandlungen über feste Produkt-, Stückzahl- und Investitionszusagen für die nächsten Jahre geben.

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