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Brexit-Auswirkungen gefährden Weltwirtschaft - neue Krise im Anflug?


BIZ warnt  

Brexit könnte globale Wirtschaft ins Wanken bringen

27.06.2016, 13:04 Uhr | rtr, dpa, t-online.de

Brexit-Auswirkungen gefährden Weltwirtschaft - neue Krise im Anflug?. Der Generaldirektor der BIZ, Jaime Caruana, ist besorgt um die Weltwirtschaft. (Quelle: Reuters)

Der Generaldirektor der BIZ, Jaime Caruana, ist besorgt um die Weltwirtschaft. (Quelle: Reuters)

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) macht sich große Sorgen um die Weltwirtschaft. Die Kombination aus Rekordverschuldung, niedrigem Wirtschaftswachstum und schwindendem Handlungsspielraum könnte eine neue globale Krise heraufbeschwören. Das Ausscheren Großbritanniens aus der EU könnte letztlich der Auslöser für einen Kollaps sein. 

Die großen Notenbanken stellen sich nach der Entscheidung der Briten für einen EU-Ausstieg auf anhaltende Turbulenzen an den Finanzmärkten ein. Großbritannien sei eng in die Weltwirtschaft integriert und beherberge auch einige der weltweit wichtigsten Finanzzentren, sagte der Generaldirektor der BIZ, Jaime Caruana, auf der Jahresversammlung in Basel. Die BIZ ist quasi die Zentralbank der Notenbanken.

Zusammenarbeit auf globaler Ebene notwendig

"Es wird wahrscheinlich eine Zeit der Unsicherheit und Anpassung geben." Er sei aber zuversichtlich, dass sich die Unsicherheit durch Zusammenarbeit auf globaler Ebene eingrenzen lasse und Anpassungen so reibungslos wie möglich erfolgten.

Schon vor dem Brexit-Votum der Briten schwante der BIZ Böses: Der Produktivitätsanstieg sei ungewöhnlich niedrig, die globalen Schuldenstände beispiellos hoch und der wirtschaftspolitische Handlungsspielraum äußerst eng, warnt die Dachorganisation der Zentralbanken in ihrem am Sonntag veröffentlichten Jahresbericht.

Negativ-Zinsen belasten die Geldpolitik

Das Unbehagen zeige sich am deutlichsten in den anhaltend niedrigen und teilweise sogar negativen Zinsen. "Die Grenzen des Undenkbaren werden immer weiter ausgedehnt", sagte BIZ-Chefvolkswirt Claudio Borio. Mitte Juni seien Staatsanleihen im Wert von fast neun Billionen Dollar mit negativen Renditen gehandelt worden - ein neuer Rekord.

"Eine Entlastung der Geldpolitik, der viel zu lange zu viel aufgebürdet wurde, ist unerlässlich", mahnte Borio. In der Euro-Zone liegen die Leitzinsen inzwischen auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Banken müssen zudem Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld parken. Der Einlagensatz liegt momentan bei minus 0,4 Prozent. Eine Abkehr von der in Deutschland umstrittenen ultralockeren Geldpolitik ist nicht in Sicht.

Wesentlich beigetragen zur "gegenwärtigen Malaise" habe das Unvermögen, die enorm schädlichen Auf- und Abschwünge des Finanzsystems in den Griff zu bekommen und das daraus entstandene schuldenfinanzierte Wachstumsmodell. "Eine wirtschaftspolitische Neuausrichtung ist dringend nötig", forderte Borio.

Große Sprengkraft durch faule Kredite

Hinzu kommen die faulen Kredite in den Büchern von Banken gerade in der Eurozone. Das Problem von ausfallgefährdeten Darlehen sei noch nicht gelöst, kritisiert die BIZ. Die historischen Niedrigzinsen verschleierten bislang noch das Ausmaß der Gefahren. So könnten Banken drohende Abschreibungen derzeit noch aufschieben.

Faule Kredite seien aber weiter eine große Bedrohung für die ohnehin schon schwache Profitabilität vieler Institute, erklärte die BIZ, in der sich die wichtigsten Notenbanken der Welt zusammengeschlossen haben. Das könne auch die Vergabe neuer Kredite hemmen.

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Falls in absehbarer Zukunft die Zinsen anziehen sollten, dürfte das die hoch verschuldeten Staaten zusätzlich in die Bredouille bringen. Weil die meisten Staaten auf großen Mengen Staatsanleihen sitzen, wäre eine Staatsschuldenkrise kaum zu vermeiden. Und jede Staatspleite würde sich sofort zu einer globalen Finanzkrise ausweiten.

Banken müssen ihre Probleme in den Griff kriegen

Deshalb riefen die Experten die Politik in den betroffenen Ländern zu Unterstützung für die Finanzinstitute auf. In der Vergangenheit hätten sich etwa steuerliche Vorteile und der Abbau von Hindernissen bei Umschuldungen bewährt und dazu geführt, dass die Banken ihre Probleme in den Griff bekamen.

Dazu könnten etwa öffentliche Fonds beitragen, die faule Kredite zu klar beschriebenen Konditionen übernehmen könnten. In Italien ist im Frühjahr ein solcher Fonds ins Leben gerufen worden, um den Banken beim Abbau ihrer Altlasten zu helfen.

Zentralbanken helfen der Bank of England

Das Brexit-Votum verschärft die Lage, denn die neue politische Unsicherheit dürfte das dringend benötigte globale Wirtschaftswachstum nicht gerade beschleunigen.

Immerhin erklärten sich die großen Zentralbanken der Welt bereit, die Finanzmärkte zu stabilisieren. Die Notenbanker hätten bei ihrem Treffen in der Schweiz Notfallmaßnahmen der Bank of England befürwortet und ihre Bereitschaft zur Unterstützung signalisiert, teilte die BIZ mit. Es sei eine enge Kooperation vereinbart worden.

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