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Brexit-Folgen: Diese Branchen in Deutschland zittern vorm Brexit


Brexit-Angst in Deutschland  

Diese Branchen müssen besonders zittern

18.06.2016, 21:15 Uhr | dpa

Wenn die Briten am 23. Juni über den EU-Austritt entscheiden, wird auch die deutsche Industrie den Ausgang genau beobachten. Denn für sie steht viel auf dem Spiel angesichts der engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Ländern - es drohen Milliardenverluste.

Die Versicherungsagentur Euler Hermes kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass die deutschen Exporteure im Falle eines "harten Ausstiegs" Großbritanniens aus der EU zwischen 2017 und 2019 bis zu sieben Milliarden Euro einbüßen. Selbst mit Freihandelsabkommen lägen die Einbußen demnach noch bei fünf Milliarden Euro. In der Folge würde die Zahl der Insolvenzen in Deutschland steigen, sagt Euler Hermes.

Ein Blick auf die einzelnen Branchen:

Automobilindustrie: Jedes fünfte Auto geht nach Großbritannien

Neue Porsche Cayenne auf dem Gelände des Porsche Werks in Leipzig. (Quelle: dpa)Neue Porsche Cayenne auf dem Gelände des Porsche Werks in Leipzig. (Quelle: dpa)

Von strengeren Handelsbestimmungen sei die deutsche Automobilindustrie besonders betroffen, sagte Ron van het Hof, Euler-Hermes-Chef in Deutschland. Sie sei stärker als andere Industriezweige in die bilaterale Wertschöpfungskette eingebunden und würde bis 2019 rund zwei Milliarden Euro durch fehlende Ausfuhren einbüßen.

Dem Verband der Automobilindustrie (VDA) zufolge haben Autos deutscher Konzernmarken in Großbritannien einen Marktanteil von gut 50 Prozent - 810.000 Pkw seien dort vergangenes Jahr verkauft worden. So gehe jedes fünfte in Deutschland produzierte Auto ins Vereinigte Königreich, mehr deutsche Fahrzeuge gingen in kein anderes Land.

"Umso wichtiger ist es, dass Großbritannien Mitglied der EU bleibt", sagte VDA-Chef Matthias Wissmann gegenüber dem Branchenblatt "Automobilwoche". Der bei einem Brexit zu erwartende Produktionsrückgang beliefe sich bis 2030 auf zwei Prozent.

Maschinenbau: "deutliche Belastung"

Arbeit an einem Maschinenträger beim Windkraftanlagenbauer Nordex in Rostock. (Quelle: dpa)Arbeit an einem Maschinenträger beim Windkraftanlagenbauer Nordex in Rostock. (Quelle: dpa)

Bei einem Austritt Großbritanniens aus der EU fürchten auch Deutschlands Maschinenbauer um einen ihrer wichtigsten Exportmärkte. "Der Handel mit Großbritannien würde im Brexit-Fall wohl spürbar erschwert - für eine exportstarke und mittelständisch geprägte Industrie wie den Maschinenbau wäre dies eine deutliche Belastung", sagt Ulrich Ackermann, Außenwirtschaftsexperte des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Im vergangenen Jahr lieferten deutsche Hersteller Maschinen im Volumen von 7,2 Milliarden Euro nach Großbritannien. Das Vereinigte Königreich landete auf Rang vier der wichtigsten Ausfuhrländer für Maschinen "Made in Germany". Deutschland ist dem VDMA zufolge der wichtigste Maschinenlieferant der Briten, 2015 kamen 20,6 Prozent der importieren Maschinen aus der Bundesrepublik. Ron van het Hof von Euler Hermes sagt, die Maschinenbauer hätten im Fall eines Brexit bis 2019 mit rund einer Milliarde Euro Exporteinbußen zu kämpfen.

Elektroindustrie: Ausfuhren in der Höhe von zehn Milliarden Euro gefährdet

Prozessingenieur beim Spezialanlagenhersteller 3D Micromac in Chemnitz. (Quelle: dpa)Prozessingenieur beim Spezialanlagenhersteller 3D Micromac in Chemnitz. (Quelle: dpa)

Auch die deutsche Elektrobranche wäre merklich von einem Brexit betroffen. Laut Euler-Hermes-Studie hätte sie bis 2019 Ausfuhreinbußen von knapp einer Milliarde Euro hinzunehmen. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) gibt an, deutsche Hersteller hätten im vergangenen Jahr Elektroprodukte im Wert von 9,9 Milliarden Euro nach Großbritannien geliefert. Dies entspreche einem Anteil von 5,7 Prozent an den gesamten deutschen Elektroausfuhren. 

Das Vereinigte Königreich ist mittlerweile der viertwichtigste Abnehmer für deutsche Elektroexporte und der drittgrößte ausländische Investitionsstandort für deutsche Elektrounternehmen.

Chemieindustrie: "schlechtes Signal"

Laborantin untersucht eine Probe in der Pflanzenschutzmittelanlage der BASF im südbrandenburgischen Schwarzheide. (Quelle: dpa)Laborantin untersucht eine Probe in der Pflanzenschutzmittelanlage der BASF im südbrandenburgischen Schwarzheide. (Quelle: dpa)

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) rechnet bei einem Austritt Großbritanniens mit rückläufigen Investitionen über die Grenzen hinweg und weniger Handel. Im vergangenen Jahr habe die Chemiebranche Produkte im Wert von 12,9 Milliarden Euro nach Großbritannien exportiert, vor allem Spezialchemikalien und Pharmazeutika. Das seien 7,3 Prozent aller Exporte gewesen. 

Gleichzeitig hätten deutsche Chemiefirmen Waren für 5,6 Milliarden Euro von der Insel bezogen, vor allem pharmazeutische Vorprodukte und Petrochemikalien. "Gerade jetzt, wo sich die Konjunktur in Europa zaghaft erholt, wäre ein Austritt ein schlechtes Signal für die weitere wirtschaftliche Entwicklung", erklärte VCI-Präsident Marijn Dekkers.

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