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Finanzplatz Frankfurt könnte von Brexit profitieren


Hoffnungen am Main  

Finanzplatz Frankfurt könnte von Brexit profitieren

06.06.2016, 17:11 Uhr | Jörn Bender, dpa, und Erik Nebel, dpa-AFX

Finanzplatz Frankfurt könnte von Brexit profitieren. Bankentürme in Frankfurt: Die Finanzmetropole am Main macht sich Hoffnungen, falls die Briten ja zum Brexit sagen. (Quelle: imago/Westend61)

Bankentürme in Frankfurt: Die Finanzmetropole am Main macht sich Hoffnungen, falls die Briten ja zum Brexit sagen. (Quelle: imago/Westend61)

Falls die Briten am 23. Juni entscheiden, dass ihr Land aus der EU austreten soll, könnte das anderen Finanzzentren einen Schub verleihen - zumindest kurzfristig. Hoffnungen macht sich unter anderem Frankfurt.

Überzeugte Europäer mögen gar nicht daran denken: Ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Doch wäre ein sogenannter Brexit nicht ein Segen für den Finanzplatz Frankfurt? Viele Experten sind sicher: London würde im Fall eines "No" der Briten zur EU seine Stellung als wichtigstes Finanzzentrum des Kontinents einbüßen. Profitieren könnte die Bankenmetropole Frankfurt, die schon jetzt mit ihrer Dichte an Finanzinstituten und Aufsichtsbehörden ein internationales Publikum anlockt. Jubel bricht angesichts dieser Perspektive am Main jedoch nicht aus.

Der Verband der Auslandsbanken in Deutschland warnt vor falschen Erwartungen. "Manchmal hört man hier, dass Frankfurt als Finanzplatz ein Gewinner eines Austritts Großbritanniens aus der Union sein werde", sagte Verbandschef Stefan Winter von der UBS bereits Mitte März. "Angesichts der vielen Variablen, Unbekannten und Ungewissheiten, wie es nach einem Votum für ein Verlassen der Union durch das United Kingdom weitergeht, finde ich solche Äußerungen etwas vorschnell."

Die Kandidaten neben Frankfurt: Dublin und Paris

Fakt ist: Banken brauchen für Dienstleistungen innerhalb der EU rechtlich selbstständige Tochterbanken mit Sitz in einem EU-Staat. Käme es zum Brexit, müsste das Geschäft mit Kunden in der Union "gemeinsam mit Personal und Infrastruktur aus Großbritannien in die EU, vermutlich insbesondere nach Paris, Dublin oder Frankfurt, verlagert werden", erklärt die DZ Bank.

Dass Frankfurt im Wettbewerb der Alternativstandorte das Rennen machen würde, halten Branchenkenner für keineswegs ausgemacht. Schon jetzt platzt Hessens größte Stadt aus allen Nähten. Bezahlbarer Wohnraum ist knapp, die Straßen sind oft dicht. Ende 2015 waren fast 200 Banken mit Hauptsitz in Frankfurt angesiedelt, 80 Prozent davon Auslandsinstitute. Gut 62.500 Bankbeschäftigte arbeiten in der Stadt.

Frankfurt versucht, mit kurzen Wegen zu punkten - auch zu Europas Finanzaufsehern. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Main ebenso ihren Sitz wie die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA. Mit der Ansiedlung der neuen Euro-Bankenaufsicht unter EZB-Führung 2014 sei Deutschlands wichtigstes Finanzzentrum "endgültig zur Hauptstadt des europäischen Aufsichtswesens" geworden, bilanzierte die Landesbank Hessen-Thüringen, Helaba.

Gerade die EZB könne "eine gewisse Magnetwirkung entfalten genauso wie eine große Anzahl von Fachkräften, gute Infrastrukturen und nicht zuletzt die stärkste Volkswirtschaft in der Union", meint der UBS-Manager Winter. "Aber auch die anderen genannten Standorte haben in der Vergangenheit immer wieder erhebliche Kreativität gezeigt, wenn es galt, internationale Unternehmen anzuwerben."

US-Banken bevorzugen wohl Dublin

Gerade Dublin hat gute Chancen. Viele US-Finanzkonzerne bevorzugen allein aus sprachlichen Gründen die irische Hauptstadt. Die Großbank Citigroup kündigte bereits an, ihre Europazentrale für das Privatkundengeschäft dorthin zu verlagern. Konkurrent Wells Fargo betreibt schon jetzt umfangreiche Geschäfte von Dublin aus. Die Schweizer Credit Suisse eröffnete dort einen Handelssaal.

Auch die Deutsche Bank stellt sich auf den Fall der Fälle ein. "Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet", sagte Konzernchef John Cryan bei der Hauptversammlung. Die Deutsche Bank sei durch ihre Niederlassungen in Frankfurt und London gut aufgestellt, um mögliche kurz- und längerfristigen Auswirkungen eines Brexit steuern zu können.

Der Handelsraum in London ist das Herz des Investmentbankings des größten deutschen Geldhauses. Auf die Frage, wohin die Bank ihre Londoner Aktivitäten mit etwa 9000 Mitarbeitern im Falle eines Brexit verlagern könnte, hatte Cryan im April der "Financial Times" gesagt: "Für uns würde es, wenn überhaupt, Frankfurt werden." Der Brite betonte aber zugleich: "Die Menschen schauen zu wenig auf die andere Seite der Medaille und fragen sich, was ein Brexit für Europa bedeuten würde. Wir sagen ganz klar: Es wäre alles andere als gut."

Deutsche Börse könnte sich verkalkuliert haben

Viel auf dem Spiel steht bei dem Referendum für die Deutsche Börse. Sie hatte sich im März auf einen Zusammenschluss mit dem Londoner Konkurrenten LSE geeinigt. Das Anteilsverhältnis ist schon festgezurrt. Damit könnte der Deal für den Frankfurter Marktbetreiber teuer werden, falls die Briten sich tatsächlich für einen EU-Austritt entscheiden. Denn dann - so befürchten viele Aktionäre des Dax-Konzerns - würde die Londoner Börse massiv an Wert verlieren.

Auf welcher Seite des Ärmelkanals unter Finanzmarkt-Akteuren letztlich Gewinner eines Brexit zu suchen sein werden, hängt davon ab, wie ein britisches Nein zur EU umgesetzt würde. Für das wahrscheinlichste Szenario halten Ökonomen der Helaba, dass sich Briten und EU auf einen "Scheidungsvertrag" einigen würden, der beide Seiten das Gesicht wahren ließe. London dürfte dann seine dominante Rolle als Finanzplatz behalten, prognostiziert Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud: "In diesem Fall wären die Hoffnungen mancher Finanzplatz-Akteure in Frankfurt verfrüht, von dem Ausscheiden Großbritanniens massiv profitieren zu können."

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