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Großreform soll behinderte Menschen besser stellen


Umfassende Pläne  

Die Großreform für Behinderte soll kommen

26.04.2016, 08:29 Uhr | Von Basil Wegener, dpa

Großreform soll behinderte Menschen besser stellen. "Für Fristen zum Abbau von Barrieren" hat ein Rollstuhlfahrer jüngst auf dem Schlossplatz in Stuttgart demonstriert. (Quelle: dpa)

Behinderte demonstrieren für das Bundesteilhabegesetz. (Quelle: dpa)

Zu viele Barrieren, zu geringe Leistungen, zu wenig Wahlrecht - mit einer großen Reform sollen Menschen mit Behinderung bessergestellt werden. Das Kanzleramt gibt den Weg für den umfassenden Entwurf frei.

Die Leistungen für Betroffene sollen verbessert, die Bereitstellung weniger kompliziert werden. Der Schritt von Menschen mit Behinderung von speziellen Werkstätten auf den regulären Arbeitsmarkt soll erleichtert werden.

Jahrelang haben die ministeriellen Vorbereitungen gedauert, nun will die Bundesregierung die Lebensbedingungen für Millionen Menschen mit Behinderung in Deutschland spürbar verbessern. Mit dem sogenannten Bundesteilhabegesetz werden umfassende Pläne auf den Weg gebracht, die alle Teile einer großen Reform sind.

Das Bundeskanzleramt gab jetzt grünes Licht für die Abstimmung zwischen den beteiligten Ministerien. Entsprechende Informationen wurden aus Regierungskreisen bestätigt. 

Diese Abstimmung zwischen den Ministerien ist der erste Schritt, bevor ein Gesetzentwurf ins Bundeskabinett und das parlamentarische Verfahren kommt. Geplant sind finanzielle und zahlreiche andere Verbesserungen. Nach der Abstimmung zwischen den Bundesministerien solle der Entwurf noch vor der Sommerpause ins Bundeskabinett kommen, hieß es.

"Heute haben wir überall Mängel bei einer ziel- und passgenauen Versorgung", begründet Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt (SPD) die Vorhaben. Die frühere Gesundheitsministerin (unter Gerhard Schröder) ist auch Vorsitzende der Lebenshilfe, einer Vereinigung für Menschen mit geistiger Behinderung. "In vielen Bereichen muss etwas getan werden."

Die geplante Reform sei "das große Gesetz", das einem bereits vor Jahren begonnenen Paradigmenwechsel von der Fürsorge zur Teilhabe neuen Schub geben solle, verspricht Ulla Schmidt. Endlich könne Deutschland bei der Umsetzung der einschlägigen Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen vorankommen.

Nach dem bislang vorliegenden Gesetzentwurf ist geplant, dass das Vermögen von Menschen mit Behinderung, die Eingliederungshilfe bekommen, deutlich weniger angetastet wird. "Heute darf man nur 2600 Euro besitzen, alles andere wird angerechnet", erläutert Schmidt.

Ab 2017 sind dann steigende Mehrkosten für den Bund von bis zu 693 Millionen Euro im Jahr 2020 vorgesehen. Auf Länder und Gemeinden sollen in den kommenden vier Jahren Mehrkosten zwischen 30 und 154 Millionen Euro pro Jahr entfallen. Das letzte Wort zu den finanziellen Fragen ist noch nicht gesprochen. Bevor der Entwurf ins Kabinett kommt, will die Koalition noch einmal darüber sprechen.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Ulrike Mascher, sagt dazu: "Es müssen die finanziellen Mittel für notwendige Leistungsverbesserungen bereitgestellt werden."

Je nach dem wo die Menschen wohnen, bekämen sie heute mehr oder weniger Leistungen, kritisiert Schmidt. Das stehe einheitlichen Lebensverhältnissen entgegen. "Deutschland ist auch nicht erfolgreich genug bei Barrierefreiheit, etwa der Verbreitung leichter Sprache."


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