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Brexit-Folgen: Das ändert der EU-Austritt für die Deutschen


Produkte werden günstiger  

Das ändert der Brexit für die Deutschen

26.06.2016, 12:16 Uhr | dpa, AFP

Brexit-Folgen: Das ändert der EU-Austritt für die Deutschen. Der Brexit wird sich auch auf den Alltag der Deutschen auswirken. Besonders für Touristen und Studenten dürfte sich manches ändern.  (Quelle: dpa)

Der Brexit wird sich auch auf den Alltag der Deutschen auswirken. Besonders für Touristen und Studenten dürfte sich manches ändern. (Quelle: dpa)

Die Briten gehen, viele Fragen bleiben. Wie wird sich der Abschied des Vereinigten Königreichs von der EU auf den Alltag der Deutschen auswirken? In vielen Fällen werden die Folgen erst zu spüren sein, wenn der Brexit nach der Übergangsfrist tatsächlich passiert ist.

Sobald Großbritannien die EU verlässt, werden das auch die Menschen in Deutschland zu spüren bekommen. Besonders für Touristen und Studenten dürfte sich bei Aufenthalten auf den Inseln so manches ändern. Anleger spüren die Auswirkungen des Brexits schon jetzt. Eine Übersicht zu Folgen der EU-Austrittsentscheidung:

Einreise und Aufenthalt

Großbritannien gehört nicht zu den Staaten des Schengener Abkommens, bei der Einreise gibt es schon jetzt strengere Kontrollen als in anderen Teilen der EU. Daran werde sich erstmal nichts ändern, erklärt Bernd Krieger, Leiter des Zentrums für Europäischen Verbraucherschutz Deutschland. Ob der Personalausweis auch künftig reicht oder ob der Reisepass oder sogar ein Visum erforderlich ist, lässt sich noch nicht absehen. Grundsätzlich könnte es laufen wie in der Schweiz und Norwegen. Dort dürfen sich EU-Bürger bis zu 90 Tage lang visumsfrei aufhalten. Laut dem Auswärtigem Amt erkennen aber viele Behörden und Banken den EU-Personalausweis in Norwegen nicht an. Das Ministerium rät deshalb, bei einem längeren Aufenthalt immer einen Reisepass dabeizuhaben. 

Reisekosten

Für Reisende aus Euro-Ländern ist der Brexit zunächst eine gute Nachricht: Mit dem sinkenden Kurs des Pfunds dürfte ein Urlaub in Großbritannien preiswerter werden.

Fahrgast- und Fluggastrechte

EU-Verordnungen sprechen Reisenden zum Beispiel bei der Verspätung oder Annullierung eines Fluges eine Entschädigung zu. Möglich - aber nicht sicher - ist, dass Großbritannien solche Regelungen weiterhin einhält. Laut Krieger garantieren zum Beispiel auch Island und Norwegen die gleichen Fahrgastrechte wie EU-Länder, denn sie gehören dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) an. Ansprüche hat man aber nur, wenn man von einem Flughafen in der EU abfliegt oder mit einer EU-Fluglinie in einem Mitgliedsland ankommt. Fliegt man mit einer Nicht-EU-Fluglinie - wie künftig British Airways - in Großbritannien ab und verspätet sich stark, gebe es künftig keine zugesicherten Ersatzleistungen mehr.

Krankenversicherung

Für deutsche Touristen, die in Großbritannien erkranken, ändert sich bis zum tatsächlichen Austritt der Briten aus der EU nichts. So lange übernehmen die Krankenkassen weiterhin die Kosten für medizinisch notwendige Heilbehandlungen. Voraussetzung ist, dass der Reisende sich einen Arzt sucht, der für den National Health Service (NHS) arbeitet, erklärt der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung. Unter www.nhs.uk/pages/home.aspx finden Reisende Listen mit Ärzten und Kliniken am Aufenthaltsort.

Für privat Krankenversicherte gilt: Bei vorübergehenden Aufenthalten macht es keinen Unterschied, ob Großbritannien zur EU gehört oder nicht, erklärt der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV). "Die Kosten für medizinisch notwendige Heilbehandlungen übernimmt die private Krankenversicherung weltweit, wenn der Auslandsaufenthalt nicht länger als einen Monat dauert", sagt Nina Schultes vom PKV.

Geldanlage

Die schweren Kursschwankungen nach dem Votum für den Brexit sollten Anleger nicht zu überstürztem Handeln veranlassen. Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) rät zu Gelassenheit: Er rechne zwar auch in den kommenden Tagen mit "mittleren Börsenbeben".

Für Sparer, die ihr Geld bei einer britischen Bank angelegt haben, ändert sich zunächst auch nichts, wie der vzbv versichert: Die Einlagensicherung bestehe weiterhin bei 75.000 Pfund. Das entspricht in etwa dem europäischen Standard von 100.000 Euro.

Im Auge behalten sollten Sparer aber die langfristige Entwicklung des Wechselkurses: Ein Fallen des Pfundes lässt die Einlagensicherung im Vergleich zum Euro abschmelzen. Stiftung Warentest rät deswegen, einen großzügigen Puffer zu der Grenze von 100.000 Euro einzurichten.

Studienaufenthalte

Großbritannien ist bei Studenten beliebt: Insgesamt waren 2013 laut Statistischen Bundesamt 15.700 Deutsche an einer britischen Hochschule eingeschrieben. Nur in Österreich und die Niederlande waren es mehr. Den EU-Studenten drohen nun höhere Studiengebühren auf der Insel. Bisher müssen sie den gleichen Satz wie britische Studenten und nicht den wesentlich höheren von Nicht-EU-Ausländer zahlen. Dieser Sonderstatus steht in Frage.

Das Vereinigte Königreich könnte auch aus dem europäischen Bildungsprogramm Erasmus fallen, das Studenten im Ausland finanziell unterstützt. Per se ist die Teilnahme an dem Programm aber nicht an eine EU-Mitgliedschaft geknüpft, wie die Beispiele Island und die Türkei zeigen.

Roaming

Sobald Großbritannien kein EU-Mitglied mehr ist, könnten auf Reisende höhere Mobilfunkkosten zukommen. Innerhalb der EU sollen 2017 zwar die Roaming-Kosten komplett entfallen. Für Großbritannien müssen Anbieter diese Vorgabe aber theoretisch nicht umsetzen, sagt Thorsten Neuhetzki vom Telekommunikationsportal "Teltarif.de". "Unterm Strich könnte das Telefonieren und Surfen für Mobilfunkkunden in Großbritannien nach dem Brexit teurer werden." Zu der Frage, wie Großbritannien nach dem EU-Austritt tariflich behandelt werden könnte, wollten sich die großen Mobilfunkanbieter Telekom, Telefónica (O2/E-Plus) und Vodafone auf Anfrage zunächst nicht äußern.

Was passieren kann, zeigen die Beispiele anderer europäischer Nicht-EU-Länder wie der Schweiz oder Norwegen. Diese gruppieren viele Mobilfunkanbieter derzeit trotzdem in den Euro-Tarif ein - manche aber auch nicht. Diese Tariffreiheit hätten die Provider nach dem Brexit auch in Bezug auf Großbritannien, sagt Neuhetzki.

Arbeitsplätze in Deutschland

Großbritannien ist einer der wichtigsten Abnehmer für Waren "Made in Germany". Im vergangenen Jahr war die Insel drittwichtigster Exportmarkt für deutsche Unternehmen. Eine mögliche Abwertung des Pfunds und eine höhere Inflation könnten die Preise für diese Waren dort nach oben treiben und den Absatz womöglich senken. Insgesamt drohen den Exporteuren laut einer Studie des Kreditversicherers Euler Hermes bis 2019 Einbußen in Höhe von 6,8 Milliarde Euro.

"Damit stehen auch in Deutschland Arbeitsplätze unter Vorbehalt", sagt Volker Treier, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Der Verband schätzt, dass etwa 750.000 Arbeitsplätze hierzulande von den Ausfuhren auf die Insel abhängen.

Britische Produkte

Englisches Weingummi, Orangenmarmelade und schottischer Whiskey sind wohl mit die bekanntesten britischen Produkte, die hierzulande zu finden sind. Vor allem aber exportieren die Briten Autos und Autoteile nach Deutschland. Insgesamt wurden laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr Waren im Wert von 38,3 Milliarden Euro eingeführt - Großbritannien ist auf Platz neun in der Liste der wichtigsten Importeure.

Experten gehen davon aus, dass das Pfund auch nach dem Absturz am Freitag schwach bleiben wird. Damit würden britische Produkte hierzulande preiswerter - zumindest zeitweise. Denn auf der anderen Seite sind mit dem Nein zur EU auch wieder Zölle und andere Handelsabgaben möglich. Sie könnten die Preise steigen lassen.

 

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