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Pharmafirmen zahlen halbe Milliarde Euro für Ärzte und Studien


Pharmafirmen legen offen  

Hunderte Millionen für Ärzte und Studien

20.06.2016, 22:17 Uhr | dpa-AFX

Pharmafirmen zahlen halbe Milliarde Euro für Ärzte und Studien. Die Pharmaindustrie zählt auf die Zusammenarbeit mit Medizinern - und zahlt für Studien oder Vorträge.  (Quelle: imago images/Westend1)

Die Pharmaindustrie zählt auf die Zusammenarbeit mit Medizinern - und zahlt für Studien oder Vorträge. (Quelle: Westend1/imago images)

Die Pharmaindustrie hat im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als eine halbe Milliarde Euro an Ärzte und Krankenhäuser für klinische Studien, Weiterbildungen und Vortragshonorare gezahlt. Die Unternehmen begründen das mit der Wichtigkeit für die Forschung, Kritiker sehen darin eine Beeinflussung der Medizinbranche.

Die Summe betrage für das Jahr 2015 insgesamt rund 575 Millionen Euro, teilte der Verband Forschender Pharma-Unternehmen (vfa) in Berlin mit. Mit der erstmaligen Veröffentlichung der Zuwendungen setzen die 54 Unternehmen des vfa und der Freiwilligen Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie (FSA) einen Transparenzkodex um. Den hatte sie sich selbst auferlegt, nachdem der Bundestag Mitte April ein Gesetz gegen Korruption im Gesundheitswesen verabschiedet hatte.

Immer wieder sieht sich die Branche dem Vorwurf ausgesetzt, Geld für umstrittene Studien, Fortbildungen und Reisen zu bezahlen. Mit der Transparenzoffensive wollen die Unternehmen den Verdacht der Einflussnahme auf Ärzte zur Verschreibung bestimmter Arzneimittel ausräumen. Krankenkassen und Anti-Korruptions-Experten halten die Selbstverpflichtung allerdings für nicht ausreichend.

Nutzen für Forschung teilweise umstritten

366 Millionen flossen allein für klinische Studien und umstrittene Anwendungsbeobachtungen. Gerade bei Anwendungsbeobachtungen von Arzneimitteln an Patienten im Alltag wurde immer wieder der Verdacht der Korruption laut. Nach Ansicht von Kritikern dienen diese allein dazu, dass Ärzte ein bestimmtes Arzneimittel bevorzugt verschreiben. Die Pharmaindustrie sieht in der Erprobung der Arzneimittel im Alltag einen wichtigen Forschungsbestandteil.

Weitere 119 Millionen gingen den Angaben zufolge an Ärzte, Apotheker und andere Fachangehörige für Vortragshonorare und Fortbildungen, 90 Millionen Euro an medizinische Organisationen und Einrichtungen für Sponsoring von Veranstaltungen, Spenden und Stiftungen.

Beginn einer "neuen Kultur"?

Die 54 Unternehmen wollen bis Ende Juni und künftig einmal im Jahr ihre Leistungen an Ärzte und medizinische Einrichtungen offenlegen. Soweit es der Datenschutz erlaubt, machen die Unternehmen auch Leistungen an einzelne Ärzte nachvollziehbar. Einer Veröffentlichung muss aber jeder einzelne Arzt zustimmen. Nach Einschätzung von FSA und vfa sind derzeit etwa ein Drittel der Ärzte bereit, diese Zuwendungen offenzulegen. Viele warteten aber ab, wie die Öffentlichkeit auf die Transparenzinitiative reagiere. Man stehe erst am Beginn einer "neuen Kultur" in dem Bereich.

"Wir wollen die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Ärzten besser erklären." Das werde die Akzeptanz in der Öffentlichkeit und bei Patienten erhöhen, erklärte vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Dem vfa gehören Firmen wie Bayer, GlaxoSmithKline, Novartis, Boehringer Ingelheim und Sanofi an.

GKV lobt den Vorstoß

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sprach von einer "guten Initiative, Licht in die Zahlungen der Pharmaindustrie an Dritte zu bringen. Es fehlt allerdings noch, dass der einzelne Patient nachvollziehen kann, an welchen Arzt wie viel Geld geflossen ist", sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz. Ähnlich argumentierte die Deutsche Stiftung Patientenschutz. Ärzte dürften sich immer noch hinter dem Datenschutz verstecken. "Deshalb ist der Gesetzgeber gefordert, diesen Namenlosen endlich ein Gesicht zu geben", erklärte Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Links-Fraktion, Kathrin Vogler, kritisierte: "Was die Arzneimittelindustrie als Selbstkontrolle ihrer Einflussnahme auf Ärztinnen und Ärzte verkaufen will, ist eher eine große Imagekampagne."

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