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Chinesen wollen Kuka Roboter übernehmen - Aktie explodiert


Zunächst 30 Prozent  

Chinesen wollen deutschen Anlagenbauer Kuka übernehmen

18.05.2016, 16:24 Uhr | dpa-AFX, rtr, t-online.de

Chinesen wollen Kuka Roboter übernehmen - Aktie explodiert. Kuka stellt unter anderem Industrie-Roboter für die Fertigung von Automobilen her. (Quelle: Reuters)

Kuka stellt unter anderem Industrie-Roboter für die Fertigung von Automobilen her. (Quelle: Reuters)

Erneut haben es Chinesen auf Ingenieurskunst "made in Germany" abgesehen: Der chinesische Haushaltsgeräte-Hersteller Midea will den deutschen Roboter- und Anlagenbauer Kuka übernehmen, zumindest 30 Prozent. Die Chinesen bieten den übrigen Aktionären satte 115 Euro je Kuka-Anteil. Die im MDax enthaltene Kuka-Aktie sprang am Mittwoch auf ein neues Rekordhoch. 

Das Augsburger Unternehmen wird nach der Offerte mit insgesamt rund 4,6 Milliarden Euro bewertet. Mideo - ein Konzern mit mehr als 100.000 Mitarbeitern - hält bereits mehr als 10 Prozent der Aktien des bayerischen Maschinenbauers, wolle aber nicht die komplette Kontrolle übernehmen, hieß es. Kuka, die unter anderem Roboter für die Autoindustrie herstellen, sollen an der Börse bleiben. Das Unternehmen reagierte nicht abgeneigt und kündigte an, das Angebot zu prüfen.

Wohl kein Widerstand durch Wirtschaft und Politik

Der größte Kuka-Aktionär, die Voith-Gruppe, kündigte an, die weitere Entwicklung zunächst zu beobachten. Der Maschinenbaukonzern aus Baden-Württemberg hält gut 25 Prozent an Kuka und kann damit wichtige Entscheidungen auf der Hauptversammlung blockieren. 

Auch durch die Politik droht wohl kein Widerstand zur geplanten Übernahme. "Wir leben in einer freien Marktwirtschaft und stehen im globalen Wettbewerb", sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs, der Nachrichtenagentur Reuters.

"Genauso wie unsere Unternehmen Anteile an ausländischen, auch chinesischen Unternehmen kaufen und sich beteiligen, genauso erwerben Chinesen inzwischen Anteile an innovativen deutschen Unternehmen." Wichtig sei aber, dass faire Investitionsmöglichkeiten wechselseitig offen stünden. "Gerade auch in Bezug auf China", sagte Fuchs.

Der Außenwirtschafts-Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags DIHK, Volker Treier, sagte, Deutschland könne Auslandsinvestitionen gut gebrauchen: "Während deutsche Unternehmen in China in Produktion und Anlagen im Wert von fast 60 Milliarden Euro aufgebaut haben, sind die Chinesen hierzulande nur mit etwa zwei Milliarden Euro aktiv."

Hoch, höher, Kuka 

Die Anteilsinhaber jedenfalls können sich freuen. Spätestens an diesem Mittwoch schweben sie im siebten Himmel. Nachdem Kuka-Papiere bereits seit 2013 von Rekordhoch zu Rekordhoch eilten, folgt nun mit dem Übernahmeangebot möglicherweise der finale Höhepunkt. Allerdings warnen Experten auch vor Risiken.

"Das Angebot ist unglaublich hoch", sagte ein Händler. Bei dem Preis müsse man als Aktionär eigentlich die Offerte annehmen. Der Börsianer denkt nicht, dass es ein Gegenangebot eines anderen Investors gibt. Eine solche Offerte wäre in seinen Augen "verrückt".

Vielmehr glaubt der Händler, dass manche Anleger nun auf dem falschen Fuß erwischt werden könnten, die bei Kuka angesichts skeptischer Analystenkommentare auf fallende Kurse gesetzt hätten. Diese Investoren müssten nun eventuell ihre Positionen schließen und zukaufen, um keine Verluste zu erleiden.

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Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg haben zuletzt 16 Analysten eine Verkaufsempfehlung für die Kuka-Aktien ausgegeben - das sind mehr als die Hälfte der aufgelisteten Experten. Viele Beobachter sehen den steilen Kursanstieg der Papiere in den letzten Jahren skeptisch.

Ein anderer Händler verwies darauf, dass das Gebot an kartellrechtliche und andere behördliche Genehmigungen gebunden sei. Ein weiterer Börsianer strich heraus, dass zuletzt vor allem in den USA viele Offerten chinesischer Firmen letztlich geplatzt seien.

Analyst Sebastian Growe von der Commerzbank gab überdies zu bedenken, dass Kuka sehr eng mit der deutschen Automobil-Branche zusammenarbeite. Insofern bleibe abzuwarten, wie sich ein möglicher Eigentümerwechsel mittel- und langfristig auf die Nachfrage nach den Produkten des Roboter- und Anlagenbauers durchschlage.

Weitere Kurssteigerungen nicht ausgeschlossen

Die Investmentbank Equinet sieht den Aktienkurs von Kuka mittelfristig noch deutlich über dem Übernahmegebot des chinesischen Haushaltsgeräteherstellers Midea von 115 Euro. Analyst Holger Schmidt erhöhte das Kursziel in einer Studie vom Mittwoch von 73 auf 125 Euro und stufte die Papiere zudem von "Reduce" auf "Accumulate" hoch.

Schmidt glaubt demnach, dass der Aktienkurs des deutschen Roboter- und Maschinenherstellers den "ausgesprochen attraktiven" Angebotspreis von Midea noch übersteigen werde.

Nach Meinung von Schmidt dürften die Chinesen mit der Zeit eine Komplettübernahme anstreben, wofür sie allerdings den Voith-Konzern mit seiner Sperrminorität überzeugen müssten. Insofern könnten die Chinesen beim Preis noch einmal nachlegen.

Midea war im August 2015 bei Kuka eingestiegen - damals war das Papier nach einem Durchhänger zwischenzeitlich für etwas mehr als 60 Euro zu haben. 

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